Dr.med. Othmar Mäser, Psychiater Psychotherapie

Funktion

Eine Funktion ist eine bestimmte Aktion.

Man kann auch sagen: eine Funktion ist ein bestimmter Vorgang oder Ablauf, etwa in einem System.

Zum Beispiel ist etwa die Funktion der Atmung, oder die Funktion der Herztätigkeit im Organismus eine bestimmte Aktion, die für das Leben des Lebewesens notwendig ist.

Oder es hat die Aktivität einer einzelnen Nervenzelle oder die des gesamten Nervensystems eine gewisse Funktion, die eine Wirkung und damit einen Zweck/Nutzen erfüllt.

Oder man kann auch sagen: eine Funktion ist ein Prozess im Sinne eines Vorgangs der sich etwa in einem Organismus abspielt.

Oder eine Funktion kann eine bestimmte Tätigkeit einer Person sein, etwa um eine gewisse Aufgabe zu erledigen.

Oder es bewirkt die Funktion – etwa die Funktion einer Maschine – in einem System im Verbund mit anderen Maschinen eine gewisse Aktion.

In einem Computer kann eine bestimmte Platine eine gewisse Funktion leisten und im Verbund mit den anderen Komponenten dieses technischen Systems die hardware bilden durch das gewisse Leistungen je nach Programmierung also – je nach eingegebener software– möglich sind.

In diesem Sinn hat eine Funktion eine gewisse Wirkung zur Folge, die infolge des Zusammenhangs der Glieder, die an der Funktion beteiligt sind, entsteht.

(lateinisch functio : „Tätigkeit, Verrichtung“).

Erkenntnistheoretisch bzw. philosophisch betrachtet kann man den Begriff der Funktion durch die systematische Einheit der Idee (vgl. mit Kant Zitat 7) erkennen und in Bezug auf den Ablauf die Aktivität erkennen, diesen Zusammenhang dadurch verstehen und erklären.

Man kann also die Funktion etwa durch eine gewisse Theorie verstehen und erklären. Durch diese systematische Einheit wird klar und deutlich, was für ein Zusammenhang  zwischen den einzelnen Gliedern in diesem Gebilde / in diesem System / in dieser Ordnung / in diesem Organ / in diesem Organismus besteht und man kann diesen dadurch verstehen und erklären.

Es kann eine Funktion also ein bestimmter Vorgang im  Sinne eines bestimmten Ablaufs sein – etwa ein Programm das eine gewisse Produktion steuert und regelt.

In diesem Sinn kann die Funktion von einem Lebewesen, von einer Person , einer Gruppe, einer Gesellschaft, einer Firma, einem Gerät in der Technik, etwa von einer Maschine: Waschmaschine, Baumaschine, Auto, Bohrer, Hobelmaschine, Rechner, Computer, Roboter usf. – geleistet werden.

Dabei kann die Funktion eine Teilfunktion einer übergeordneten Funktion in einem System sein – so zum Beispiel die Funktion eines Geräts, etwa eines Kondensators in einem elektronischen Gerät oder die Funktion eines Organs in einem Organismus.

In diesem Sinne werden zum Beispiel in einem Organismus – wie er in der Natur bei einem Lebewesen (zum Beispiel bei einem Säugetier oder beim Menschen) vorkommt – von den einzelnen Organen und Organsystemen unterschiedliche Funktionen geleistet (Funktion der Bewegung als Leistung des Bewegungsapparats, Funktion der Atmung als Leistung der Atemorgane in Verbindung mit dem Blutkreislaufs zum Gasaustausch im Gewebe, Funktion des Nervensystems, die in unterschiedliche Teilfunktionen gegliedert werden kann: Funktion des Motorischen Systems, Funktion des Sensiblen Systems, Funktion des Sehens, Funktion des Hörens, des Tastsinns usf., Funktion des Vegetativen Nervensystems, Funktion die vom Gehirn geleistet wird usf.)

Und es werden diese Funktionen insbesondere in der Physiologie studiert und sind die Ärzte in der Medizin im Rahmen der Untersuchung einer gesundheitlichen Störung mit diversen Funktionsstörungen befasst, insofern diese entweder in einem Organ oder im ganzen Organismus infolge von unterschiedlichen Ursachen vorkommen.

Eine Funktion kann auch unabhängig von anderen Systemen ablaufen, so zum Beispiel eine bestimmte technische Funktion (zum Beispiel: eine Türe die sich beim Näherkommen infolge einer Automatik öffnet und daher unabhängig von anderen Funktionen im Gebäude funktioniert).

Eine anders geartete Funktion ist die einer bestimmten Person in einer Gesellschaft. Zum Beispiel die Funktion eines Bürgermeisters, oder sonst eines gewählten Politikers, der in seiner Partei oder in der Gesellschaft eine bestimmte Rolle spielt und somit eine gewisse Funktion innehat.

Beim Fußballspiel hat ein Stürmer, ein Verteidiger, der Tormann usf. eine bestimmte Funktion.

Im Militär hat ein in besonderer Weise ausgebildeter Soldat eine gewisse Funktion.

Im Spital hat eine Krankenschwester, ein Pfleger oder ein Arzt eine bestimmte Funktion.

Bezüglich der Funktionen im zuvor genannten Sinn kennt man die Funktionen in künstlichen, zum Beispiel in technischen Systemen (Funktion einer Steuerung, eines Computers, Servers usf.) und man kennt die Funktionen in natürlichen Systemen (Zentrum im Gehirn das die Funktion und damit die Leistung des Hörens ermöglicht. Oder die Augen, die in Verbindung mit dem Nervensystem das Sehen ermöglichen.  Eine andere Funktion des zentralen Nervensystems ist das Denken und wieder eine andere das Fühlen).

In künstlichen Systemen gibt es also z.B. Funktionen in mechanischen Systemen, in elektrischen Systemen, in Datenverarbeitungssystemen, in verschiedenen Regelsystemen usf.

In natürlichen Systemen gibt es Funktionen in biologischen Systemen, also in Organismen der verschiedensten Arten. Es gibt also biologische Funktionen in den verschiedenen Lebewesen.

In den höheren Lebewesen gibt es biologische Funktionen, die in der Physiologie untersucht und studiert werden, etwa die Herz-Kreislauffunktion, die Atemfunktion, der Stoffwechsel, die neuronale Funktion im Nervensystem usf. Es gibt also in höheren Lebewesen je nach deren Grad der Entwicklung Funktionen, die in Folge der neuronalen Funktion entstehen. Dadurch kommt es bei diesen Lebenwesen zu den Funktionen, die sich einerseits in den verschiedensten sichtbaren Reaktionen manifestieren, etwa in der Fortbewegung, im Gehen, Laufen, Schwimmen, Fliegen und es gibt auch die neuronale Funktion, die die psychische Funktion zur Folge hat. Es manifestieren sich auf dieser Grundlage in einem höheren Lebewesen die psychischen Phänomene und die neurologischen Phänomene im Sinn der normalen Funktion und unter Umständen im Sinn der gestörten bzw. der pathologischen krankheitswertigen Funktion.

Wie es also in einem höheren Lebewesen in Folge der Funkion der Nervenzellen zum Auftreten von neurologischen Phänomen kommt manifestieren sich auch psychische Phänomene als Zeichen dieser Aktivität. Es kommt damit also zum Auftreten der psychischen Phänomene, die sich einerseits im Bewusstsein des Lebewesens als subjektives Erleben manifestieren und andererseits in der Reaktion bzw. als Verhalten des Lebewesens zeigen. All diese Funktionen entstehen auf der Grundlage der neuronalen Funktion und der sonstigen Funktionen, wie sie durch die anderen beteiligten Systeme bzw. durch die anderen beteiligten Organe des Organismus geleistet werden.

Erkenntnistheoretisch bzw. philosophisch betrachtet kann man diese verschiedenen Funktionen unter den jeweiligen Vorstellungen erfassen. Dabei kann eine solche Funktion eine Einheit sein, die ich physisch (physikalisch / chemisch / bildgebend usf.) messen kann. Oder es ist die Funktion eine Einheit, die ich nur durch eine Vorstellung und daher nur durch den Begriff der Idee und damit nur geistig, etwa durch die Argumentation bzw. durch ein Argument erfassen kann. In diesem Fall handelt es sich bei der Einheit um eine systematische Einheit, die ich durch das Schema der Idee (vgl.  mit Kant Zitat 7) angenähert erkennen kann. Eine solche Funktion kann ich nicht auf ein Objekt bzw. nicht auf ein Faktum zurückführen und auf dieser Ebene messen und bestimmen. In einem solchen Fall kann ich die Funktion und damit die Einheit oder dieses Ganze nur geistig messen. Je nach dem kann also die Funktion entweder physisch oder nur meta-physisch also nur auf der Ebene der Ideen bzw. nur durch das Denken bzw. nur durch Gedanken gemessen bzw. abgeschätzt werden.

Während es in gewissen Fällen für die Funktion also einen physischen Maßstab gibt und ich die Funktion physisch (physikalisch etc.) messen kann, gibt es in anderen Fällen nur einen geistigen Maßstab und kann ich hier die Funktion und damit die Einheit nur mental bzw. nur geistig messen bzw. abschätzen. Eine solche Funktion – etwa die psychische Funktion – kann ich nur durch Worte respektive durch Begriffe beschreiben und damit nur sprachlich kommunizieren.

Demgemäß können die Abläufe bzw. die Funktionen auf den verschiedensten Ebenen in der Wissenschaft entweder physisch (physikalisch / chemisch / biochemisch / bildgebend / graphisch / optisch usf.) untersucht und studiert werden oder es kann diese Aktion nur mental erfolgen.

Es können damit also die verschiedenen Funktionen in den verschiedenen Wissenschaften, etwa in der Physik, Chemie, in der Biochemie, Physiologie, in der Biologie, in der Tierkunde, in der Heilkunde der Menschen, also in  der Medizin und in der Psychiatrie und auch in der Psychologie und auch in anderen Bereichen die unterschiedlichen Funktionen auf den jeweiligen Ebenen durch die jeweiligen Parameter wissenschaftlich untersucht und studiert werden.

Manche dieser Funktionen können also auf der Ebene der Objekte, somit physisch bzw. biologisch studiert und untersucht werden, während andere Funktionen nur jenseits der physis, somit nur meta-physisch und damit nur auf der Ebene der Ideen auf der Grundlage von Ideen, etwa auf der Grundlage einer Theorie oder auf Basis eines Konzepts somit nur auf der Grundlage von systematischen Einheiten (vgl. mit Kant Zitat 7) untersucht und studiert werden können.

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Hinweis:

Weiteres zum Thema Funktion in meinem Buch:

Diagnostik, Klassifikation und Systematik in Psychiatrie und Medizin

erschienen im Verlag tredition, April 2019.

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(letzte Änderung 26.01.2020, abgelegt unter Begriff, Definition, Diagnostik, Funktion, funktionelle Störung, Funktionsstörung, Gutachten, Medizin, messen, Nervensystem, Neurologie, Psyche, Psychiatrie, Reaktion, Theorie)

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