Dr.med. Othmar Mäser, Psychiater Psychotherapie

Liebe

Die Liebe ist ein Zustand der besonderen Befindlichkeit.

Es ist die Liebe ein Zustand mit dem Gefühl der Verbundenheit, der Zuneigung der Freude.

Wenn die Liebe auf eine Person gerichtet ist, dann ist das Gefühl der  Sympathie dabei.

Die Liebe ist somit ein psychisches Phänomen.

Das Gegenteil von der Liebe ist der Hassder mit dem Gefühl der Abneigung einhergeht.

Man bemerkt plötzlich, dass Liebe da ist – oder man bemerkt, dass Liebe nicht mehr da ist.

Liebe ist ein Phänomen (griechisch: phenomenon – das was erscheint, das Erscheinende), also ein Phänomen das im Bewusstsein der Person, die es erlebt erscheint. Daher ist die Liebe ein psychisches Phänomen, weil es die Psyche betrifft.

Es stellt sich die Frage: was ist Liebe?

Wenn man mehrere Personen hört, dann sagt die eine Person: Wenn Du mich wirklich liebst, dann würdest du „das“ tun, aber das „andere“ nicht tun.

Eine andere Person formuliert ähnlich, aber nicht genau die gleichen Bedingungen.

Bei all diesen Formen bzw. Definitionen der Liebe handelt es sich um „bedingte Liebe„. Ich liebe dich wenn ….. Wenn Du mich wirklich liebst dann ….

Immer handelt es sich also in diesen Fällen um eine „bedingte Liebe“, oder man kann auch sagen um Liebe unter Bedingungen.

Es stellt sich nun die Frage: gibt es „unbedingte Liebe“? – und wenn es sie gibt, was zeichnet „unbedingte Liebe“ aus?

Unbedingte Liebe ist offenbar Liebe, die nicht durch solche Bedingungen „bedingt“ ist. Es handelt sich dabei offenbar um eine Form von Liebe, die keine äußere Ursache hat.

Also ist unbedingte Liebe wie eine „Quelle“, die sprudelt, es „gibt“ sie, aber sie „nimmt“ nicht, sie braucht nichts von außen. Sie erwartet nichts. Sie weiß nicht was mit dem geschieht was sie gibt – und sie kümmert sich auch nicht weiter darum, sie sprudelt bedingungslos. Manchmal sprudelt sie mehr, manchmal weniger.

Es gibt also „bedingte“ Liebe, die durch äußere Reize bzw. durch äußere Bedingungen angeregt wird und die auch in Folge von äußeren Gegebenheiten abhängig wieder vergeht, wohingegen die „unbedingte Liebe“ nicht in diesem Sinn von äußeren Bedingungen abhängig ist.

Liebe im herkömmlichen Sinn ist also bedingte Liebe, so wie sie in Abhängigkeit von äußeren Gegebenheiten in Erscheinung tritt und auch wieder vergeht.

Liebe ist offenbar in jedem Fall ein Resonanzphänomen. Im Fall der bedingten Liebe kommt das Resonanzphänomen durch Anregung von außen zustande, etwa durch Schönheit, durch sexuelle Reize, durch Freundlichkeit, durch Selbstlosigkeit und andere Erfahrungen, die eine positive Wirkung haben bzw. durch die individuelle Assoziation die Liebe und die Verliebtheit auslösen.

Im Fall der unbedingten Liebe findet sich keine äußere Anregung, sondern es entsteht das Phänomen aus dem Inneren – man kann also von einer „Auto-Resonanz“ sprechen, die aus dem eigenen Inneren entsteht.

Psychologisch betrachtet ist die Liebe ein besonderes Gefühl mit besonderen Empfindungen und besonderen Gedanken. Oder man kann auch sagen: psychologisch betrachtet ist die Liebe ein psychologisches Resonanzphänomen, insofern psychologische, individuelle Gegebenheiten die Liebe in einer Person erwecken und bestärken. Auf der Grundlage der individuellen Voraussetzungen erwecken gewisse Erfahrungen in dieser Person das Gefühl der Liebe. Die Sexualität und die sexuelle Neigung ist dabei von Bedeutung. Die Sexualität kann also ein mehr oder weniger starker Faktor sein, der dieses Resonanzphänomen auslöst und bestärkt und letztlich Liebe im Sinn der bedingten Liebe bewirkt.

Neuro-physiologisch betrachtet kann man ebenfalls sagen, dass Liebe ein Resonanzphänomen ist, und zwar beruht dieses Phänomen wahrscheinlich auf einem „Gleichklang“ bzw. auf einem „Gleich-Schwingen“ von neuronalen Strukturen, wie diese durch gewisse Reize und Informationen ausgelöst werden. Es sind durch diesen Gleichklang also gewisse neuronale Muster in Gang gekommen, die auf eine gewisse Art und Weise aktiv bzw. angeregt sind und zu einer gleichartigen neuronalen Funktion in zwei Individuuen führen, falls beide Personen verliebt sind.

Geistig betrachtet ist die Liebe ein Mysterium.

Es stellt sich nun noch die Frage: was ist „unbedingte Liebe“ und auf welcher Grundlage entsteht „unbedingte Liebe„?

Wer ist fähig zu „unbedingter Liebe„? Wer ist fähig zu einer Liebe, die ohne Bedingungen entsteht und besteht?

Offenbar eine Person, die selbst ohne Mangel ist, die keinen Bedarf an etwas von außen Hinzukommendem hat. Eine Person die nichts benötigt. Eine Person die nichts sucht. Also eine Person, die nichts begehrt, die nichts erwartet, die die „Fülle“ in sich hat und diese Fülle in sich spürt, unabhängig von äußeren Gegebenheiten.

Von einer Person, die solche Liebe in sich spürt, kann man ohne zu übertreiben sagen, dass sie die unbedingte Liebe als die wahre Liebe erlebt.

Weil diese Form der Liebe nur auf der Grundlage der inneren Fülle entsteht – ist einsichtig, dass diese Form der höchsten Liebe im Sinn der unbedingten Liebe relativ selten angetroffen wird, bzw. dass man als unvollkommener Mensch nur beschränkt zu dieser Liebe fähig ist.

Anders formuliert: Menschen, die diesen Grad an Vollkommenheit noch nicht erlangt haben, sind offenbar nur zu einer Form von mehr oder weniger bedingter Liebe fähig.

Damit wird deutlich, dass die Liebesfähigkeit, die Fähigkeit zu lieben nicht nur von dem abhängig ist, was man von Außen empfängt bzw. empfangen hat, sondern auch von dem, was im Inneren als Voraussetzung vorhanden ist und sich im Laufe des eigenen Lebens entwickelt hat. Man erkennt damit, dass die Fähigkeit zu lieben bzw. die Liebesfähigkeit etwas ist das in einer Person entsteht und sich entwickelt bzw. weiter entwickeln kann.

Mit anderen Worten: die Liebesfähigkeit ist nicht nur eine Gegebenheit, sondern Etwas das entwicklungsfähig ist.

Es gilt hier der Spruch von Karl Jaspers: „Der Mensch ist sich gegeben und aufgegeben„.

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(letzte Änderung 27.08.2019, abgelegt unter: Definition, Phänomen, psychologischer Begriff, Psyche, Psychologie, fühlen)

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