Dr.med. Othmar Mäser, Psychiater Psychotherapie

tolerant

Tolerant ist wer eine andere Sichtweise und Handlungsweise gelten lässt.

In der Regel ist die Toleranz die Folge der richtigen Kognition also die Folge des richtigen Erkennens. Wer erkennt, dass man einen Zusammenhang so, oder auch anders sehen kann, der wird tolerant sein. Hingegen wird eine Person die dies nicht erkennt unter Umständen intolerant sein, insbesondere wenn sie eine gewisse Machtposition innehat und diese in Folge der anderen Sichtweise gefährdet sieht.

Damit wird deutlich, dass eine Person die die Grenzen ihres subjektiven Wissens erkennt in der Regel tolerant sein wird, wohingegen eine Person die die Grenzen ihres subjektiven Wissens nicht erkennt bzw. die ihr subjektives Wissen überschätzt, weil sie nicht erkennt, dass es sich dabei um beschränktes Wissen handelt intolerant sein und auf der Richtigkeit ihrer Sichtweise beharren. Eine solche Person wird als anmassend auftreten obwohl ihr Anspruch einer kritischen Prüfung nicht standhält (vgl. mit Kant Zitat 10)

Man erkennt damit dass eine Person die im Sinn der Aufklärung aufgeklärt ist in der Regel tolerant sein wird, wohingegen dies in der Regel auf ein Person, die nicht im Sinn der Aufklärung aufgeklärt ist nicht zutreffend ist, weil diese ihr subjektives Wissen überschätzt (vgl. mit Kant Zitat 10)

Dabei ist die Toleranz nicht Gleichgültigkeit, weil eine tolerante Person sehr wohl unterscheidet was man „so“ oder auch „anders“ sehen kann. Was eine Person auf der Grundlage von bloßen Ideen erkennt, kann man sehr wohl „so“ oder auch „anders“ sehen, weil es sich dabei um aus der Erfahrung abgeleitetes Wissen handelt, das man nicht auf der Ebene der Objekte überprüfen kann (vgl. mit Kant Zitat 7 und Kant Zitat 9). Daher wird eine im Sinn der Aufklärung aufgeklärte Person tolerant sein, wenn es sich um eine subjektive mögliche Sichtweise handelt. Gleichzeitig wird sie aber nicht gleichgültig sein und nicht alles akzeptieren und auch nicht alles tolerieren.

So kann man beispielsweise in den verschiedenen Religionen einen unterschiedlichen Glauben in der Theologie verschieden vertreten und wird daher eine im Sinn der Aufklärung aufgeklärte Person in dieser Hinsicht tolerant sein. Auch in der Psychologie, in der Psychiatrie und in Teilbereichen der Medizin – überhaupt in der Wissenschaft – wird eine im Sinn der Aufklärung aufgeklärte Person wissen und unterscheiden, wo man den Sachverhalt verschieden sehen und damit diesen verschieden verstehen, verschieden erklären und somit verschieden interpretieren kann und wo andererseits nur eine Sichtweise richtig ist, weil es sich um objektives Wissen handelt. Eine tolerante Person unterscheidet also zwischen Gewissheit,  Glaube und Meinung und sie weiß  daher von welchem Grad das jeweilige Wissen ist.

.

(letzte Änderung 31.1.2017, abgelegt unter philosophische Begriffe)

……………………………………..

weiter zum Beitrag: Toleranz

……………………………………..

weiter zum Beitrag: Aufklärung

…………………………………….

weiter zum blog: philosophische Begriffe

………………………………………..

weiter zum Beitrag: Erkennen

…………………………………………

weiter zum blog: Wissen

…………………………………………

weiter zum Beitrag: Gutachten

………………………………………

weiter zum Beitrag: Wissenschaft

…………………………………………..

Antiloop GmbH / bechtold.at.