Dr.med. Othmar Mäser, Psychiater Psychotherapie

psychische Funktion

Die psychische Funktion ist der Teil der Funktion des Nervensystems der sich durch die Psyche manifestiert.

Man kann auch sagen: die psychische Funktion manifestiert sich als Teilleistung der neuronalen Funktion.

Psychologisch betrachtet manifestiert sich die psychische Funktion  durch das Erleben und Reagieren als psychisches Phänomen oder im Fall der krankheitswertigen Störung der Psyche durch die jeweilige psychischen Störung oder als einzelnes psychopathologisches Phänomen oder als einzelnes psychisches Symptom.

Man kann auch sagen: die psychische Funktion manifestiert sich durch das normale und kranke Seelenleben. Es entspricht die psychische Funktion also der klinische Erscheinung der Psyche, die sich durch die normalen psychischen Phänomene und durch die krankheitswertigen bzw. durch die abnormen psychischen Phänomene manifestiert.

Im Gegensatz dazu manifestieren sich andere Bereiche der neuronalen Funktion etwa in der neurologischen Funktion, oder in der Funktion des vegetativen Nervensystems und in sonstigen Funktionen.

In diesem Sinn kommt die psychische Funktion durch die psychischen Phänomene durch das jeweilige klinische Erscheinungsbild oder im Fall der psychischen Störung durch die einzelnen psychopathologischen Phänomene bzw. durch den psychischen Symptomenkomplex der psychischen Störung.

Schließlich kann man auch sagen: die psychische Funktion manifestiert sich als Leistung bzw. als Teilleistung des Nervensystems durch das Seelenleben mit den jeweiligen Teilleistungen (Kognition, Gemüt, Affekt, Orientierung, Merkfähigkeit, Gedächtnis usf.) und damit auch durch den Geist der Person und es kann dieses Korrelat in der Psychologie und in der Psychiatrie durch die jeweilige klinische Erscheinung bzw. durch die klinischen Erscheinungsbilder in der Diagnostik erfasst werden.

Abschließend kann man also sagen; dass die psychische Funktion eine Manifestation der Psyche ist, die sich in den psychischen Erscheinungen und überhaupt in der psychischen Funktionalität zeigt.

Unter dem Begriff der psychischen Funktion kann man sich also die psychischen Leistungen des Nervensystems vorstellen – und unter dem Begriff der jeweiligen Idee (vgl. mit Kant Zitat 7) denken.

In diesem Sinn unterscheidet man die psychische Funktion von der körperlichen Funktion des Nervensystems.

Die normale psychische Funktion wird in der Psychologie in der psychologischen Diagnostik erfasst und in der psychologischen Wissenschaft systematisch studiert.

In der Psychiatrie wird die Funktion der krankheitswertig gestörten Psyche – und damit die psychische Funktion im Rahmen der psychischen Störungen in der psychiatrischen Diagnostik erfasst und in der psychiatrischen Wissenschaft systematisch studiert.

Dabei sollte man beachten, dass man psychische Phänomene grundsätzlich nur durch Ideen erfassen kann, die hier sämtliche bloße Ideen im Sinne von Immanuel Kant sind, wohingegen man körperliche Erscheinungen (Phänomene) oftmals auf körperliche Fakten  zurückführen und daher durch einen physischen Maßstab als biologisches Phänomen objektiv gültig messen und damit allgemein gültig registrieren kann (Beispiel: Blutdruck, Körpertemperatur, etc.).

Hingegen kann man ein psychisches Phänomen nur geistig messen und daher nur subjektiv gültig bestimmen. Man kann also ein psychisches Phänomen nur durch einen geistigen Maßstab „messen“ oder besser gesagt – abschätzen – , weil die Relation der Psyche zum Körper nicht bekannt ist und daher ein psychisches Phänomen nicht aus dem körperlichen Befund bzw. dem biologischen Befund ableitbar und bestimmbar ist (vgl. mit Kant Zitat 7).

Das heißt man kann ein psychisches Phänomen nicht „physisch“ messen und „physisch“ bzw. physiologisch diagnostisch bestimmen.

Es gibt zwar die Relation zwischen der Psyche und dem Körper in dem Sinn, dass die psychischen Phänomene als Folge der körperlichen Funktion, nämlich als Folge der neuronalen Funktion im Bewusstsein der Person entstehen und daher von dieser bewusst erlebt werden.

Man kennt jedoch nicht die Relation zwischen der neuronalen Funktion und der psychischen Funktion bzw. zwischen der neuronalen Funktion und den psychischen Phänomenen. Deswegen kann man nicht auf der Grundlage der körperlichen Befunde bzw. der körperlichen Phänomene die psychischen Phänomene bestimmen (Weiteres dazu auf Poster 6: Diagnosis in Psychiatry – the Role of Biological Markers – an investigation in the light of Immanuel Kant`s philosophy).

Es gibt also in gewisser Hinsicht eine Parallelität zwischen der Psyche und dem Körper. In anderer Hinsicht kann man jedoch nicht aus dem Einen verbindlich auf das Andere schließen und damit dieses Andere valide und reliabel erkennen und diagnostisch bestimmen (siehe dazu Poster 6).

So kann man zum Beispiel nicht aus bildgebenden Befunden verlässlich erkennen was eine Person erlebt, falls etwa mit der Methode der Funktionellen Magnetresonanztomographie gewisse Aktivitäten in Hirnarealen aufgezeigt werden können. Vielmehr kann man in diesem Fall nur sekundär das psychische Phänomen durch diesen Befund erklären, nachdem man zuvor das psychische Phänomene phänomenologisch begründet in der Diagnostik erfasst hat.

Es können daher komplexere Erscheinungen der Psyche nicht durch die Körperlichkeit in der Diagnostik bestimmt werden.

Ja selbst einfache Erscheinungen können nicht verlässlich aus körperlichen Befunden abgeleitet werden. So kann etwa der Neurologe beim fehlenden Patellarsehnenreflex nicht verlässlich auf eine Pathologie schließen, wenn sonst keine diesbezüglichen Auffälligkeiten vorhanden sind.

Es kommen also um so mehr die individuellen Gegebenheiten ins Spiel – und diese kennt man  nicht – je komplexer das Geschehen ist. Daher kann man etwa aus dem Abbild der neuronalen Funktion – wie dieses in der Funktionellen Bildgebung – etwa mit der Methode der Funktionellen Magnetresonanztomographie dargestellt werden kann –  ein psychisches Phänomen nicht verlässlich bestimmen – sondern man kann das psychische Phänomen nur umgekehrt – wenn man dieses zuvor psychologisch bzw. psychopathologisch begründet festgestellt hat – biologisch bzw. „physisch“ verursacht erklären.

Dies bedeutet, dass die Funktionelle Bildgebung – und auch die anderen physischen Methoden der Systemischen Neurowissenschaften – in dieser Hinsicht nur Zusatzbefunde liefern können (siehe dazu Poster 6) und die Psychiatrie als empirische Wissenschaft nach wie vor sich auf die Psychopathologie bzw. auf die Phänomenologie der psychischen Erscheinungen gründet.

Die Relation zwischen der neuronalen Funktion und der psychischen Funktion bzw. dem psychischen Phänomen ist also um so weniger aus der neuronalen Funktion erkennbar, je komplexer das Phänomen ist.

Oder man kann auch sagen: je komplexere integrative neuronale bzw. mentale Prozesse der Erscheinung zu Grunde liegen, um so weniger kann man aus dem Abbild der neuronalen Aktivität erkennen um was für ein Phänomen es sich handelt. (Weiteres dazu auf Poster4 : EMPIRICISM IN PSYCHIATRY VERSUS EMPIRICISM IN MEDICINE – IN THE LIGHT OF THE PHILOSOPHIES OF JOHN LOCKE, DAVID HUME AND IMMANUEL KANT)

Daher kann man aus der neuronalen Funktion – etwa dem Befund wie er in der Funktionellen Bildgebung fassbar ist – nicht verlässlich erkennen – was die Person erlebt, was sie fühlt, was sie denkt, was sie gewillt ist zu tun, was also ihr Wille ist usf.

Man erkennt damit, dass der Begriff „Funktion“ für die Psyche nicht ganz passend ist, weil das Moment der persönlichen Entscheidung, der Freiheit, der Willensbildung, also des persönlichen  Willens im Sinn des freien Willens usf. im Begriff der „Funktion“ verloren geht bzw. in diesem Begriff nicht angemessen enthalten ist und eine zu mechanistische oder besser gesagt zu materialistische Vorstellung dadurch impliziert wird.

Man muss allerdings sagen, dass eine derart undifferenzierte und geradezu primitive materialistische Sichtweise in der heutigen Wissenschaft vielfach verbreitet ist – und diese in den Medien auch transportiert wird –  in der in keiner Weise der große Unterschied der Erkenntnisobjekte beachtet wird (vgl. mit Kant Zitat 7).

Man denke nur an die wissenschaftlichen Diskussionen in denen behauptet wird, dass der Mensch keinen freien Willen habe, weil in der neuronalen Funktion und im Nervensystem schon alles determiniert ist bzw. determiniert sei.

Damit erkennt man, dass diese Wissenschafter nicht kritisch sind bzw. sie noch nicht im Sinn der Aufklärung aufgeklärt sind, weil sie den Unterschied zwischen einem Objekt respektive einem Faktum und dem einer Idee bzw. dem des Begriffs der Idee (vgl. mit Kant Zitat 7) noch nicht bemerkt haben bzw. diesen nicht beachten und in ihren Publikationen demgemäß nicht berücksichtigen.

Kritisch betrachtet erkennt man nämlich, dass es einen großen Unterschied zwischen einer faktischen Einheit und einer systematischen Einheit gibt (vgl. mit Kant Zitat 7).

Abschließend kann man sagen, dass die psychische Funktion etwas sehr individuelles, variables und sich fortlaufend Entwickelndes ist das sich der biologischen bzw. materialistischen Erfassung entzieht.

Es sind die neuronalen Funktionen bei gleichartigen psychischen Funktionen auf der neuronalen Ebene bei Individuen einer Art zwar ähnlich, aber sie sind doch so verschieden, dass man nicht aus der Körperlichkeit bzw. nicht aus der körperlichen Funktion und somit nicht aus dem körperlichen Befund den psychischen Befund bestimmen kann.

Dies hat zur Folge: man kann die Psyche und damit auch den Geist der Person, also auch ihr Denken, ihr Fühlen respektive ihre Gefühle nicht aus dem körperlichen Phänomen oder dem bildgebenden Befund des körperlichen Phänomens dezidiert erkennen – und die Forscher in der Biologischen Psychiatrie täuschen sich, wenn sie so denken wie Emil Kraepelin gedacht hat, der geglaubt hat, dass man gesetzmäßige Beziehungen zwischen den körperlichen Vorgängen und den psychischen Erscheinungsformen bei gewissen psychischen Krankheiten finden wird (vgl. mit Kraepelin Zitat 8 und Kraepelin Zitat 1).

Vielmehr hat Karl Jaspers auf Basis der Philosophie von Immanuel Kant den Sachverhalt richtig erkannt, wenn er in seinem Buch: „Allgemeine Psychopathologie“ schreibt, dass (in der Psychiatrie) die Idee der Krankheitseinheit in einem einzelnen Fall sich niemals verwirklichen läßt (vgl. mit Jaspers Zitat 6).

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(letztes Änderung 28.12.2019, abgelegt unter: Funktion, Medizin, Nervensystem, Neurologie, Psyche, Psychiatrie, Psychologie, Definition)

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