Dr.med. Othmar Mäser, Psychiater Psychotherapie

neurologische Störung

Eine neurologische Störung ist eine gesundheitliche Störung die sich klinisch als neurologische Funktionsstörung manifestiert.

Demgemäß ist bei einer neurologischen Störung die neurologische Funktion beeinträchtigt respektive gestört, und es kann sich dies im konkreten Fall durch ein einzelnes neurologisches Phänomen oder durch ein einzelnes neurologisches Symptom oder durch den neurologischen Symptomenkomplex manifestieren.

Damit wird deutlich, dass die neurologische Störung sich durch die klinische Erscheinung manifestiert.

Dabei kann man die neurologische Störung in gewissen Fällen auf einen körperlichen Befund zurückführen und das Auftreten der neuronalen Funktionsstörung dadurch erklären. In einem derartigen Fall kann die neurologische Störung letztlich also als Folge dieses körperlichen Befundes erklärt werden, und man kann die neurologische Diagnose dadurch in gewisser Hinsicht sichern. Dies trifft etwa auf eine Halbseitenparese zu, bei der im Rahmen der Abklärung der Verschluss eines Astes der Arteria cerebri media nachgewiesen werden kann, wodurch in diesem Fall die vorerst bestehende Verdachtsdiagnose (Verdacht auf Schlaganfall) durch diesen körperlichen Befund gesichert werden kann.

In anderen Fällen einer neurologischen Störung ist dies nicht möglich und kann die neurologische Diagnose allein auf Grund der klinischen Erscheinung bzw. nur durch das klinische Erscheinungsbild gestellt werden. In einem derartigen Fall wird die neurologische Störung durch den phänomenologischen Befund erfasst. Dies trifft etwa auf eine Migräne, auf Spannungskopfschmerzen, oder auf eine andere Form eines primären Kopfschmerzes zu bzw. trifft dies generell auf eine neurologische Störung zu, die nicht auf einen körperlichen Befund zurückgeführt werden kann. Schließlich gibt es in der Neurologie auch noch neurologische Störungen bei denen nicht ein einziger faktischer Befund aufgezeigt werden kann, sondern bei denen neben dem klinischen Erscheinungsbild das durch den Symptomenkomplex erfasst wird noch mehrere typische körperliche Befunde aufgezeigt werden können (Beispiel: Multiple Sklerose die primär phänomenologisch begründet erkannt wird bei der in der Regel jedoch diverse typische körperliche Befunde aufgezeigt werden können, wo letztlich die neurologische Diagnose gestellt wird, falls diese zusätzlichen Befunde dem diagnostischen Schema hinreichend genügen.*)

Man kann auch sagen, dass bei einer neurologischen Störung die neuronale Funktion gestört ist, und dies sich durch die klinische Erscheinung die neurologische Funktionsstörung  manifestiert.

Bei einer neurologischen Störung ist also die Funktion des Nervensystems beeinträchtigt, und es wird in der Neurologie diese neuronale Funktionsstörung näher abgeklärt um nach Möglichkeit die Ursache dieser Funktionsstörung zu bestimmen um infolge eine rational begründete Therapie unternehmen zu können.

Demgemäß werden neurologische Störungen in der Neurologie so weit als möglich abgeklärt um letztlich eine qualifizierte neurologisch Diagnose zu stellen.

hingegen psychische Störungen  in der Psychiatrie.

Dabei zeichnet sich eine neurologische Störung vorwiegend durch körperliche Auffälligkeiten bzw. Störungen der körperliche Funktion  aus, die sich in Form der neurologischen Funktionsstörung manifestieren. Allerdings gibt es nicht wenige neurologische Störungen bei denen auch die Funktion der Psyche beeinträchtigt ist und wird man demgemäß in der Diagnostik auch eine psychische Funktionsstörung registrieren (Beispiel: Schlaganfall der etwa eine Halbseitenparese zur Folge hat aber auch psychische Symptome im Sinne eines organischen Psychosyndroms (OPS) zeigt.)

In diesem Sinn kann die Störung des Nervensystems bzw. die neuronale Funktionsstörung sich im konkreten Fall mehr durch neurologische und fallweise auch durch ausgeprägte psychische bzw. psychiatrische Auffälligkeiten bemerkbar machen.

Es kann als Folge der Beeinträchtigung des Nervensystems also eine Störung der Gesundheit auftreten, die teils den Körper und teils die Psyche betrifft, und demgemäß wird entweder die neurologische Störung oder die psychische Störung zu einer bestimmen Zeit im Vordergrund stehen und wird im letzt genannten Fall neben der neurologischen Diagnose auch die psychiatrische Diagnose von Relevanz sein.

Weiteres zur Diagnostik einer neurologischen Störung:

Die neurologische Störung wird in der Regel primär aufgrund des klinischen Erscheinungsbildes durch die neurologische Verdachtsdiagnose erfasst, und es kann durch die weitere Abklärung der neurologischen Störung die neurologische Diagnose in gewissen Fällen durch objektive Befunde gesichert werden. So wird in der Neurologie etwa die klinische Verdachtsdiagnose Hemiparese (Halbseitenlähmung) primär als phänomenonologische Diagnose erfasst, und es kann hier die neurologische Diagnose durch den bildgebenden Befund der etwa durch eine MRT Untersuchung erhoben wird, valdiert werden. In einem derartigen Fall hat also der arterielle Verschluss, zum Beispiel eines Astes der Arteria cerebri media, zur lokalen Durchblutungsstörung des Gehirns und damit zur umschriebenen neuronalen Funktionsstörung geführt und es bewirkt diese das klinische Erscheinungsbild der Halbseitenparese. In diesem Fall von neurologischer Störung konnte also die Ursache der einseitigen Funktionsstörung durch den bildgebenden Befund aufgezeigt, und damit die neurologische Diagnose Hemiparese/Halbseitenlähmung allgemein anerkannt erklärt werden bzw. kann man in diesem Fall das Auftreten dieser neurologischen Störung durch diese Kausalität eindeutig verstehen.

Hingegen kann im Fall der neurologischen Diagnose Migräne kein objektiver Befund im Sinne eines faktischen Befundes erhoben werden, sondern es beruht hier die neurologische Diagnose allein auf dem phänomenologischen Befund bzw. auf der Phänomenologie und dem klinischen Verlauf der neurologischen Störung. Daher kann eine derartige neurologische Diagnose vom Arzt nur subjektiv gültig, aufgrund des klinischen Erscheinungsbildes und des rezidivierenden Auftretens der neurologischen Störung gestellt werden.

In der Heilkunde wird der Verdacht auf eine neurologische Störung in der universitären Medizin (Schulmedizin) in vielen Fällen von einem Arzt für Allgemeinmedizin/Facharzt für Allgemeinmedizin oder einem Facharzt eines sonstigen Fachgebietes gestellt. Hingegen wird die weitere Abklärung in der Regel von einem Facharzt/Fachärztin für der Neurologie vorgenommen und es werden hier neben dem klinischen neurologischen Befund diverse Zusatzbefunde (Laborbefunde, bildgebende Befunde: Computertomographie (CCT), Magnetresonanztomographie (MRT), Elektrophysiologie: Elektroenzephalogramm (EEG), Elektromyogramm (EMG), Elektroneurographie (ENG), Evozierte Potentiale und weitere) erhoben, durch die im konkreten Fall die neurologische Verdachtsdiagnose je nach Fall und Sachverhalt mehr oder weniger gesichert werden kann.

Besonderheiten bei neurologischen Störungen:

Bei einer neurologischen Störung ist nicht selten das Bewusstsein der betroffenen Person gestört. Man kann auch sagen, dass die Vigilanz beeinträchtigt ist und es stellt der Arzt in einem solchen Fall demgemäß eine Bewusstseinsstörung fest, die als Folge einer neuronalen Funktionsstörung aufgetreten ist.

So kennt man zum Beispiel die Bewusstseinsstörungen, die als Folge einer Kopfverletzung auftreten (Bewusstseinstrübung mit Störung in der Orientierung bis hin zu einem Zustand den man als Koma bezeichnet. Zum Beispiel kann ein Koma infolge einer Gehirnerschütterung oder Gehirnprellung also bei Schädelhirntrauma auftreten).

Andere neurologische Störungen manifestieren sich etwa in der Form der unterschiedlichen Lähmungen, es können Gefühlsstörungen oder extrapyramidale Symptome und extrapyramidale Phänomene (Beispiel: Gangstörung, Gangataxie) auftreten.

In diesem Sinn gibt es die unterschiedlichsten neurologischen Störungen, die sich durch das entsprechende klinische Erscheinungsbild manifestieren.

Nachfolgend werden einzelne neurologische Störungen aufgelistet, die sich zum Teil als Symptom oder nur als Phänomen und zum Teil als neurologischer Symptomenkomplex manifestieren:

Zittern

Schwindel

Doppelbilder

Parese (motorische Schwäche) / Lähmung

Hemiparese

Hemiplegie

abgeschwächte Reflexe

Seitendifferenz der Reflexe

Sensibilitätsstörungen

Kribbelparästethesie

Kopfschmerz

Migräne

Spannungskopfschmerz

Neuralgie

Trigeminusneuralgie

Karpaltunnelsyndrom

Krampfanfall, Epilepsie

Parkinsonkrankheit / Parkinson-Syndrom

Multiple Sklerose

Bewusstseinstrübung infolge einer körperlichen neurologischen Ursache

bis hin zum Koma

Wachkoma

usf.

In diesem Sinn gibt es die verschiedensten peripher oder zentral bedingten neurologischen Störungen die die unterschiedlichen neurologischen Phänomene hervorbringen.

In der Neurologie werden in der Praxis und in der Klinik durch die neurologische Untersuchung die neurologischen Störungen abgeklärt.

In einem neurologischen Gutachten wird eine neurologische Störung im Hinblick auf eine gewisse Fragestellung untersucht. So geht es etwa um die Frage ob infolge der neurologischen Störung die Arbeitsfähigkeit respektive die Berufsfähigkeit noch gegeben ist. Oder es geht um die Frage ob zum Beispiel infolge einer Verletzung am Nervensystem eine Minderung der Erwerbsfähigkeit eingetreten ist.

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Weiteres* zu Diagnostik von neurologischen Störungen, insbesondere aus erkenntnistheoretischer Sicht betrachtet in meinem Buch:

Diagnostik, Klassifikation und Systematik in Psychiatrie und Medizin

erschienen im April 2019 im Verlag tredition

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(letzte Änderung 08.12.2019, abgelegt unter: Definition, Diagnostik, Gutachten, Medizin, Neurologie)

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