Dr.med. Othmar Mäser, Psychiater Psychotherapie

kritisch

Kritisch ist, wer zuerst überlegt, alle Grundlagen und Argumente prüft und erst dann urteilt, entscheidet und handelt.

Es ist also kritisch, wer einen Sachverhalt in jeglicher Hinsicht in Frage stellt bevor er zur Entscheidung zu seinem Urteil und dann zu seiner Handlung schreitet.

In hohem Maß kritisch ist, wer bis an die Grenzen des Wissens und damit bis an die Grenzen Wissbaren geht. Eine solche Person kann man im Sinn der Aufklärung als aufgeklärt bezeichnen.

Es ist also kritisch wer einen Sachverhalt durch kritische Überlegung gründlich prüft, um erst sodann sein Urteil zu bilden.

Die kritische Überlegung schließt die reifliche Überlegung bzw. die gründliche Überlegung mit ein, und sie entspricht der vernünftigen Überlegung.

In diesem Sinn gründet sich der Hausverstand oder der gesunde Menschenverstand auf die kritische und gründliche Überlegung.

Wer die Dinge nicht in Frage stellt und nicht bis an die Grenzen des Wissbaren geht, den kann man nicht in hohem Maß als kritisch – und daher auch nicht als aufgeklärt – bezeichnen, sondern er muss als unkritisch oder unter Umständen gar als dumm im Sinn der Dummheit bezeichnet werden.

Man sollte sich der Grenzen des Wissens bewusst sein, man sollte unterscheiden von welchem Grad das erlangte Wissen ist. Handelt es sich um Wissen vom Grad der Meinung, oder um Wissen vom Grad des Glaubens, oder handelt es sich um allgemein gültiges Wissen, also um objektives Wissen das den Grad der Gewissheit hat?

Man sollte generell beachten welchen Grad das Wissen hat, sowohl in der Praxis, wie auch in der Wissenschaft.

Man sollte den Grad des Wissens in der Medizin – in den einzelnen Disziplinen (Innere Medizin, Chirurgie, Orthopädie, Neurologie, Gynäkologie usf.) – in der Psychiatrie, in der Psychologie und Psychotherapie, in der Psychosomatik, in der Schulmedizin, und in der Paramedizin bzw. in der Alternativmedizin und auch in den Basisdisziplinen: in der Physik, Chemie, Biochemie, Biologie, Physiologie usf. beachten.

Selbstverständlich gilt dies auch für alle anderen Bereiche des Wissens, also für die Rechtsprechung, die Politik, die Ökonomie, die Wirtschaft, das Bankenwesen usf.

In den verschiedenen Bereichen gibt es – je nach dem Wissen von unterschiedlichem Grade.

Durch gründliche Überlegung erkennt man durch das Urteilsvermögen bzw. durch den Einsatz des Kritikvermögens den Grad des Wissens und durch die vernünftige Überlegung kann man sodann das bestmögliche Wissen erlangen.

Das Wissen sollte also soweit als möglich auf den Grundlage des Verstandes und der Vernunft entstehen.

Dabei muss man sich allerdings eingestehen, dass es in gewissen Bereichen nur  ein subjektiv bestmögliches Wissen gibt, weil man dieses Wissen nicht allgemein gültig bzw. nicht objektiv gültig, sondern nur auf der Grundlage des persönlichen Verstandes und der Vernunft überprüfen kann.

In einem solchen Fall spricht man vom Glauben wenn die Person subjektiv von diesem Wissen überzeugt ist und von einer Meinung wenn sie (subjektiv) davon nicht gänzlich überzeugt ist.

Als im Sinn der Aufklärung aufgeklärter Arzt und auch als aufgeklärter Patient sollte man wissen, was man selbst entscheiden soll, welchen Stellenwert das präsentierte Wissen hat.

Man sollte wissen welchen Stellenwert das Wissen der Ärzte hat, wenn es einem im Nahmen der Wissenschaft im Hinblick auf eine anstehende Entscheidung empfohlen wird.

Man sollte in diesem Sinn wissen welchen Stellenwert eine Indikation hat, wenn sie einem von einem Arzt zur Befolgung empfohlen wird. Man sollte wissen, dass es sich dabei um eine fachliche Meinung handelt und nicht um objektives bzw. allgemein gültiges Wissen. Als Arzt sollte man wissen welchen Stellenwert eine Leitlinie hat und welchen Stellenwert das Wissen einer Studie und einer Metaanalyse für den konkreten Fall hat, falls man solches Wissen als Entscheidungsgrundlage berücksichtigt.

In diesem Sinn sollte man aufgeklärt sein und zum eigenen Nutzen und zum Nutzen der Anderen das Wissen kritisch und damit bestmöglich verwenden. Man sollte der Natur nach allen möglichen Prinzipien der Einheit, worunter die der Zwecke die vornehmste ist, bis in ihr Innerstes nachgehen, niemals aber die Grenzen überfliegen, außerhalb welcher für uns nichts als leerer Raum ist. (vgl. mit Kant Zitat 2)

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(letzte Änderung 22.02.2019, abgelegt unter: Begriff, Definition, Philosophie, philosophische Begriffe, Urteil, Wissen)

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