Dr.med. Othmar Mäser, Psychiater Psychotherapie

Schizophrenie

Schizophrenie ist eine Form von psychischer Störung bei der es zu typischen Störungen im Denken, teils auch im Gemüt und fallweise in der Empfindung kommt. In manchen Fällen treten auch typische Bewegungsstörungen und sonstige eigenartige Symptome und Phänomene auf.

Dabei unterscheidet man bei der Schizophrenie in Bezug auf das Denken formale Denkstörungen von inhaltlichen Denkstörungen, sowie in Bezug auf das Gemüt typische Gemütsstörungen.

Es kann also in Bezug auf die Entwicklung der Gedanken zu typischen Störungen im Ablauf und auch im Inhalt kommen, und ebenso können eigenartige Störungen bezüglich dem Fühlen und der körperlichen Empfindung (typische Körperwahrnehmungsstörungen, coenästhetische Halluzinationen von der Qualität einer leibhaftigen Störung) auftreten.

Überhaupt ist die Empfindsamkeit; man kann auch sagen die Störanfälligkeit der Psyche erhöht, und es wurde dies vom Schweizer Psychiater Luc Ciompi durch den Begriff Vulnerabilität und durch das Vulnerabilitätskonzept beschrieben.

All diese besonderen Formen von Störung der Psyche, kann man sich als Folge von neuronalen Funktionsstörungen vorstellen, die eigenartige Assoziationsstörungen bewirken, die ihrerseits die typischen psychopathologischen Phänomene und psychischen Reaktionen zur Folge haben, die man unter dem Sammelbegriff Schizophrenie in der psychiatrischen Diagnostik erfasst.

Dabei kann die Überforderung des Nervensystems der betroffenen Person in einer vulnerablen Phase zu dieser nicht näher bekannten Funktionsstörung geführt haben, wovon nachfolgend noch eingehender die Rede ist.

Es tritt die psychische Störung vom Typ der Schizophrenie somit als Folge einer nicht näher bekannten komplexen Ursache in Erscheinung und kann sich in unterschiedlichen klinischen Formen manifestieren.

Diesen Sachverhalt hat der Schweizer Psychiater Eugen Bleuler, der den Begriff Schizophrenie geprägt hat realisiert und er spricht daher von der Gruppe der Schizophrenien (vgl. mit Eugen Bleuler Zitat 2).

Dabei beruht die Diagnostik dieser psychischer Störung – so wie die der anderen auf der klinischen Erscheinung und es wird demgemäß die psychiatrische Diagnose  Schizophrenie aufgrund des klinischen Erscheinungsbildes unter Berücksichtigung des Verlaufs gestellt.

Weil es bei der Schizophrenie infolge der Denkstörungen zur Beeinträchtigung in der Realitätswahrnehmung kommt, hat dies in vielen Fällen eine Störung im Realitätsbezug zur Folge.

Und es erlangt deswegen die psychische Störung vom Typ der Schizophrenie schnell das Ausmaß einer Psychose.

Und es kommt als Folge der gestörten Realitätswahrnehmung in manchen Fällen zur Ausbildung eines Wahns bzw. zu einer Paranoia.

In der Diagnostik wird daher eine solche Form als paranoide Schizophrenie klassifiziert.

Dabei treten bei der Schizophrenie häufig Halluzinationen auf, die die betroffene Person in verschiedener Hinsicht belasten und beeinträchtigen.

Diese „abgespaltene Aktivität“ der neuronalen Funktion hat den Schweizer Psychiater Eugen Bleuler zur Bezeichnung „Spaltungsirresein“ veranlasst und er hat deswegen den Begriff Schizophrenie vorgeschlagen bzw. hat er wegen den unterschiedlichen Formen und Verläufen die Gruppe der Schizophrenien in seinem Lehrbuch beschrieben.

Man kann also sagen, dass die psychische Störung vom Typ der Schizophrenie zur Störung im Erleben und zur beeinträchtigten Wahrnehmung der  Realität und damit zur Störung im Erleben der Wirklichkeit führt.

Psychopathologisch betrachtet handelt es sich beim Begriff Schizophrenie um den psychopathologischen Begriff der den typischen psychischen Symptomenkomplex erfasst. Dabei ist dieser Begriff durch die Kriterien definiert, wie sie primär von Eugen Bleuler und später von den ihm nachfolgenden Fachkollegen in den klassischen Lehrbüchern der Psychiatrie beschrieben worden sind. Aus diesen Definitionen sind zu einem späteren Zeitpunkt in den USA die DSM Klassifikation und in Europa einige Zeit später im Auftrag der WHO die psychiatrische ICD Klassifikation hervorgegangen, in Bezug auf welche gegenwärtig die psychiatrische ICD-10 Klassifikation und die DSM-V Klassifikation in Verwendung sind. Dabei macht die Gruppe der Schizophrenien jeweils einen wesentlichen Teil dieser psychiatrischen Klassifikationen aus.

Erkenntnistheoretisch bzw. philosophisch betrachtet kann man sagen, dass die diagnostische Einheit Schizophrenie durch eine Idee – und zwar durch eine bloße Idee – erfasst wird. Dabei erkennt der befasste Psychiater die psychische Störung auf Grund der typischen psychopathologischen Phänomene bzw. auf Grundlage des psychischen Symptomenkomplexes, sofern sie den Kriterien der psychiatrischen Kategorie Schizophrenie genügen. Es gelangt der befasste Facharzt also zur entsprechenden psychiatrischen Diagnose, falls er die Merkmale der psychischen Störung durch das (diagnostische) Schema der (diagnostischen) Idee in Bezug auf den definierten Typ auffassen kann (vgl. mit Jaspers Zitat). Man kann unter Anwendung der Philosophie von Immanuel Kant auch sagen: der befasste Psychiater gelangt zur entsprechenden psychiatrischen Diagnose falls der Begriff der psychiatrischen Idee der eine systematischen Einheit ist die aufgefundenen psychischen Merkmale erfasst. Oder mit anderen Worten: falls die aufgefundenen psychischen Merkmale dem diagnostischen Schema der Idee hinreichend genügen (vgl. mit Kant Zitat 7). Und schließlich kann man durch Worte von Karl Jaspers auch sagen: dabei kann ich als befasster Psychiater das Ganze als Idee nicht geradezu erkennen, sondern ich kann mich, diesem Ganzen als Idee durch das Schema der Idee nur nähern.

Damit wird deutlich dass Karl Jaspers als Erster realisiert hat, dass in der Psychiatrie die psychischen Erscheinungen – und somit auch die psychische Störung vom Typ der Schizophrenie nur durch ein kantsche Idee *bzw. angenähert nur durch deren Schema in Bezug auf einen (definierten) Typ – auf der Ebene der Ideen – durch den Vergleich der Ideen – nämlich unter Führung von Ideen erkannt werden kann (*Anmerkung er meint damit die bloßen Ideen von Kant).

Man kann somit in Bezug auf die Krankheitseinheit  Schizophrenie sagen, dass es sich hierbei um eine projektiert Einheit handelt. Ebenso kann man sagen: dass es sich hierbei um eine zweckmäßige Einheit im Sinne von Immanuel Kant handelt, weil es durch diese diagnostische Einheit möglich ist derartige psychische Störungen unter dem Begriff der Idee gemäß dieser systematischen Einheit nach einem System geordnet zu erfassen – um infolge diese Form von psychischer Störung in der psychiatrischen Wissenschaft systematisch studieren zu können – wenngleich man ihre Ursache nicht wirklich kennt.

Neurobiologisch betrachtet kann eine psychische Störung vom Typ einer Schizophrenie durch eine biologische Theorie erklärt werden. Man kann das Auftreten der schizophrenen Störung nämlich als Folge einer neuronalen Funktionsstörung verstehen. und das Auftreten des psychischen Symptomenkomplexes dadurch erklären. Und zwar kann man den Sachverhalt als Folge einer Funktionsstörung erklären, die sich einerseits an gewissen Nervenzellen an den Rezeptoren abspielt (Rezeptortheorie), und andererseits auch als Funktionsstörung, die durch das gestörte Zusammenspiel der Nervenzellverbände in den neuronalen Netzwerken  entsteht, somit als Folge einer Netzwerkstörung. In diesem Sinn kann man das Auftreten der  unterschiedlichen Formen der Schizophrenie als Folge der individuellen neuronalen Störung im Bereich des Gehirns, insbesondere im Kortex verstehen, und auf dieser Grundlage biologisch begründet erklären. So kann man sich etwa vorstellen, dass eine Halluzination als Folge eines weitgehend vom sonstigen Erleben abgespaltenen neuronalen Musters entsteht, und es wird dieses psychopathologische Phänomen daher als nicht Ich-synton erlebt (etwa als gemacht, von außen eingegeben, als Gedankenentzug, Gedankenbeeinflussung etc.).

Psychologisch und soziologisch betrachtet kann man auch sagen, dass die psychische Störung vom Typ der Schizophrenie, die bevorzugt im Jugendalter bzw. im jungen Erwachsenenalter auftritt, sich in einer vulnerablen Phase in der Regel erstmals manifestiert, insofern in diesem Lebensabschnitt der Mensch als Persönlichkeit noch nicht so gefestigt ist. Es kann hier nämlich das Zusammentreffen von mehreren Faktoren der komplexen Ursache den kritischen Schwellenwert erreichen, der den Anfangspunkt der psychischen Störung vom Typ der Schizophrenie bildet.

Zur Prägung des Begriffs Schizophrenie durch Eugen Bleuler: Eugen Bleuler hat den Begriff Schizophrenie geprägt und spricht auch vom Spaltungsirresein (von griechisch σχίζειν s’chizein „spalten, zerspalten, zersplittern“ und φρήν phrēn „Geist, Seele, Gemüt, Zwerchfell“), weil er in vielen Fällen ein abgespaltenes Erleben bei seinen Patienten bemerkte, in dessen Folge es zu eigenartigen psychopathologischen Phänomenen kommt, etwa zu den zuvor genannten formalen Denkstörungen und zu den Halluzinationen, die als nicht zum eigenen Erleben gehörig wahrgenommen und daher als von außen „gemacht“ erlebt werden.

So tritt bei der Schizophrenie in vielen Fällen ein Gefühl auf, als ob das Erlebte nicht zum Ich bzw. nicht zur Person gehörig ist. Man spricht dann von Entfremdungsgefühlen, die allerdings bis zu einem gewissen Grad auch normal sein können. Falls die betroffene Person jedoch das Gefühl hat, dass mit ihr etwas gemacht wird (sie spürt zum Beispiel: wie sie von elektromagnetischen Wellen bestrahlt wird, wie ihr Denken von außen gesteuert wird usf. dann ist dies nicht normal sondern pathologisch respektive krankheitswertig. und hat dies weitreichende Konsequenzen auf das Reagieren und Verhalten der betroffenen Person die man berechtigt in vielen Fällen als Funktionseinbuße bis hin zum Funktionsverlust bezeichnen kann, und die daher die Lebensqualität aus Sicht der Person – bzw. aus Sicht der Gesellschaft die Integrierbarkeit beeinträchtigen.

Bei einem derartigen krankheitswertigen psychischen Phänomen handelt es sich um ein typisches psychopathologisches Phänomen, wie es bei einer Schizophrenie vorkommt.

(Körperwahrnehmungsstörung, coenästetische Halluzination von der Qualität einer leibhaftigen Störung können auftreten).

Derartige Phänomene werden unter Umständen als Depersonalisierung bzw. als Depersonalisation bezeichnet und sie entstehen wahrscheinlich infolge von derselben biologischen Störung im Nervensystem, die auch zum Auftreten der typischen Halluzinationen führt.

Charakteristisch für diese Form einer psychischen Störung ist als Folge der genannten psychopathologischen Phänomene die gestörte Außen- und Selbstwahrnehmung.

Zur zeitlichen Manifestation einer psychischen Störung vom Typ der Schizophrenie

Typisch ist, dass diese psychische Störung erstmals im jungen Erwachsenenalter auftritt,  wobei diskrete Auffälligkeiten in vielen Fällen schon zuvor vorhanden waren. Eine massive schizophrene Psychose wird häufig durch Drogenkonsum (Cannabis, LSD, psychotrope Pilze u.a.) in der späteren Jugend oder im jungen Erwachsenenalter beobachtet. Auch sonstige belastende Faktoren spielen oftmals eine Rolle.

Wie bei der Ursache von anderen psychischen Störungen handelt es sich auch bei der Schizophrenie um eine komplexen Ursache. In gewissen Fällen kann eine schizophrene Psychose spontan auftreten – also ohne, dass besondere Faktoren als kausale Ursache auffallend sind. Allerdings bestand auch in diesen Fällen in der Regel zuvor schon eine erhöhte psychische „Vulnerabilität“ – im Sinne einer erhöhten psychischen Störanfälligkeit / psychische Irritierbarkeit (lat. vulnus – die Wunde; man meint hier die erhöhte psychische „Verwundbarkeit“).

Bezüglich des Verlaufs kann man sagen, dass bei einer akuten Störung durch die geeignete Therapie sich die akute Symptomatik in der Regel alsbald zurückbildet (remittiert), wobei hier die Therapie mit Psychopharmaka (insbesondere mit Neuroleptika und teils auch mit anderen Medikamenten) und auch die sonstige fachpsychiatrische Therapie eine wesentliche Rolle spielt. In einem Teil der Fälle unterbleibt allerdings diese Remission und es kommt vor allem bei wiederholt auftretenden Krankheitsschüben und auch beim Typ der blanden Psychose (Schizophrenia simplex) zur Ausbildung eines mehr oder weniger ausgeprägten Residualzustandes. Diese Veränderung und auch andere Phänomene bei der Schizophrenie kann man als Folge der Neuroplastizität verstehen, in dem Sinn dass die neuronale Funktionsstörung sich nur teilweise zurückgebildet hat bzw. eine abnorme Funktion auf der Ebene des zentralen Nervensystems persistiert.

Schließlich kann man bezüglich des Verlaufs auch sagen, dass es bei der diagnostischen Einheit Schizophrenie sich um eine dynamische Einheit handelt, bei der das klinische Erscheinungsbild je nach dem Verlauf und Stadium zu einer gewissen Zeit mehr oder weniger ausgeprägt ist. Der Begriff hingegen, der diese psychische Störung bezeichnet ist eine statische Einheit. Der Begriff Schizophrenie ist eben ein Wort – eine Bezeichnung – das für alle psychischen Auffälligkeiten dieser Art verwendet wird – wenngleich in der Realität kein Fall gleich wie ein anderer ist.

Diese Form einer psychische Störung zählt zu den psychischen Störungen der 2. Schicht gemäß der Schichtenregel nach Karl Jaspers.

Der Begriff „Schizophrenie“ wurde – wie bereits gesagt – vom Psychiater Eugen Bleuler geprägt. Eugen Bleuler war ärztlicher Leiter der psychiatrischen Klinik Burghölzli in Zürich und er kam auf der Grundlage seiner klinischen Erfahrung und infolge seiner vernünftigen Überlegungen zur fachlichen Sichtweise, dass die in jener Zeit in Verwendung befindliche diagnostische Einheit „Dementia praecox“ „selbst in den schwersten Fällen nicht ganz paßend war“ (siehe Bleuler Zitat). Daher gelangte Bleuler zu einem modifizierten psychiatrischen Konzept das er als „Schizophrenie“ (Spaltungsirresein) bezeichnete. Weil die klinischen Erscheinungsbilder dieser Art unterschiedlich sind, gelangte Eugen Bleuler nicht nur zu einer diagnostischen Einheit „Schizophrenie„, sondern zu den unterschiedlichen diagnostischen Einheiten, also zur „Gruppe der Schizophrenien“ (siehe Bleuler Zitat und Bleuler Zitat 3).

Die Einheit Schizophrenie bzw. die „Gruppe der Schizophrenien“ wurde von der Fachkollegenschaft für diese Form einer psychischen Störung als besser passend im Vergleich zur diagnostischen Einheit Dementia praecox erkannt und es hat daher die diagnostische Einheit „Schizophrenie“ die diagnostische Einheit „Dementia praecox“ abgelöst bzw. es hat die Einheit „Schizophrenie“ in der psychiatrischen Klassifikation der psychischen Störungen die diagnostische Einheit Dementia praecox ersetzt.

Demgemäß werden in der psychiatrischen Praxis und in der psychiatrischen Wissenschaft durch die psychiatrischen Kategorien (F20 – F29) der Psychiatrischen ICD-10 Klassifikation in der psychiatrischen Diagnostik gewisse typische klinische Erscheinungsbilder erfasst und damit die zugehörigen psychiatrischen Diagnosen durch diese phänomenologischen Einheiten bestimmt.

Man erkennt, dass es sich bei der psychiatrischen Diagnose Schizophrenie um eine phänomenologische Diagnose und nicht um eine biologisch fundierte Diagnose bzw. auch nicht um eine  ätiologische Diagnose – oder man kann auch sagen: nicht um eine faktische Diagnose handelt.

Im Hinblick auf die Grundlage des Wissens wird also deutlich, dass es sich bei der diagnostischen Einheit „Schizophrenie“ um die systematische Einheit der psychiatrischen Idee handelt, durch die ein charakteristischer psychischer Symptomenkomplex erfasst wird. Es wird also eine psychische Störung vom Typ einer Schizophrenie – so wie alle anderen psychischen Störungen – auf der Grundlage einer definierten psychiatrischen Idee erkannt (vgl. mit Kant Zitat 7), die auf die psychischen Auffälligkeiten projiziert wird. Weil es sich bei dieser psychiatrischen Einheit – so wie bei allen anderen psychiatrischen Einheiten in der psychiatrischen Diagnostik – um eine nur problematisch zum Grund gelegte Einheit (vgl. mit Kant Zitat 8 und mit dem Bleuler Zitat) handelt, ist der Begriff „Schizophrenie“ der Begriff eines psychiatrischen Konzepts (vgl. mit dem Bleuler Zitat).

Es handelt sich bei der Einheit Schizophrenie also um eine diagnostische Einheit, die man nicht auf der Grundlage einer „physisch“ überprüfbaren Idee erkennen kann. Und es ist daher dieser Begriff ein regulativer Begriff im Sinne von Immanuel Kant, weil er sich auf eine bloße Idee bezieht, die auf der „Ebene der Ideen“ in dieser Form per Konvention definiert worden ist. Man kann auch sagen: man denkt sich unter Umständen als Arzt bzw. in der Psychiatrie also Psychiater, dass es eine solche zu Grunde liegende „Natureinheit“ im Sinne einer tatsächlich existenten natürlichen Krankheitseinheit gibt, die den charakteristischen psychischen Symptomenkomplex hervorruft. Wie man sich überzeugt, gibt es jedoch auf der Ebene des Körpers bzw. auf der Ebene der körperlichen Funktion und damit auf der Ebene der neuronalen Funktion oder auf der Ebene der biochemischen Vorgänge keine natürlich abgegrenzte Einheit im Sinne einer physischen- oder biologischen/biochemischen faktischen Einheit, sondern es entsteht diese „abgegrenzte Einheit“ in der Form des Begriffs der Idee lediglich auf der „Ebene der Ideen“ bzw. auf der Ebene der Vorstellungen als „abgegrenzte Einheit“, – eben als der Begriff der Idee falls die erkennende Fachperson den charakteristischen psychischen Symptomenkomplex unter dieser definierten systematischen Einheit (vgl. mit Kant Zitat 7) bzw. vermittelt durch das Schema der Idee geistig auffasst.

In Bezug auf diese zu Grunde liegend gedachte „Natureinheit“ Schizophrenie kann man auch sagen, dass diese „Natureinheit“ ein regulatives Prinzip im Sinne von Immanuel Kant ist (vgl. mit Kant Zitat 3b).

Wie man sich überzeugt ist die „Natureinheit“ Schizophrenie, die durch eine psychiatrische Idee erkannt wird – so wie eine psychologische Idee eine bloße Idee im Sinne von Immanuel Kant (vgl. mit Kant Zitat 4) – und es ist daher der Begriff „Schizophrenie“ – wie gesagt ein regulativer Begriff  (vgl. mit Kant Zitat 4), weil dieser Begriff die Relation zu anderen psychiatrisch-diagnostischen Begriffen durch seine Definition auf der „Ebene der Ideen“ durch diese systematische Einheit „regelt“.

Man erkennt damit, dass die diagnostische Einheit Schizophrenie ein psychiatrisches Konzept ist, mit dem man einen charakteristischen psychischen Symptomenkomplex auf der Ebene der Vorstellungen durch das Schema der Idee geistig auffassen kann (vgl. mit Kant Zitat 7). Und ferner erkennt man damit, dass z.B. die psychiatrischen Kategorien (F20-F29) der psychiatrischen ICD-10 Klassifikation durch die Schemata der zugehörigen psychiatrisch-diagnostischen Ideen definiert sind (vgl. mit Kant Zitat 7). 

Bezüglich der Ideen in der Psychiatrie hat Karl Jaspers erkannt, dass es sich dabei um Kant`sche Ideen handelt – womit er die bloßen Ideen von Immanuel Kant meint, wenn er schreibt, dass ich das Ganze als Idee nicht geradezu erkennen kann, sondern ich mich dem Ganzen als  Idee durch das Schema der Idee nur nähern kann (vgl. mit Jaspers Zitat).

Wie man sich überzeugt gilt dies für alle diagnostischen Einheiten in der Psychiatrie und somit auch für die diagnostische Einheit „Schizophrenie“ bzw. für die „Gruppe der Schizophrenien„. Man kann sich dem Ganzen der jeweiligen Idee bzw. dem Ganzen der jeweiligen diagnostischen Einheit durch das Schema der Idee – nämlich hier in der Diagnostik durch die psychiatrische Kategorie – die die Merkmale des Schemas der diagnostischen Idee aufzeigt – nur nähern, das Ganze als Idee kann ich nicht geradezu erkennen – wie dies Karl Jaspers treffend schreibt (vgl. mit Jaspers Zitat).

Und es schreibt Karl Jaspers an anderer Stelle ebenfalls treffend, dass sich (in der Psychiatrie) die Idee der Krankheitseinheit in irgendeinem einzelnen Fall niemals verwirklichen läßt (vgl. mit Jaspers Zitat 6).

Ferner schreibt Karl Jaspers, dass ein solches Schema ein methodisches Hilfsmittel ist das grenzenlos korrigierbar und verwandelbar ist (vgl. mit Jasper Zitat)  – was auf den Sachverhalt ebenfalls zutreffend ist – insofern die Fachleute die Grenzen der Ideen bzw. deren Begriffe so definieren konnten wie es ihnen, etwa im Rahmen der Revision der psychiatrischen ICD-Klassifikation treffend erschienen ist.

In diesem Sinn korrespondiert die psychiatrische Kategorie „Schizophrenie“ mit dem Schema der psychiatrisch-diagnostischen Idee „Schizophrenie“ durch das man einen charakteristischen psychischen Symptomenkomplex geistig auffassen kann.

Wie Geschichte der Psychiatrie lehrt, ist das Schema dieser Idee im Laufe der Zeit in diesem Sinn von korrigiert und verwandelt worden. Und es werden bekanntlich die psychiatrischen Kategorien der psychiatrischen ICD Klassifikation und der DSM Klassifikation weiterhin im Rahmen der Revisionen auf diese Art und Weise modifiziert und aufeinander abgestimmt, falls dies bei der Operationalisierung der Einheiten den befassten Fachleuten zweckdienlich erscheint.

Durch die Einheit „Schizophrenie“ wird ein gewisser psychischer Symptomenkomplex gemäß einem Typus, also gemäß einem definierten Ideal erfasst, indem man auf der Ebene der Vorstellungen die charakteristischen psychopathologischen Phänomene unter dem Begriff der Idee auffasst (vgl. mit Kant Zitat 7). Man vergleicht also auf der Ebene der Ideen, ob die vorgefundenen  psychopathologischen Phänomene – die die charakteristischen Merkmale der diagnostischen Einheit sind – den Kriterien der psychiatrischen Kategorie hinreichend genügen (vgl. mit Kant Zitat 7).

In diesem Sinn wird auf der Ebene der Vorstellungen in einem konkreten Fall subjektiv gültig entschieden, ob das klinische Erscheinungsbild den Kriterien dieser diagnostischen Einheit hinreichend genügt.

Die Erkenntnis der diagnostischen Einheit „Schizophrenie“ erfolgt also auf Grundlage der Unterschiede der Ideen. Man erkennt damit dass die Einheit „Schizophrenie“ durch die philosophische Methode der Dialektik auf der Ebene der Ideen bzw. auf der Ebene der Vorstellungen bestimmt wird.  (vgl. mit Kant Zitat 7)

Und es wird dadurch deutlich, wie durch den  regulativen Begriff „Schizophrenie“ die Relation zu den anderen, benachbarten regulativen Begriffen das Verhältnis/die Relation „geregelt“ wird.

Mit der Hilfe einer solchen diagnostischen Einheit – die eine systematische Einheit ist –  kann völlig unabhängig von der Ätiologie  der psychische Symptomenkomplex (wie er durch die Kategorie definiert ist) auf der Grundlage der charakteristischen psychischen Erscheinungen also phänomenologisch begründet in der Diagnostik erfasst werden.

Es handelt sich also bei der psychiatrischen Kategorie „Schizophrenie“ also um ein methodisches Hilfsmittel – im Sinne von Karl Jaspers – durch das man einen charakteristischen psychischen Symptomenkomplex durch das Schema der Idee auffassen kann. (vgl. mit Jaspers Zitat)

In der psychiatrischen Praxis erhebt der Psychiater die Anamnese und den psychischen Befund und vergleicht sodann auf der Ebene seiner Vorstellungen, ob das gewonnene klinische Erscheinungsbild der psychiatrischen Kategorie „Schizophrenie“ hinreichend entspricht und es wird in diesem Fall die psychiatrische Diagnose „Schizophrenie“ gestellt.

Man vergleicht als Fachperson also auf der Ebene der Vorstellungen eine Idee mit anderen Ideen und man kann dann auf der Ebene der Vorstellungen schließlich subjektiv gültig entscheiden, ob die vorgefundenen Phänomene den Kriterien der psychiatrischen Kategorie und damit dem Schema der Idee bzw. dem Typus hinreichend genügen. (vgl. mit Jaspers Zitat und mit Kant Zitat 7)

Eine psychiatrische Diagnose wird also auf der Grundlage der Psychopathologie bzw. auf der Grundlage Phänomenologie und nicht auf der Grundlage von  körperlichen Befunden, also nicht auf der Grundlage von irgend welchen biologischen Parametern bzw. nicht auf der Grundlage von biologischen Markern diagnostisch erkannt.

Es ist auch heute noch so – wie zur Zeit des Eugen Bleuler – dass diese – und auch jede andere psychische Störung auf der Grundlage des psychischen Befundes und der sonstigen Kriterien, wie sie in der jeweiligen psychiatrischen Kategorie definiert worden sind, festgestellt wird. Es gibt keine Möglichkeit eine psychische Störung durch körperliche Parameter „physisch“ diagnostisch zu bestimmen. Daher kann man eine psychische Störung nicht durch biologische Befunde objektivieren. Man kann lediglich manch eine psychische Störung und damit die zugehörige psychiatrische Diagnose durch körperliche Befunde (besser) erklären und besser erläutern – aber objektiv gültig bestimmen kann man sie dadurch nicht. (Weiteres dazu auf Poster 6: Diagnosis in Psychiatry – the Role of Biological Markers – an investigation in the light of Immanuel Kant`s philosophy)

Weil eine psychiatrische Diagnosenur auf der Ebene der Vorstellungen bzw. nur auf der Ebene der Ideen diagnostisch erfasst werden kann, hat dies zur Folge, dass eine psychiatrische Diagnose – und damit auch die Diagnose „Schizophrenie“ – nur relativ gültig ist und sie nicht absolut festgestellt werden kann.

Man kann also die Diagnose „Schizophrenie“ nur subjektiv  gültig feststellen und diese Diagnose nicht – so wie dies in der Medizin bei einer medizinischen Diagnose häufig möglich ist – diese auf der Ebene der Objekte überprüfen und damit allgemein gültig bestimmen.

Man kann also die Diagnose „Schizophrenie“ nur subjektiv evident erkennen und auch nur subjektiv evident diagnostisch bestimmen. Mit anderen Worten: die psychiatrische Diagnose „Schizophrenie“ kann man – so wie alle anderen psychiatrischen Diagnosen – nur auf der Grundlage von subjektiver Evidenz und nicht auf der Grundlage von objektiver Evidenz erkennen.

Man kann daher berechtigt sagen, dass es sich bei  der psychiatrischen Diagnose Schizophrenie – so wie bei allen anderen psychiatrischen Diagnosen – um relatives Wissen handelt, das gleichzeitig auch beschränktes Wissen ist. (vgl. mit Jaspers Zitat und Kant Zitat 3a)

Weil man also die Diagnose Schizophrenie nur in Bezug auf eine definierte Idee feststellen kann, sollte man eine psychiatrische Diagnose nur relativistisch verwenden. (vgl. mit Kant Zitat 4).

Das heißt man sollte beachten, dass eine solche Erkenntnis nur relativ und nicht absolut gültig ist. Wenn man dies nicht beachtet, dann gerät man umgehend in Widersprüche (Antinomien). Auf diesen Sachverhalt hat bereits Karl Jaspers hingewiesen. (vgl. mit Jaspers Zitat und mit Jaspers Zitat 2)

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(letzte Änderung 01.12.2019: abgelegt unter: Begriff, psychiatrischer Begriff, Definition, Diagnostik, Psyche, Psychiatrie, psychische Störung, Psychose, Schizophrenie, psychiatrische Diagnose, psychiatrische Wissenschaft)

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