Dr.med. Othmar Mäser, Psychiater Psychotherapie

Gefühl

Das Gefühl der Person ist das Ergebnis ihres Fühlens.

Demgemäß ist das Gefühl ein psychisches Phänomen.

Man kann auch sagen: das Gefühl ist die Wahrnehmung des Befindens der Person und damit eine Qualität der Befindlichkeit die sich je nach dem mehr oder weniger im Bewusstsein manifestiert.

In psychisch- körperlicher Hinsicht ist das Gefühl das was man durch die Empfindung im Körper-Inneren wahrnimmt bzw. findet. Man sagt daher zum Beispiel: ich habe im Bauch seit diesem Erlebnis ein ungutes Gefühl.

In psychisch-geistiger Hinsicht ist das Gefühl etwas was in der Psyche durch das Erleben entsteht bzw. infolge des momentanen Lebens vorhanden ist.

Das Gefühl ist also die pathische Erlebnisqualität die willentlich nur wenig beeinflusst werden kann, wohingegen das Denken mehr dem Willen der Person unterliegt und daher mehr oder weniger bewusst durch die Gedanken gelenkt werden kann und somit vom Geist der Person abhängig ist.

Das Gefühl ist also mit der Stimmung verwandt und es entsteht auf der Grundlage des momentanen Denkens.

Man sagt daher  zum Beispiel: ich habe ein gutes Gefühl, dass die Sache gelingen wird.

Das Wort Gefühl beschreibt also den Zustand der Befindlichkeit, sowohl in psychisch-körperlicher Hinsicht, wie auch in psychisch-geistiger Hinsicht.

Man kennt den Ausdruck der Hintergrundstimmung auf der das Erleben stattfindet und man kennt auch den Begriff der Emotion der die Gefühlsbewegung bzw. eine starke Gefühlsänderung beschreibt.

Weil das Gefühl mit der Stimmung sich im Laufe der Zeit ändert, ändert sich auch die Befindlichkeit im Laufe der Zeit.

Diese Entwicklung hängt einerseits von inneren Gegebenheiten ab. Das Gefühl hängt also von den Eigenheiten, also vom Wesen der Person ab, womit gemeint ist, dass das Gefühl in dieser Person auf eine individuelle Art und Weise entsteht und zu einer gewissen Zeit in einer bestimmten Qualität und Intensität vorhanden ist. Andererseits hängt das Gefühl bzw. das Fühlen auch von äußeren Gegebenheiten ab, also von äußeren Gegebenheiten (Temperatur, Klima, Tageszeit, situative Umstände usf.) also von Eindrücken (Sinneswahrnehmungen) und von sonstigen Faktoren, die die momentane Befindlichkeit beeinflussen.

Und es hängt das Gefühl auch von Einfällen ab, die aus dem Gedächtnis hochkommen, also von Assoziationen somit von Vorstellungen, die aus den tieferen Schichten der Psyche hochkommen.

Das Gefühl ist also teils von äußeren Faktoren abhängig, die die Entwicklung des Gefühls beeinflussen und es hängt das Gefühl auch von inneren Gegebenheiten bzw. von inneren Einflüssen ab, die sich geltend machen.

Man unterscheidet unterschiedliche Gefühlsqualitäten. Man kennt das Gefühl der Gelassenheit, der Fröhlichkeit, der Heiterkeit, das Gefühl der Liebe. Dann auch das Gefühl der Bedrücktheit, der Trauer, der Ernsthaftigkeit, das Gefühl der Niedergeschlagenheit, oder das Gefühl der Unsicherheit, das Gefühl der Angst, das Gefühl wie es bei einer Depression vorherrschend ist bis hin zur Verzweiflung. Das Gefühl des Neides, des Hasses, der Wut, der Eifersucht usf.

Es gibt also positiv gefärbte Gefühle, neutral gefärbte Gefühle und negativ gefärbte Gefühle und Gefühle anderer Qualitäten. Schließlich kennt man auch das Gefühl der Gefühllosigkeit womit man meint dass eine Person nichts fühlt und sie eine innere Leere spürt.

Schließlich können bei gewissen psychischen Störungen vom Typ der Schizophrenie auch nicht zusammenpassende Erlebnisqualitäten auftreten man spricht dann von Parathymie (affektive Inadäquatheit), die als Folge einer Assoziationstörung in Bezug auf die Affekte auftritt (zum Beispiel: die Person lacht obwohl der Sachverhalt ernst ist).

Man unterscheidet die einzelnen Gefühlslagen auf der Grundlage der Gegensätze der einzelnen Gefühlslagen, somit unterscheidet man die einzelnen Gefühle auf der Grundlage der Unterschiede der Ideen bzw. der Unterschiede der Begriffe der Ideen die man über die Gefühle gebildet hat und es wird daher ein Gefühl intellektuell betrachtet mit der philosophischen Methode der Dialektik erkannt und sprachlich durch den Begriff einer Idee kommuniziert. Auf diese Art und Weise unterscheidet man angenehme Gefühle von unangenehmen Gefühlen. In diesem Sinn unterscheidet man etwa das Gefühl des Glücklichseins vom Gefühl des Unglücklichseins usf.

Es gibt also die Gefühle, wie sie im Rahmen der normalen Psychologie durch verschiedene psychische Phänomene beschrieben werden und andererseits die Gefühle, wie sie als krankhafte bzw. krankeitswertige Gefühle in der Psychiatrie durch  psychopathologischen Phänomene beschrieben werden.

Die Gefühle beeinflussen das Erleben im weitesten Sinn. Die Gefühle beeinflussen unser Denken, unsere Wahrnehmung und damit auch unsere Erfahrung. In diesem Sinn beinflussen die Gefühle nicht nur die momentane Befindlichkeit sondern auch die persönliche Sichtweise.

Psychologisch betrachtet ist ein Gefühl ein psychologisches Phänomen bzw. ein psychisches Phänomen.

Neuro-physiologisch betrachtet ist ein Gefühl die Folge der neuronalen Aktivität der Nervenzellen in einem mehr oder weniger abgrenzbaren Bereich des Gehirns. Man kann also sagen, dass ein Gefühl als Folge der neuronalen Funktion des Nervensystems entsteht. Man hat herausgefunden, dass insbesondere die basalen Gehirnstrukturen für die Entstehung der Gefühle und das Fühlen von Bedeutung sind. Es ist also ein mehr oder weniger abgrenzbarer Bereich des Nervensystems dafür verantwortlich, dass im Nervensystem gewisse neuronales Muster entstehen und ablaufen und diese als Gefühl erlebt werden. Diese neuronalen Muster bewirken auf der Ebene des Erlebens das was man als die verschiedenen psychische Phänomene in Bezug auf das Fühlen und den Fortbestand und die Entwicklung des Gefühle beschreibt.

Erkenntnistheoretisch bzw. philosophisch betrachtet ist ein Gefühl eine Einheit, die durch den Begriff einer Idee erfasst wird. Es handelt sich daher um eine systematische Einheit – also um eine Einheit, die nur auf der Ebene der Vorstellungen bzw. die nur auf der Ebene der Ideen als abgegrenzte Einheit erscheint. Auf der Ebene der neuronalen Funktion des zentralen Nervensystems kann man keine klar abgegrenzte Einheit finden, die der mental definierten Einheit entspricht. Das bedeutet man kann durch eine „physische“ Methode, also z.B. mit der Methode der funktionellen Bildgebung und hier mit der Methode der Funktionellen Magnetresonanztomograpie keine klar abgegrenzte bildgebende Einheit finden, die einer neuronalen Funktionseinheit als anatomisch (histologisch) abgegrenzte Einheit bzw. als optisch abgrenzbares neuronales Muster erfassbar ist. Man kann diesbezüglich nur einen Schwerpunktbereich abbilden, der für die Funktion des Gefühls zuständig ist, ohne zu erkennen wo – bildlich gesprochen – das Fühlen aufhört und das Denken oder eine andere Funktion des Nervensystems als Funktionseinheit anfängt.

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(letzte Änderung 17.09.2019, abgelegt unter psychologischer Begriff, fühlen, psychiatrischer Begriff, Definition, Psychologie, Psychiatrie, Psyche)

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