Dr.med. Othmar Mäser, Psychiater Psychotherapie

Vernunft

Die Vernunft ist das Vermögen aus den Ideen, die der Verstand erkannt hat, die treffendste zu bestimmen (vgl. mit Kant Zitat 25).

Man kann auch sagen:

Die Vernunft ist das Vermögen aus den durchdachten Ideen infolge der vernünftigen Überlegung die „richtige“ bzw. die am besten passende – also die treffendste Idee durch das Denken zu erkennen, um sodann etwa gemäß dieser Idee zu handeln.

Ebenso kann man auch sagen, dass die Vernunft das Vermögen ist unter mehreren Gesichtspunkten den richtigen, oder den am besten passenden zu finden, um sodann die angemessene Sichtweise – etwa bei der Erörterung eines psychiatrischen Gutachtens bei Gericht – zu vertreten (vgl. mit Kant Zitat 25). Es wird hier nämlich die Plausiblität entscheiden welche fachliche Sichtweise bzw. welche fachliche Argumentation unter mehreren die beste ist, weil diese als die plausiblere im Verhältnis (vgl. mit Kant Zitat 26) zu einer anderen – etwa im Bewusstsein der zuhörenden und urteilenden Person – erscheint. Die Vernunft ist hier also das Vermögen die am besten zutreffende Kausalitätskette zu erkennen.

Die Vernunft leistet also dasselbe, was der gute alte Hausverstand in praktischer Hinsicht leistet, wenn er zum Beispiel zu einem geistigen Bild über einen Sachverhalt gelangt.

In diesem Sinne ist die Vernunft das Vermögen auf der Ebene der Vorstellungen durch den Vergleich der Ideen zu erkennen was zutreffend ist und was daher als plausibel erscheint, oder im Hinblick auf das Handeln zu erkennen was bestmöglich zu tun ist.

Tatsächlich kann man in vielen Bereichen nicht auf der Ebene der Objekte erkennen und bestimmen was richtig ist, und was daher aus objektiver Sicht am besten zu tun ist, sondern man muss sich die Mühe machen durch den Vergleich von Ideen – durch das Ponderieren der Ideen im Sinne von Immanuel Kant – herauszufinden was die beste Idee ist bzw.was subjektiv betrachtet die beste Idee im Bewusstsein erscheint – und daher infolge die beste Vorgehensweise bzw. die best mögliche Handlung ist (vgl. mit Kant Zitat 7).

Der Verstand hat also durch die Beschäftigung mit der Materie bereits gewisse Ideen erkannt und entwickelt und man kann durch den Vergleich dieser Ideen herausfinden, was gegenwärtig die bestmögliche Idee bzw. was  subjektiv gesehen die „richtige“ Idee ist – dies leistet die Vernunft (vgl. mit Kant Zitat 2)

Die Vernunft kann also auf der Grundlage des Wissens und der subjektiven Evidenz die bestmögliche Erkenntnis liefern.

So wird zum Beispiel in der Medizin ein mündiger Arzt mit seinem mündigen Patienten die beste Entscheidung suchen, wenn es etwa um die Frage einer Indikation bezüglich einer therapeutischen Handlung mit weitreichenden Folgen geht.

In der Psychiatrie wird ein Arzt / Ärztin also ein Psychiater / Psychiaterin in der Psychiatrischen Diagnostik in Folge von vernünftiger Überlegung, somit auf der Grundlage des Verstandes und der reinen Vernunft herausfinden welche psychiatrische Diagnose innerhalb einer psychiatrischen Klassifikation die zutreffende bzw. die am besten treffende Diagnose ist, und man kann sodann auf der Grundlage dieser Erkenntnis die bestmöglichen Handlung bzw. die bestmögliche Therapie unter Berücksichtigung der individuellen Gegebenheiten im konkreten Fall finden und in therapeutischer Hinsicht unternehmen (vgl. mit Kant Zitat 2). Womit deutlich wird, dass eine psychiatrische Klassifikation auf der Grundlage der Vernunft entwickelt werden sollte und nicht in der Natur auf der Grundlage der Empirie „entdeckt“ werden kann. Mit anderen Worten: es kann nicht in der Natur auf der Ebene der natürlichen Objekte oder auf der Ebene der natürlichen Erscheinungen entdeckt werden welches etwa die wahre und daher die „wirkliche“ und damit die einzig richtige psychiatrische Klassifikation ist.

Ebenso können in anderen Bereichen – so zum Beispiel in der Politik, in der Wissenschaft, in der Forschung, in der Lehre also in der Ausbildung somit in der Schule und im Studium und auch sonst in den verschiedensten Bereichen die Entscheidungen und infolge die Handlungen mehr oder weniger rational – also mehr oder weniger durch die Vernunft geleitet sein.

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(letzte Änderung 21.12.2018, abgelegt unter: Begriff, Bewusstsein, Definition, denken, Diagnostik, Erkennen, Gutachten, Medizin, philosophische Begriffe, Philosophie, Psyche, Psychiatrie, Rechtsprechung, Sinn, Vernunft, Verstehen, Zusammenhang)

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