Dr.med. Othmar Mäser, Psychiater Psychotherapie

psychische Spannung (psychische Anspannung)

Die psychische Spannung ist die Spannung in der Psyche, die infolge des mentalen Prozesses entsteht.

Dabei wird die psychische Spannung oftmals auch als psychische Anspannung bezeichnet.

Neurobiologisch betrachtet kann man sagen, dass die psychische Spannung ein Ergebnis der psychischen Funktion ist.

Oder man kann auch sagen, dass die psychische Spannung infolge der neuronalen Aktivität der Nervenzellen im Nervensystems entsteht.

Es bewirkt die psychische Spannung also eine gegenüber der Norm erhöhte „Grundspannung“ im Nervensystem die sich etwa durch Angst, durch innere Unruhe oder durch sonstige psychische Phänomene manifestiert.

Generell bewirkt die psychische Spannung/psychische Anspannung auch eine erhöhte körperliche Anspannung und zeigt sich dies auch durch entsprechende körperliche Reaktionen.

Mit anderen Worten die Spannung in der Psyche wirkt sich auch auf die Spannung im Körper und damit auf die körperliche Funktion aus.

Man kann also sagen, dass die psychische Spannung mit einer mehr oder weniger ausgeprägten körperlichen Spannung einhergeht.

Dabei ist eine gewisse psychische Spannung für ein aktives Individuum durchaus normal. Unter Umständen ist die psychische Spannung allerdings über die individuelle Norm hinausgehend erhöht und kann man dann nicht mehr sagen – dass sie normal ist (Ein Beispiel: ein Person kehrt nach der Arbeit nach hause zurück und ist weiterhin psychisch angespannt. Das heißt sie kann sich nur mangelhaft entspannen – obwohl sie nun nicht mehr psychisch gefordert ist).

In einem derartigen Fall ist die Fähigkeit sich zu entspannen gestört – und wird sich dies falls dieser Zustand langzeitmäßig vorhanden ist nachteilig auf die körperliche Funktion und auch auf die psychische Funktion letztlich auch nachteilig auf die geistige Funktion auswirken.

Es kann sich dies also etwa in Form von vegetativen Störungen oder in Form von psychischen Störungen bzw. auch in Form von psychosomatischen Störungen manifestieren.

Demgemäß beobachtet man in der Klinik in diversen Fällen Funktionsstörungen am Darm, am Herzkreislaufsystem, an der Atmung, an der Harn-Blasen Funktion oder bezüglich den Funktionen von anderen Organen und Organsystemen.

Es können im Zusammenhang mit erhöhter psychischer Spannung Kopfschmerzen (Migräne, Spannungskopfschmerzen und andere Formen von primären Kopfschmerzen) oder sonstige körperliche Symptome und körperliche Phänomene auftreten. Derartige Störungen der Gesundheit werden in der Inneren Medizin  oftmals unter der medizinischen Diagnose  vegetative Dystonie erfasst. Letztlich kann die chronisch erhöhte psychische Spannung/psychische Anspannung zu körperlichen Veränderungen führen wie sie etwa im Zusammenhang mit einer essenziellen Hypertonie oder mit sonstigen gesundheitlichen Störungen zu beobachten sind.

Im Hinblick auf die Psyche kann man sagen, dass man „nervös“ ist, falls man psychisch angespannt ist.

Auf Grund der allgemeinen und der persönlichen Erfahrung weiß man, dass gewisse Reize von „außen“ und auch Vorsätze des Willens oder Ängste überhaupt psychischer Stress von „innen“ zur erhöhten nervlichen Anspannung führen.

Als Folge der länger andauernden nervlichen Anspannung treten vorerst Reiz-Symptome auf und falls diese – und ausreichende psychische Entspannung zu lange Zeit andauern – also chronisch vorhanden sind – kann es zum Auftreten einer psychischen Störung kommen.

Letztlich führt die chronische psychische Spannung bzw. die übermäßige psychische Anspannung zur nervlichen Erschöpfung.

In Psychiatrie wird in diesen Fällen oftmals eine Depression (depressive Störung) diagnostiziert.

In der Medizin  werden als Folge der chronischen psychischen Anspannung – wie oben stehend bereits angedeutet – oftmals Funktionsstörungen etwa betreffend das Herz-Kreislaufsystem (nervöse Herzbeschwerden), oder Störungen betreffend den Verdauungstrakt (Gastritis u.a.) oder andere Störungen diagnostiziert bei denen die psychische Spannung in vielen Fällen ein wesentlicher kausaler Faktor der oftmals komplexen Ursache ist.

Es kann also als Folge der lang andauernden psychischen Spannung ohne die entsprechende Entspannung zu diversen gesundheitlichen Störung kommen.

Heutzutage wird oftmals auch die Diagnose Burnout (Burnout-Syndrom) gestellt, wenngleich dies kein näher definierter medizinischer Begriff ist.

Auch hinter anderen Diagnosen verbirgt sich in vielen Fällen eine chronische psychische Anspannung bzw. ist dies ein wesentlicher Faktor der komplexen Ursache die zur gesundheitlichen Störung geführt hat – z.B. zu einem Tinnitus oder zu einer anderen gesundheitlichen Störungen mit unklarer Ursache, die weder biologisch noch durch sonst eine physische Methode erfasst werden kann.

Es manifestiert sich die chronische psychische Spannung also oftmals in körperlichen und in psychischen Symptomen und man spricht daher in gewissen Fällen von einer psychosomatischen Störung.

Die chronische psychische Spannung respektive die chronische psychische Anspannung führt also nicht nur zu psychischen Beschwerden, sondern in vielen Fällen auch zu körperlichen Beschwerden bzw. Reaktionen, etwa zu erhöhtem Blutdruck (essentielle Hypertonie) zu schnellerem Puls (Tachykardie), zu Sehstörungen, zu Schlafstörungen usf. Es können als Folge der chronischen psychischen Anspannung körperliche gesundheitliche Störungen auftreten, wie diese sich unter Umständen in Form einer vegetativen Dystonie oder durch eine andere Funktionsstörung manifestieren. Auf dieser Grundlage können z. B. nervöse Schluckbeschwerden, nervöse Magenbeschwerden, nervöse Darmbeschwerden (Colon irritabile – Reizdarmsyndrom), Hautaffektionen (Juckreiz) im Verbund mit anderen Faktoren einer komplexen Ursache oder sonstige gesundheitliche Beschwerden auftreten.

In psychischer Hinsicht kann die übermäßige psychische Anspannung in Verbindung mit dem Unvermögen sich zu entspannen bzw. psychisch los zulassen zu chronischen Schlafstörungen führen. Es können also primär psychische Symptome und psychische Phänomene auftreten, oder es können in erster Linie körperliche Symptome und körperliche Phänomene bestehen, oder falls die Beschwerden beide Bereiche: den Körper und die Psyche in ungefähr dem gleichem Ausmaß betreffen, kann eine sogenannte psychosomatische Störung auftreten.

Die psychische Spannung bzw. die psychische Anspannung wirkt sich also sowohl körperlich wie auch psychisch aus.

In körperlicher Hinsicht wirkt sich die psychische Spannung in verschiedenster Hinsicht aus. Es kommt zur vermehrten Ausschüttung von Stresshormonen (Adrenalin, Cortison), die in Folge der übermäßigen Aktivierung des zentralen Nervensystems eintritt.  Es werden also durch die übermäßige psychische Anspannung im zentralen Nervensystem im Limbischen System und im Bereich des Hirnstamms (Hypothalamus -> WikiBeitrag) die Releasingfaktoren und damit die Hormon stimulierenden  Hormone auf der Ebene der Hypophyse (=> Wikibeitrag) ausgeschüttet. So kommt es zur Erhöhung des Muskeltonus, zur Erhöhung des Blutdrucks, zur Beschleunigung der Herzfrequenz, zu stärkerem Schwitzen usf. In psychischer Hinsicht wirkt sich die psychische Anspannung auf das Denken und das Fühlen, somit auf die kognitiven Funktionen und auf das Gemüt aus und es können diverse psychische Phänomene, etwa Angst und innere Unruhe auftreten bis es schließlich zur Erschöpfung kommt. Die übermäßige und die lang andauernde – also die chronische psychische Anspannung ohne ausreichende psychische Entspannung kann somit zu körperlichen gesundheitlichen Störungen und auch zu  psychische Störungen führen.

Bis zu einem gewissen Grad kann die psychische Anspannung sich positiv auf die Leistungsfähigkeit auswirken. Wenn die psychische Anspannung ohne ausreichende Entspannung jedoch zu lange andauert, also chronisch andauert, dann bewirkt sie das Gegenteil.

Die psychische Spannung ist also – wenn sie in Übermaßen und zu lange vorkommt – oftmals die Ursache bzw. ein wesentlicher Faktor von gesundheitlichen Störungen, wie diese in der Medizin, in der Psychiatrie und in der Psychosomatik untersucht und behandelt werden. Und es ist daher die Beförderung der psychischen Entspannung bzw.

Meine Frage:
-von geschäftlichen Interessen abgesehen- könnte man nicht auch die körpereigene Spannung messen,
und dann entgegenwirken,
sei es mental, mit Übungen oder anderweitig therapeutisch ?
… spannende Fragen, zu denen Sie evtl. auch einen Link haben,
oder gerne auch diskutieren…

man kann auch von der Förderung der Entspannungsfähigkeit sprechen – grundsätzlich wesentlich.

Zum Beispiel spielt beim Phänomen Schmerz die psychische Spannung oftmals eine wesentliche Rolle. Wenn ein Lebewesen frei ist von übermäßiger psychischer und körperlicher Spannung entsteht der Zustand der als ausgeglichener Zustand bezeichnet werden kann und der mit dem Zustand der Harmonie beschrieben werden kann und der mit der Befindlichkeit des Wohlbefinden einhergeht.

Abschließend kann man also festhalten das Gegenteil von der psychischen Spannung bzw. der psychischen Anspannung ist die psychische Entspannung.

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(letzte Änderung 25.12.2020, abgelegt unter: Definition, Medizin, Nervensystem, Neurologie, Psyche, Psychiatrie, Psychologie, Schmerz, Spannung – Entspannung)

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