Dr.med. Othmar Mäser, Psychiater Psychotherapie

Demenz – ein regulativer Begriff

Der Begriff Demenz ist ein regulativer Begriff. Mit Hilfe eines solchen Begriffs kann entschieden werden, ob eine psychische Störung im Sinn einer Demenz vorliegt oder nicht.

Durch den Bezug der psychischen Symptome und psychischen Phänomene auf den Begriff „Demenz“ kann entschieden werden, ob die Kriterien des Begriffs „Demenz“ hinreichend erfüllt sind. (vgl. mit Kant Zitat 7)

In diesem Sinn „regelt“ der Begriff „Demenz“, ob ein klinisches Erscheinungsbild die Kriterien der psychiatrischen Kategorie Demenz erfüllt.

Das heißt es wird auf der Ebene der Vorstellungen entschieden, ob in einem konkreten Fall die diagnostischen Kriterien der psychiatrischen Diagnose „Demenz“ durch den bestehenden Symptomenkomplex hinreichend erfüllt werden. In diesem Sinn wird durch den Bezug der Merkmale auf die Idee, bzw. durch den Bezug auf das Konzept Demenz entschieden, ob die klinische Diagnose „Demenz“ zu stellen ist oder nicht. (vgl. mit Kant Zitat 7)

Daher kann man sagen „regelt“ der Begriff Demenz die Entscheidung, ob eine solche psychische Störung vorliegt oder nicht.

Man kann nämlich nicht auf der Grundlage von körperlichen Befunden bzw. auf der Grundlage von körperlichen Kriterien entscheiden, ob eine Demenz vorliegt. Es kann allein nur auf der Grundlage des psychischen Befundes bzw. des psychiatrischen Befundes entschieden werden, ob eine Demenz bzw. eine demenzielle Störung vorliegt oder nicht.

Durch aufgefundene, zusätzliche körperliche Befunde, wie sie etwa im Rahmen der Bildgebung darstellbar sind, die unter Umständen eine Atrophie des Gehirns zeigt kann man nicht entscheiden, ob eine Demenz vorliegt oder nicht. Man kann auf der Grundlage solcher Befunde lediglich erklären warum eine Demenz vorliegt – aber die Entscheidung ist im Zweifelsfall nicht auf der Grundlage dieser Auffälligkeiten möglich.

Man kann also nicht auf der Grundlage eines körperlichen Befundes, oder auf der Grundlage eines sonstigen physischen Befundes entscheiden, ob eine Demenz vorliegt oder nicht. Eine körperliche bzw. eine physische  Objektivierung der Diagnose Demenz ist nicht möglich. Durch derartige Befunde kann man lediglich erklären warum die phänomenologisch festgestellte  psychische Störung aufgetreten ist. Die psychiatrische Diagnose als solche wird allein auf der Grundlage des klinisch psychiatrischen Befundes festgestellt, und liefern so gesehen die physischen Befunde lediglich zusätzliche Informationen.

Es handelt sich also beim Begriff Demenz um einen regulativen Begriff mit dessen Hilfe man auf der Ebene der Vorstellungen entschieden kann, ob die Diagnose Demenz zutreffend ist oder nicht. Man kann nicht auf der Grundlage von körperlich physischen Befunden entscheiden, ob die Diagnose Demenz zutrifft.

Man erkennt damit den großen Nutzen dieses regulativen Begriffs, weil man mit Hilfe dieses Begriffes den psychischen Symptomenkomplex auffassen kann und sodann durch den Vergleich mit anderen psychiatrischen Ideen unter Berücksichtigung der Zusatzbefunde entscheiden kann, ob durch das klinische Erscheinungsbild die Kriterien einer Demenz erfüllt werden.

(letztes update 28.10.2011)

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