Dr.med. Othmar Mäser, Psychiater Psychotherapie

neuronale Funktion

Die neuronale Funktion ist die Funktion des Nervensystems.

Dabei bezeichnet der Begriff neuronale Funktion die Funktion der Nervenzellen (Neurone) im zentralen Nervensystem und im peripheren Nervensystem.

Biologisch betrachtet entstehen als Folge der neuronalen Funktion in den neuronalen Netzwerken diverse neuronalen Muster die im Lebewesen diverse Funktionen bewirken bzw. Leistungen hervorbringen.

Bezüglich der neuronalen Funktion kann man auch sagen, dass sie als Folge der neuronalen Aktivität im Nervensystem entsteht.

Dabei kann es sich bei dieser Aktivität um die normale neuronale Funktion handeln, oder sie ist im Ganzen oder in Teilen bzw. in Funktionsbereichen gestört (Beispiel: Grand mal-Anfall versus fokaler Anfall).

Demgemäß wird im Zustand der Gesundheit etwa beim Menschen die normale neuronale Funktion vorherrschend sein, wohingegen im Zustand der Krankheit respektive der gesundheitlichen Störung fallweise die gestörte neuronale Funktion sich als neuronale Funktionsstörung auswirkt.

Im konkreten Fall kann sich dies in der klinischen Erscheinung bzw. im klinischen Erscheinungsbild durch eine  neurologische Störung, eine psychische Störung, eine psychosomatische Störung oder durch sonst eine Störung bzw. ein klinisches Bild manifestieren.

Es entsteht die normale neuronale Funktion also infolge akkordierten/harmonischen neuronalen Aktivität im Nervensystem, und sie kann zu einer bestimmten Zeit im Individuum in der einen oder in der anderen Region des Nervensystems mehr oder weniger stark aktiv sein. Man kann auch sagen, dass die neuronale Funktion zu einer bestimmten Zeit, je nach Lokalisation in höherer oder geringer Ausprägung als natürliche Funktion der Nervenzellen vorhanden ist, oder im Zustand der Störung als gestörte Funktion.

Dabei korrespondiert die neuronale Funktion in den unterschiedlichen Bereichen des Nervensystems mit neuronalen Mustern die im zentralen Nervensystem durch bildgebende Befunde der Systemischen Neurowissenschaften – etwa mit der Methode der funktionellen Magnetresonanztomographie (fMRT) – in der Bildgebung mehr oder weniger konkret darstellbar sind.

Im Normalfall der Funktion handelt es sich hierbei also um einen natürlichen Vorgang der im Nervensystem abläuft, wohingegen im Fall der Störung eine neuronale Funktionsstörung bzw. klinisch eine neurologische oder sonstige Funktionsstörung der körperlichen/geistigen oder sonstigen Funktion zu beobachten ist, die sich entsprechend in der klinischen Erscheinung manifestiert.

Bezüglich der neuronalen Funktion kann man Funktionsbereiche und Funktionseinheiten unterscheiden.

So kann man die neuronale Funktion z. B. im Hinblick auf die Psyche und den Körper in die psychische Funktion und in die körperliche Funktion gliedern und hier zum Beispiel als weitere Funktionseinheit die neurologische Funktion unterscheiden bzw. beschreiben.

Dabei kann die neurologische Funktion ihrerseits in die neuronale Funktion des motorischen Systems, des extrapyramidal-motorischen Systems, des sensiblen Systems, des visuellen Systems, des akustischen Systems usw. gegliedert werden.

Oder man gliedert die neuronale Funktion in die, die dem Willen unterliegt und andererseits in diejenige Funktion, die weitgehend autonom also unwillkürlich und daher vom vegetativen Nervensystem geleistet wird.

Ebenso kann man die neuronale Funktion in die der höhere Hirnfunktion, also das Denken, Fühlen, die Empfindung und weitere psychische Phänomene leistet und andererseits etwa in die vitalen Funktionen (Steuerung der Atmung, Steuerung der Ausscheidung etc.).

Dabei findet man in der Anatomie und Pathologie im makroskopischen Bereich und in der Histologie im mikroskopischen Bereich bezüglich dieser Funktionseinheiten keine scharfen Grenzen. Aus der Erfahrung mit Verletzungen am Gehirn, Rückenmark und anderen Bereichen des Nervensystems, weiß man jedoch  ungefähr welche Funktionsstörungen als Folge der Organverletzungen und Organschäden auftreten.

Es leistet die neuronale Funktion also unter anderem die Kognition und das Erleben, das etwa durch die Emotion und Gemütslage (Stimmung) in der jeweiligen Situation gekennzeichnet ist.

Alle die zuvor genannten Sub-Systeme des Nervensystem leisten in ihrer Gesamtheit das Ganze der neuronalen Funktion bzw. das Ganze der neuronalen Aktivität.

Man kann daher auch sagen, dass die neuronale Funktion sich in der Form der neuronalen Muster in den unterschiedlichen Bereichen im Nervensystem manifestiert und diese etwa durch die Methode der Funktionellen Magnetresonanztomographie (fMRT) durch bildgebende Befunde erfasst und dadurch visuell sichtbar dargestellt werden können, insofern diese das Ausmaß der jeweiligen Aktivität der Nervenzellen, insbesondere im Gehirn aufzeigen können.

Überhaupt kann man sagen, dass die neuronale Funktion sich in der neuronalen Funktionalität des ganzen Nervensystems manifestiert.

Die neuronale Funktion kann man in die psychische Funktion, in die neurologische Funktion und in andere Teil-Funktionen des Nervensystems gliedern.

Überhaupt kann man die Funktion des Nervensystems nach verschiedenen Gesichtspunkten in unterschiedliche Funktionseinheiten gliedern.

In der Neurologie kann man z.B. die neuronale Funktion in die normale  neurologische Funktion und in die gestörte neurologische Funktion, nämlich in die neurologische Störung bzw. in die neurologische Funktionsstörung gliedern.

Oder man unterscheidet die neuronale Funktion wie diese im Vegetativen Nervensystem abläuft von der übrigen neuronalen Funktion.

Man kann also gemäß der Physiologie und der Psychologie die unterschiedlichen Bereiche beschreiben und als neuronale Funktionseinheiten definieren.

Wie bereits gesagt unterscheidet man etwa die neuronale Funktion des Motorischen Systems von der das Sensiblen System wobei in der Realität natürlich beide Systeme zusammen funktionieren und agieren.

All diese Funktionen entstehen als Folge der neuronalen Aktivität und damit infolge neuronalen Funktion des Nervensystems, wobei zu einer bestimmten Zeit gewisse Bereiche des Nervensystems besonders aktiv sind, wie dies etwa mit der Methode der Funktionellen Magnetresonanztomographie (fMRT) durch mehr oder weniger scharf abgegrenzte bildgebende Einheiten zur Darstellung kommt.

Auf diese Art und Weise kann man im Organismus und insbesondere im Nervensystem die neuronale Funktion in unterschiedliche Funktionseinheiten gliedern, obwohl es auf der Ebene des Nervensystems bezüglich dieser Einheiten keine natürlichen scharfen Grenzen gibt.

Diese Gliederung ist also eine Zergliederung gemäß den verschiedenen Funktionen, die ihrerseits durch unterschiedliche Ideen erfasst werden.

Man kann also die neuronale Funktion in diesem Sinn nach unter unterschiedlichen Gesichtspunkten, somit gemäß verschiedenen Vorstellungen (Ideen) bzw. unter verschiedenen Sichtweisen, die man auf der Ebene der Vorstellungen entwickelt hat in einzelne Bereiche und Funktionseinheiten gliedern.

Auf dieser Grundlage kann man das Ganze der neuronalen Funktion in unterschiedlichen Einheiten durch die Begriffe der Ideen als abgegrenzte Einheiten sich vorstellen und damit denken um auf dieser Grundlage den jeweiligen Sachverhalt durch diese begrifflich begrenzten Natureinheiten intellektuell kommunizieren zu können.

Damit kann man etwa in der Physiologie (Neurophysiologie) und damit auch in der Neurologie, ferner in der Psychiatrie, in der Biologischen Psychiatrie und auch in der Psychologie und auch in anderen Bereichen und Wissenschaften, insbesondere in den Systemischen Neurowissenschaften unter den Begriffen dieser mental abgegrenzten Einheiten die Sachverhalte fachlich und damit intellektuell kommunizieren.

Neurobiologisch oder neurophysiologisch betrachtet kann man sagen, dass die neuronale Funktion sich in der Bildgebung durch neuronale Muster manifestiert. Mit anderen Worten: die neuronale Funktion kann hier durch bildgebende Befunde etwa mit der Methode der Funktionellen Magnetresonanztomographie (fMRT) dargestellt werden.

Erkenntnistheoretisch bzw. philosophisch betrachtet erkennt man, dass es sich bei einer abgegrenzten Einheit, wie sie durch die neuronale Funktion geleistet und als abgegrenzte Einheit gedacht wird, um die systematische Einheit der Idee im Sinne von Immanuel Kant handelt (vgl. mit Kant Zitat 7). Es ist dies also eine projektierte Einheit, die in der Form des Begriffs der Idee gedacht und geistig kommuniziert wird (vgl. mit Kant Zitat 7).

Damit handelt es sich um eine definierte Einheit, die auf der Ebene der Ideen als abgegrenzte systematische Einheit im Bewusstsein der erkennenden Person als der Begriff der Idee als Gegenstand in der Idee erscheint (griechisch: phenomenon – das was erscheint, das Erscheinende) (vgl. mit Kant Zitat 7).

Damit kann man den jeweiligen Bereich der neuronalen Funktion als abgegrenzte Einheit denken bzw. sich vorstellen und diesen damit intellektuell kommunizieren. Dabei gibt es allerdings – wie gesagt – auf der Ebene der neuronalen Funktion keine wirklich scharfen „physisch“ abgegrenzten Einheiten, die mit diesen mental definierten Einheiten korrelieren.

Daher findet man in der Bildgebung und auch in der Physiologie keine scharf abgegrenzten physiologischen Einheiten.  Man kann daher etwa in der Biologischen Psychiatrie mit der Methode der Funktionellen Bildgebung in der Systemischen Neurowissenschaft keine abgegrenzten bildgebenden Einheiten finden, die mit den mental definierten psychiatrischen Einheiten oder den definierten, abgegrenzten pathologischen neurologischen Funktionseinheiten, etwa der Einheit Parkinsonsyndrom, übereinstimmen bzw. korrelieren.

Mit anderen Worten: es gibt in Bezug auf die Psyche und in Bezug auf die körperlichen Funktionen keine scharf abgegrenzten faktischen Einheiten, die man als physiologische Einheiten auf der Ebene der neuronalen Funktion des Nervensystems finden und mit einer physischen Methode allgemein gültig messen und allgemein gültig bestimmen kann.

Sondern man kann durch derart definierte, abgegrenzte Einheiten die jeweiligen Funktionen nur erklären, wenn man klinisch gewisse Befunde erhoben hat. Und man kann durch diese abgegrenzten Einheiten die Funktionen des Organismus und die der Psyche damit besser verstehen.

Vergleich von verschiedenen neuronalen Funktionen

Neuronale Funktionen beim Tier

Wenn man ein Tier beobachtet so kann man aus dem Verhalten und der Reaktion auf das jeweilige neuronale Funktion schließen.

Wenn z.B. ein Pferd in Folge des schnelleren Gehens in Trab übergeht, dann entspricht diese dem Übergang in eine andere neuronale Funktion in Bezug auf die Motorik. Es entspricht dies also dem Übergang in ein anderes neuronales Muster. Desgleichen wenn der Übergang vom Trab in den Galopp erfolgt. Oder wenn man ein Reh am Waldrand beobachtet und dies vorerst ruhig bleibt, dann aber wenn es den Geruch vom Menschen in die Nase bekommt die Flucht ergreift. Man erkennt damit, dass eine gewisse neuronale Funktion durch gewisse Reize von außen oder unter Umständen durch gewisse Reize von innen also spontan in eine andere neuronale Funktion übergeht. Es spielen hier also verschiedene Faktoren im Sinn einer komplexen Ursache zusammen bis eine gewisse Reizschwelle bzw. ein gewisser Schwellenwert erreicht ist und der Übergang in die andere neuronale Funktion erfolgt.

Neuronale Funktion beim Mensch

Beim Mensch kennt man – so wie beim Tier – die verschiedensten Verhaltensweisen und Reaktionen, die gewissen neuronalen Funktionen entsprechen. Es gibt also auch hier neuronale Funktionen, die non-verbalen nicht scharf abgegrenzten Reaktionen entsprechen und andererseits neuronale Funktionen, die begrifflich relativ scharf abgegrenzten Reaktionen und Inhalten und damit gewissen Einheiten entsprechen, weil der Mensch die verschiedenen Dinge in die Begriffe einer Sprache gegliedert hat. Weil es in den verschiedenen Regionen der Welt unterschiedliche Sprachen mit unterschiedlichen Begriffen gibt, die zum Teil dem Inhalt nach zwar ähnlich zum Teil gleichartig sind, ist die Kommunikation über die Sprachen hinweg – wenn auch beschränkt – möglich. Dabei sind also diese Begriffe abgegrenzte Einheiten jedoch ist der jeweilige Begriffsinhalt in diesem Sinn nicht unbedingt eine damit exakt korrespondierende abgegrenzte Einheit einer anderen Sprache. Man erkennt damit, dass die Wahrnehmung der Realität in vielen Bereichen sowohl von Person zu Person verschieden ist, und auch von Bevölkerung zu Bevölkerung verschieden ist, und diese von gewissen, teils durch das Subjekt bedingten Voraussetzungen, teils auch durch die Gesellschaft bedingte Voraussetzungen abhängt, und sich daraus für die einzelne Person Unterschiedliches ergibt, und dass sich dies auch in unterschiedlichen neuronalen Mustern bzw. in unterschiedlichen neuronalen Funktionen auf der Ebene des Nervensystems des einzelnen Individuums manifestiert.

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Weiteres zur Diagnostik der neuronalen Funktion und neuronalen Funktionsstörung in meinem Buch:

Diagnostik, Klassifikation und Systematik in Psychiatrie und Medizin

erschienen im April 2019 im Verlag tredition

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(letzte Änderung 27.01.2020, abgelegt unter Definition, Funktion, Funktionsstörung, Medizin, Nervensystem, Neurologie, Psychiatrie, biologische Psychiatrie)

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