Dr.med. Othmar Mäser, Psychiater Psychotherapie

Gedächtnisstörung

Eine Gedächtnisstörung ist eine Störung bei der das Gedächtnis in seiner Funktion gestört ist.

Es ist bei einer Gedächtnisstörung also die Bereitstellung einer früher eingespeicherten Information beeinträchtigt.

Dabei kann die Gedächtnisstörung ein Merkmal einer psychischen Störung sein, wie diese in der Psychiatrie als krankheitswertige Störung der Gesundheit somit als Krankheit diagnostiziert wird. Oder es ist die Gedächtnisstörung eine Störung des mentalen Prozesses, wie diese als natürliche Schwankung der Gedächtnisleistung beim gesunden Menschen in Abhängigkeit von der Tagesverfassung (etwa bei Müdigkeit / Überlastung / in Abhängigkeit vom Grad der Wachheit / Schläfrigkeit und sonstigen  Faktoren) vorkommt.

Bei der Gedächtnisstörung ist das Erinnern und oftmals auch das Merken gestört.

Es besteht bei der Gedächtnisstörung also Erinnerungsstörung und oftmals eine Merkfähigkeitsstörung.

Somit ist bei einer Gedächtnisstörung grundsätzlich also das Erinnern beeinträchtigt.

Daher kann man die Gedächtnisstörung auch als Assoziationsstörung bezeichnen, insofern hier die Assoziation der Inhalte der Psyche beeinträchtigt ist.

Man kann daher auch sagen, dass bei der Gedächtnisstörung der Geist der Person beeinträchtigt bzw. gestört ist und handelt es sich daher um eine Geistesstörung respektive eine geistige Störung.

Biologisch betrachtet kann man auch sagen: die Gedächtnisstörung beruht auf einer Funktionsstörung des Gehirns. Und man kann daher bei der Gedächtnisstörung von einer neuronalen Funktionsstörung sprechen.

Oder aus der Sicht der Psyche betrachtet kann man bei der Gedächtnisstörung von einer psychischen Funktionsstörung sprechen.

Aus der Sicht der Psychopathologie handelt es sich bei der Gedächtnisstörung um ein psychopathologisches Phänomen.

Dabei kann die Ursache der Gedächtnisstörung bekannt sein oder sie ist nicht näher bekannt.

Es gibt Gedächtnisstörungen, die funktionell bedingt sind, etwa wenn es sich um eine psychische Störung handelt, die durch einen psychischen Komplex bedingt ist. Man kann in diesem Fall von einer psychisch bedingten „Zugriffs-Störung“ sprechen, wie sie bei einer Neurose vorkommen kann (zum Beispiel die Scham / Schamgefühl / oder ein Schuldgefühl / oder sonst ein Gefühl / Affekt blockiert den Zugriff auf die Inhalte im Speicher und damit auf das Gedächtnis).

Oder es kann eine Gedächtnisstörung im Rahmen der Übermüdung eintreten, oder bei einer Depression, oder bei sonst einer psychischen Störung in deren Rahmen der Zugriff auf die Gedächtnisinhalte gestört ist.

Ähnlich wie bei der Übermüdung kommt es auch bei der Erschöpfung zur beeinträchtigten Funktion des der Psyche und damit zu Störungen in Bezug auf die Gedächtnisleistung.

Einen ähnlichen Vorgang kann man sich bezüglich einer Depression (depressive Störung) vorstellen und auch beim Burnout, weil auch hier Gedächtnisstörungen im Sinn einer erschwerten Assoziation auftreten.

Gedächtnisstörungen sind je nach dem Schweregrad und der Art der psychischen Störung mit Störungen in der Orientierung verbunden. Es treten also im Zusammenhang mit Gedächtnisstörungen oftmals Orientierungsstörungen auf.

Eine sehr häufige Ursache einer Gedächtnisstörung ist eine organisch bedingte Störung der Gehirnfunktion, wie sie etwa beim Organischen Psychosyndrom (OPS) auftrittt.

In diesem Sinn kommt es etwa bei der Alzheimer-Krankheit (Morbus Alzheimer) oder bei einer sonstigen organisch bedingten Störung des Gehirns zur Störung der Denkfunktionen und damit auch zur Störung der Gedächtnisfunktion. Bei einer weit fortgeschrittenen psychischen Störung dieser Art imponiert das klinische Erscheinungsbild der Demenz.

Bei einer Gedächtnisstörung ist also die neuronale Funktion beeinträchtigt.

Es kann sich dabei um eine nur funktionelle Beeinträchtigung handeln, die per Definition reversibel ist.

Oder es handelt sich bei der Gedächtnisstörung um eine Beeinträchtigung der Gehirnfunktion infolge einer Veränderung – etwa also Folge einer Schädigung oder Degeneration – der Gehirnsubstanz und damit um eine morphologisch fassbare und oftmals auch morphologisch demonstrierbare Schädigung der Gehirnsubstanz und damit des zentralen Nervensystems.

In gewissen Fällen ist die Gedächtnisstörung also besserungsfähig etwa wenn es sich um eine reversible Funktionsstörung im Rahmen einer Depression (depressive Störung) handelt.

Auch bei gewissen neurologischen Störungen (Beispiel: Zustand nach Schlaganfall / Apoplex oder nach einer Kopfverletzung) kann sich die Gedächtnisstörung zurückbilden. Man spricht dann unter Umständen von einem Durchgangssyndrom.

Es erholt sich hier also die neuronale Funktion und es kommt bei Zustand nach Verletzung und Schädigung des Gehirns bzw. des Nervensystems auch zur Regeneration infolge der Neuroplastizität. Als Folge davon wird die Lernfähigkeit das Denkvermögen überhaupt die Fähigkeit zu Denken und damit auch die Gedächtnisleistungen wieder besser werden.

So können zum Beispiel die Hirnleistungen nach einem Schlaganfall  (Apoplex bzw. Insult) und auch nach entzündlichen Prozessen im Gehirn (Meningitis, Enzephalitis, Meningoenzephalitis, Multiple Sklerose) die Hirnleistungen und damit auch die Gedächtnisleistungen sich je nach Verlauf wieder bessern.

Bei einem Rausch (Rausch-Syndrom) treten ebenfalls Gedächtnisstörungen auf, die durch die Ernüchterung bzw. durch die Entgiftung der berauschenden Substanz in der Leber sich in der Regel zurückbilden.

Bei einem Organischen Psychosyndrom nach einer schweren Kopfverletzung oder bei einer sonstigen schweren Schädigung des Gehirns beobachtet man in vielen Fällen eine langzeit mäßig bestehende Gedächtnisstörung und man kennt in der Psychiatrie in diesem Zusammenhang den Begriff des Korsakow-Syndroms.

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(letzte Änderung 08.12.2017, abgelegt unter: Definition, Demenz, Diagnostik, Diagnostizieren, Funktionsstörung, Gedächtnis, Gutachten, Medizin, Nervensystem, Neurologie, Psyche, Psychiatrie, psychische Störung, Psychologie, Psychopathologie, Psychose, Rechtsprechung.

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