Dr.med. Othmar Mäser, Psychiater Psychotherapie

relativ

relativ ist was verhältnismäßig ist.

Etwas kann z. B. relativ gültig sein. Das heißt es kann dieses Wissen mehr oder weniger gültig sein.

Man kann auch sagen:

relativ gültig ist, was verhältnismäßig gültig ist.

Manches ist nur relativ gültig, anderes ist absolut gültig.

Wenn etwas nur relativ gültig ist, dann ist das erlangte Wissen beschränkt gültig, es handelt sich hierbei also um beschränktes Wissen.

Relatives Wissen ist daher nur mehr oder weniger gültig.

Man kann also in Bezug auf gewissen Sachverhalte nur relatives Wissen erlangen, das gleichzeitig auch beschränktes Wissen ist.

Eine Idee ist vorerst immer nur relativ gültig und man sollte sie daher nur relativistisch verwenden. (vgl. mit Kant Zitat 3a und Kant Zitat 4).

Nur falls die Erkenntnis auf der „Ebene der Objekte“ bzw. auf der Ebene der Fakten und damit auf aufgrund einer Tatsache überprüft werden kann, weil sich das erlangte Wissen auf ein real existentes Objekt bzw. auf ein demonstrierbares Objekt gründet, und daher von jeder Person gleich erkannt werden kann, nur dann ist die Erkenntnis objektiv gültig und damit allgemein gültig. Die Erkenntnis ist in diesem Fall objektiv gültig, weil die entscheidenden Kriterien nur durch das Objekt bestimmt sind und daher alle befassten Personen zum selben Ergebnis gelangen, weil hier das Wissen/die Erkenntnis auf der Übereinstimmung mit dem Objekt beruht. (vgl. mit Kant Zitat 9)

In der Medizin sind viele Erkenntnisse nur relativ gültig.

In der Psychiatrie (Psychologie und Psychotherapie) sind praktisch alle Erkenntnisse nur relativ in Bezug auf die angewandte Idee gültig, weil eine Vorstellung nur relativ im Verhältnis zu einer anderen Vorstellung gültig ist.

Wir gewinnen relatives Wissen durch den Bezug auf eine Idee. Wir gewinnen eine solche Erkenntnis durch den Vergleich der Ideen mit der philosophischen Methode der Dialektik. Oder wir gewinnen die Erkenntnis durch den Vergleich mit einer anderen Idee etwa durch den Vergleich mit einem Ideal. Das Ideal trifft auf den konkreten Fall mehr oder weniger zu – in diesem Sinne erlangen wir relatives Wissen.

Man kann auch sagen man gewinnt das Wissen in Bezug auf einen Typus der ein definiertes Ideal ist. (vgl. mit Jaspers Zitat)

Man sollte sich also der Beschränktheit des Wissens bewusst sein. Daher sollte man solches Wissen in der Schwebe halten – wie dies Karl Jaspers in Bezug auf psychologisches (psychiatrisches) Wissen gesagt hat. (vgl. mit Jaspers Zitat 2)

Nur wenn man sich der Beschränktheit des Wissens bewusst ist, dann wird man  das Wissen entsprechend kritisch und damit angemessen verwenden. Verkennt man den Sachverhalt und glaubt man absolut zu wissen, so verstrickt man sich in Widersprüche (Antinomien). (vgl. mit Jaspers Zitat und Kant Zitat 3)

Nur wenn man sich der Beschränktheit des Wissens bewusst ist, wird man die Begriffe entsprechend flexibel und relativistisch verwenden. Man wird in einem Fall einen Begriff wenn der Sachverhalt typisch ist gut begründet verwenden, in einem anderen Fall ist die Begründung nur fraglich möglich und wird man daher z.B. bei veränderter Situation unter Umständen den Begriff nicht mehr verwenden. Man wird jedenfalls die Aussage relativieren.

Man wird also die Begriffe in der Psychiatrie (Psychologie, Psychotherapie) entsprechend in der Schwebe halten (vgl. mit Jaspers Zitat 2) und relativistisch verwenden. (vgl. mit Kant Zitat 4)

Solches Wissen um die Dinge in der Psychiatrie (Psychologie und Psychotherapie) kann man als aufgeklärtesWissen bzw. als kritisches Wissen bezeichnen (vgl. mit Kant Zitat 11 zur Frage: Was ist Aufklärung?). Und eine Person die in diesem Sinn kritisch ist kann als eine im Sinn  der Aufklärung als aufgeklärte Person bezeichnet werden.

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(letzte Änderung 09.05.2020, abgelegt unter: philosophische Begriffe, Relativität, Diagnostik, Definition)

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