Dr.med. Othmar Mäser, Psychiater Psychotherapie

medizinische Einheit

Eine medizinische Einheit ist eine Einheit durch die ein medizinischer Parameter oder ein medizinischer Sachverhalt in der Diagnostik erfasst wird.

Demgemäß erfasst eine medizinische Einheit entweder einen einzelnen medizinischen Befund oder es ist eine medizinische Einheit eine medizinische Diagnose durch die ein gewisser medizinischer Sachverhalt erfasst wird. Durch eine medizinische Einheit kann also ein Krankheitszeichen als Befund erfasst werden, oder es kann eine  Krankheit bzw. eine Krankheitseinheit und damit eine gesundheitlichen Störung durch eine solche medizinische Einheit erfasst werden.

Wenn man sämtliche Einheiten in der universitären Medizin (Schulmedizin)betrachtet dann findet man solche, die man objektiv gültig bestimmen kann und andererseits Einheiten, die man nur subjektiv gültig bestimmen kann.

Man erkennt also Einheiten, die man auf der Grundlage von objektiven Befunden allgemein gültig bestimmen kann und solche, die man auf der Grundlage von subjektiven Befunden nicht allgemein gültig bestimmen kann. Die nur subjektiv bestimmbaren Einheiten sind z. B. Symptome oder nicht objektivierbare Phänomene oder es sind dies ganze Symptomenkomplexe.

Oder es ist dies zum Beispiel typisches Ganzes wie man es der Histopathologie in Form eines typischen histopathologischen Bildes/Schnittbildes als Entität erkannt hat. Bei diesen medizinischen Einheit geht der Arzt davon aus, dass es zugrunde liegende Natureinheiten gibt, die eine derart einheitliche klinische Erscheinungen bzw. die eine derartige natürliche Krankheitseinheit hervorrufen (Ein paar Beispiele dazu: histopathologisches Bild wie es beim papillären Schilddrüsenkarzinom, oder wie es in anderer Form beim follikulären Schilddrüsenkarzinom vorgefunden wird. Demgemäß kann sich in der universitären Medizin eine medizinische Einheit auch als typisches klinisches Erscheinungsbild entweder als typisches histopathologisches Schnittbild, oder als typisches Bild bei einem Ausstrich von Blut oder als typisches Bild bei einem Abstrich vom Gebärmuttermund, etwa in der Form von PAP III oder PAP IV präsentieren oder sonst als typische klinische Erscheinung.*

 

Erkenntnistheoretisch bzw. philosophisch betrachtet erkennt man, dass eine medizinische Einheit entweder auf der „Ebene der Objekte“ als Objekt/Faktum und damit als faktische Einheit erkannt wird oder nur auf der „Ebene der Ideen“ als der Begriff der Idee und der als systematische Einheit (der Idee) im Bewusstsein der erkennenden Fachperson erscheint falls diese die typischen Merkmale der Idee durch das (diagnostische) Schema der (diagnostischen) Idee auffasst (vgl. mit Kant Zitat 7)

Eine Einheit die auf der Ebene der Körperlichkeit, also auf der „Ebene der Objekte“ erkennbar ist, kann in der Regel objektiv gültig bestimmt werden.

Eine Einheit die nur auf der „Ebene der Ideen“ erkennbar ist, kann nicht objektiv gültig, sondern nur subjektiv gültig erkannt werden. Es wird damit deutlich, dass eine solche Einheit durch ein Konzept erkannt wird, das man auf die Erscheinungen projiziert, wohingegen eine objektiv bestimmbare Einheit auf Grundlage der Körperlichkeit, also auf der Grundlage von objektiven Befunden erkannt wird. Zu den Einheiten, die nur auf der Grundlage von subjektiven Befunden erkannt werden zählen z.B.  die Einheiten: Migräne, Spannungskopfschmerz, Somatoforme Störung, Fibromyalgie und andere nicht objektivierbare funktionelle Einheiten.

Es gibt in der Medizin also Einheiten, die auf Grundlage der Körperlichkeit allgemein gültig bestimmt werden können, und andererseits auch Einheiten, die – so – wie die psychiatrischen Einheiten – nur subjektiv gültig erkannt werden können. Bei diesen Einheiten kann man im Zweifelsfall nicht auf der Grundlage eines Objekts/Faktums allgemein gültig entscheiden welcher Einheit ein konkreter Fall zuzuordnen ist, sondern ist die Erkenntnis einer solchen Einheit immer von Voraussetzungen abhängig, die im Subjekt gelegen sind (vgl. mit Kant Zitat 7 und Kant Zitat 9). Daher kann ein diagnostischer Grenzfall nicht objektiv gültig sondern nur subjektiv gültig entschieden werden.

Man kann also in der Medizin viele Einheiten auf der Ebene der Objekte objektiv gültig erkennen und damit allgemein gültig diagnostisch bestimmen, während dies bei anderen Einheiten nicht möglich ist und diese nur auf der Ebene der Ideen durch medizinische Konzepte in angenäherter Form erfasst werden können. (vgl. mit Kant Zitat 7)

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Beispiele für objektiv bestimmbare medizinische Einheiten:

Herzinfarkt

Pneumonie

Leukämie

Anämie

Tuberkulose

Beispiele für nur subjektiv bestimmbare medizinische Einheiten:

Schwindel

Schwäche

Kraftlosigkeit als Phänomen

Atemnot als Phänomen

Fibromyalgie

unklarer Rückenschmerz

Spannungskopfschmerz

migränoider Kopfschmerz

Somatoforme Schmerzstörung

Fatigue Syndrom

vegetative Dystonie

Phtisis – die vormalige phänomenologische Einheit – als historisches Beispiel – die später verlassen werden konnte als man den Tuberkelbazillus als die Ursache dieser Form einer gesundheitlichen Störung erkannt hat.

usf.

(letzte Änderung 05.02.2020, abgelegt unter: Definition, Abstraktion, Einheit, )

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Weiteres über Einheiten in der Medizin – untersucht und diskutiert auf Grundlage der Philosophie von Immanuel Kant – in meinem Buch:

Diagnostik, Klassifikation und Systematik in Psychiatrie und Medizin

erschienen im April 2019 im Verlag tredition

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