Dr.med. Othmar Mäser, Psychiater Psychotherapie

psychiatrische Klassifikation

Eine psychiatrische Klassifikation ist eine Klassifikation durch die die unterschiedlichen psychischen Störungen nach einem System geordnet in der psychiatrischen Diagnostik erfasst und dadurch klassifiziert werden.

Es werden die unterschiedlichen krankheitswertigen Erscheinungen der Psyche nämlich durch dieses System gemäß den (diagnostischen) Schemata der (diagnostischen) Ideen (vgl. mit Kant Zitat 7 und Jaspers Zitat) in unterschiedliche Klassen bzw. in unterschiedliche Kategorien eingeteilt.

Auf dieser Grundlage können die psychiatrischen Diagnosen gemäß den psychiatrischen Kategorien systematisch erfasst, und in weiterer Folge in der psychiatrischen Wissenschaft systematisch studiert werden.

Eine psychiatrische Klassifikation gliedert die psychischen Störungen also in unterschiedliche Klassen, die durch die (diagnostischen) Schemata der (diagnostischen) Ideen definiert sind. In den Worten von Karl Jaspers kann man sagen, dass die psychiatrischen Klassifikation die psychischen Störungen in unterschiedlich (definierte) Typen gliedert (vgl. mit Jaspers Zitat).

Demgemäß können die psychischen Störungen gemäß diesen Typen in der psychiatrischen Praxis und Klinik von Fachpersonen qualifiziert diagnostiziert und klassifiziert werden.

Man kann auch sagen: eine psychiatrische Klassifikation gliedert die psychischen Störungen in diagnostische Einheiten, die gemäß den systematischen Einheiten der (diagnostischen) Ideen (vgl. mit Kant Zitat 7) nach einer gegliederten Ordnung in der Diagnostik systematisch erfasst, und in der Klassifikation systematisch klassifiziert werden.

Dabei sind die psychiatrischen Diagnosen in Bezug auf ihre Grenzen auf der „Ebene der Ideen“  definierte Einheiten, die in Form der Begriffe der (diagnostischen) Ideen im Bewusstsein der erkennenden Fachperson (als systematische Einheiten) erscheinen, wenn diese die charakteristischen Merkmale der Idee durch den Begriff der (diagnostischen) Idee geistig auffasst (vgl. mit Kant Zitat 7).

Es definiert die psychiatrische Klassifikation also – auf der „Ebene der Ideen“ – die psychischen Störungen durch die psychiatrischen Kategorien  in ein System bestehend aus systematischen Einheiten.

Oder man kann auch sagen: die psychiatrische Klassifikation besteht aus einem System aus aufeinander abgestimmten systematischen Einheiten im Sinne von Immanuel Kant.

Ebenso kann man sagen: dass die psychiatrische Klassifikation durch die definierten psychiatrischen Kategorien die psychischen Störungen, in aufeinander abgestimmte phänomenologische Einheiten gliedert.

In der Psychiatrie werden durch die psychiatrischen Kategorien der psychiatrischen ICD-10 Klassifikation (oder durch die der DSM-5 Klassifikation) die phänomenologischen Einheiten des jeweiligen Systems festgelegt bzw. durch diese Kategorien in Bezug auf ihre Grenzen und Inhalte definiert und es kann daher ein Psychiater die einzelne psychische Störung und damit die zugehörige psychiatrische Diagnose durch das klinische Erscheinungsbild gemäß der angewandten psychiatrischen Klassifikation – man kann auch sagen: gemäß dem angewandten klassifikatorischen System – bestimmen.

Damit ermöglicht eine psychiatrische Klassifikation die Zergliederung der Vielfalt der krankheitswertigen Erscheinungen der Psyche nach einem auf der „Ebene der Ideen“ definierten System, einerseits in die charakteristischen psychopathologischen Phänomene – und andererseits in die charakteristischen psychischen Symptomenkomplexe.

Man kann auch sagen: die psychiatrische Klassifikation gliedert die krankheitswertigen Auffälligkeiten der Psyche nach einem definierten System in die unterschiedlichen klinischen Erscheinungsbilder der psychischen Störungen.

Eine Fachperson der Psychiatrie, somit ein Psychiater oder eine Psychiaterin erkennt also die typischen psychopathologischen Phänomene und die typischen psychischen Symptomenkomplexe der psychischen Störungen in der psychiatrischen Praxis oder in der psychiatrischen Klinik (und ebenso in der Forensischen Psychiatrie) gemäß dem jeweiligen klinischen Erscheinungsbild und dessen Verlauf, auf Grundlage der psychiatrischen Klassifikation und es können diese diagnostischen Einheiten sodann in der Wissenschaft  – nach diesem System geordnet – somit systematisch studiert werden.

Man erkennt als Fachperson also auf Grundlage der angewandten psychiatrischen Klassifikation die unterschiedlichen psychischen Störungen, und man kann in weiterer Folge in der psychiatrischen Wissenschaft die unterschiedlichen psychischen Störungen in vielerlei Hinsicht systematisch studieren.

Die psychiatrische Klassifikation bildet also die Struktur der psychiatrischen Nosologie; man kann auch sagen: die psychiatrische Klassifikation bildet das Zentrum der psychiatrischen Systematik. Und man kann berechtigt sagen, dass die in Verwendung befindliche psychiatrische Klassifikation die Struktur der Psychiatrie als empirische Wissenschaft bildet um dadurch die psychischen Störungen systematisch zu studieren.

Dabei sind in einer psychiatrischen Klassifikation die unterschiedlichen psychischen Störungen durch die verschieden definierten psychischen Symptomenkomplexe charakterisiert.

Es bilden also die einzelnen psychopathologischen Phänomene die charakteristischen Merkmale der jeweiligen psychischen Störung und es liefert somit die Phänomenologie bzw. die Psychopathologie die einzelnen Merkmale durch die die psychiatrische Klassifikation aufgebaut ist um dadurch die psychiatrischen Diagnosen zu bestimmen.

Erkenntnistheoretisch bzw. philosophisch betrachtet ist eine psychiatrische Klassifikation eine systematische Ordnung der diagnostischen Einheiten. Dabei ist diese gegliederte Ordnung auf Grundlage der klinischen Erfahrung und vernünftigen Überlegung, von in der Psychiatrie tätigen Fachleuten/Ärzten – auf der „Ebene ihrer Ideen“ – durch die Begriffe der Ideen – erkannt/entwickelt worden, insofern die unterschiedlich definierten systematischen Einheiten das Ganze und damit die Klassifikation bilden. Man kann auch sagen: eine Klassifikation der psychischen Störungen ist auf Grundlage der klinischen Erfahrung und auf Grundlage des fachlichen Verstandes und der (reinenVernunft (vgl. mit Kant Zitat 10) von Fachärzten der Psychiatrie durch ihre denkende Anschauung unter Führung von Ideen erkannt/entwickelt worden (vgl. mit dem Jaspers Zitat).

Diesen Sachverhalt hat der Psychiater und Philosoph Karl Jaspers auf Grundlage der Philosophie von Immanuel Kant realisiert, wenn er sinngemäß in seinem Buch „Allgemeine Psychopathologie“ (ab der 4. Auflage) schreibt, dass die psychischen Erscheinungen durch die Schemata der Ideen in Bezug auf (definierte) Typen erkannt werden, und dass diese methodischen Hilfsmittel – (Anmerkung: auf der „Ebene der Ideen“) – grenzenlos korrigierbar und verwandelbar sind (vgl. mit dem Jaspers Zitat).

Es können demgemäß in der Psychiatrie die psychischen Störungen gemäß verschiedenen definierten Gesichtspunkten und daher durch unterschiedliche Klassifikationen bestimmt werden.

Man kann auch sagen: es können in der Psychiatrie die unterschiedlichen psychischen Störungen gemäß den unterschiedlich definierten Typen in der Diagnostik erfasst, und in der Klassifikation klassifiziert werden, eben, weil diese diagnostischen Einheiten systematische Einheiten sind, die unter sich auf der „Ebene der Ideen“ je ein einheitliches System und damit ein Ganzes (Karl Jaspers) bilden (vgl. mit dem Jaspers Zitat).

Es können die unterschiedlichen psychischen Störungen also durch die psychiatrischen Diagnosen auf der „Ebene der Ideen“ durch die Begriffe der psychiatrisch-diagnostischen Ideen , die sämtlich bloße Ideen sind, subjektiv gültig von einer Fachperson erfasst und subjektiv gültig in der psychiatrischen Diagnostik bzw. in der angewandten psychiatrischen Klassifikation bestimmt werden. Dabei hat Jaspers zutreffend erkannt dass ich das Ganze als Idee nicht geradezu erkennen kann (vgl. mit dem Jaspers Zitat).

Man findet also dass ein solcher Begriff ein regulativer Begriff im Sinne von Immanuel Kant ist um dadurch die unterschiedlichen klinischen Erscheinungen der psychischen Störungen auf der „Ebene der Ideen“ durch dieses System zu „regeln“, weil eine solche diagnostische Einheit die systematische Einheit der Idee  ist, durch die der jeweilige psychische Sachverhalt erkannt werden kann,  falls die Fachperson die charakteristischen Merkmale der Idee durch das (diagnostische) Schema der (diagnostischen) Idee geistig auffasst (vgl. mit Kant Zitat 7).

Demgemäß kann man auch sagen: dass die psychiatrischen Kategorien (der angewandten psychiatrischen Klassifikation) es ermöglichen die Vielfalt der krankheitswertigen Erscheinungen der Psyche – auf Grundlage der Phänomenologie bzw. auf Grundlage der Psychopathologie durch dieses System (bestehend aus systematischen Einheiten) „geregelt“ zu erfassen, um letztlich den Zweck (vgl. mit Kant Zitat 2a zweiter Absatz) und damit den Nutzen zu erlangen bzw. die bestmöglich Therapie zu finden.

Im Gegensatz zur Psychiatrie werden in der Medizin die objektiv bestimmbaren körperlichen Krankheiten  und die objektiv bestimmbaren körperlichen gesundheitlichen Störungen auf Grundlage von objektiven Befunden in der medizinischen Diagnostik erfasst und in der medizinischen Klassifikation klassifiziert.

Es können in diesem Bereich der Heilkunde die objektiv bestimmbaren Krankheiten und gesundheitlichen Störung des Körpers also gemäß der Zugehörigkeit zu Gattungen erkannt und bestimmt werden, wohingegen dies in der Psychiatrie grundsätzlich nur in Bezug auf (definierte) Typen möglich ist.

Deswegen kann man in der Psychiatrie die psychischen Störungen unter verschiedenen Gesichtspunkten klassifizieren. Man kann die verschiedenen psychischen Störungen zum Beispiel so klassifizieren, wie sie in der psychiatrischen ICD-10 Klassifikation definiert worden sind, oder wie sie in der DSM-5 Klassifikation definiert worden sind, oder wie sie in einer sonstigen psychiatrischen Klassifikation definiert worden sind.

Man kann also die psychischen Störungen unter verschiedenen Gesichtspunkten (vgl. mit Jaspers Zitat 11) geistig auffassen und demgemäß unterschiedlich definieren – wie dies der Psychiater und Philosoph Karl Jaspers auf der Grundlage der Philosophie von Immanuel Kant erkannt hat, weil eine solche diagnostische Einheit eine auf der „Ebene der Ideen“ definierte phänomenologische Einheit ist.

So kann man z.B. die psychischen Störungen nicht nur nach den Gesichtspunkten der ICD-10 Klassifikation oder gemäß der DSM-5 Klassifikation gliedern, sondern man kann sie z.B. auch in die Psychosen gegenüber den nicht-psychosewertigen psychischen Störungen einteilen bzw. „gliedern“ und damit auf dieser Grundlage in 2 Klassen einteilen und gemäß diesen Gesichtspunkten systematisch erfassen.

Oder man kann sie unter anderen Gesichtspunkten bzw. unter anderen Sichtweisen systematisch gliedern und erfassen, so wie sie früher von Fachleuten in unterschiedlichen psychiatrischen Nosologien erfasst worden sind (genannt seien hier beispielsweise die von Wilhelm Giesinger oder Emil Kraepelin). Demgemäß haben sich in der Vorzeit in den verschiedenen Ländern unterschiedliche psychiatrische Klassifikationen etabliert.

In diesem Sinn kann man in der Psychiatrie die unterschiedlichen krankheitsewertigen psychischen Auffälligkeiten in Folge der jeweils anders definierten denkenden Anschauung (vgl. mit Jaspers Zitat) in die einzelnen unterschiedlichen psychopathologische Phänomene gliedern und dann in die unterschiedlich definierten psychischen Symptomenkomplexe.

Man kann in der Psychiatrie also auf Grundlage der Psychopathologie z.B. die abnormen psychischen Phänomene, in formale Denkstörungen, in inhaltliche Denkstörungen, in abnorme Gefühle und in weitere psychopathologische Phänomene einteilen/klassifizieren. Oder man kann die psychischen Störungen in die affektiven Störungen und in die kognitiven Störungen systematisch gliedern. Das bedeutet man kann die psychischen Störungen nach verschiedenen Gesichtspunkten gemäß der Dialektik klassifizieren und auf dieser Grundlage systematisch, das heißt je nach dem definierten System gemäß der psychiatrischen Systematik gliedern und in weiterer Folge auf dieser Grundlage in der psychiatrischen Wissenschaft systematisch studieren. (vgl. mit Jaspers Zitat 11)

Daher kann man berechtigt sagen, dass man die psychischen Störungen gemäß den psychiatrischen Ideen systematisch erfassen und je nach dem „so“ oder auch „anders“ klassifizieren und sodann in der psychiatrischen Wissenschaft systematisch studieren kann. An diesem durch die Erkenntnisbasis gegebenen Sachverhalt hat sich durch die Einführung der psychiatrischen ICD Klassifikation und der DSM Klassifikation nichts grundlegendes geändert.

Wie man sich sogleich überzeugt werden die psychischen Phänomene nach wie vor auf Grundlage von Vorstellungen, also auf Grundlage von Ideen erkannt, die im Bewusstsein der erkennenden Person in der Form der Begriffe der Ideen erscheinen (griechisch: phenomenon – das was erscheint, das Erscheinende).

Auf dieser Grundlage kann man die psychischen Erscheinungen gemäß den Begriffen dieser Ideen – die sämtlich systematische Einheiten sind – systematisch unterscheiden, gliedern und klassifizieren.

Eine Unterscheidung ist bei den psychischen Störungen – und damit bei den psychiatrischen Diagnosen – nicht auf Grundlage von körperlichen Fakten bzw. nicht auf Grundlage von körperlichen Befunden möglich, weil es sich bei psychischen Phänomenen um projektierte Einheiten handelt, die nur Grundlage von bloßen Ideen – oder man kann auch sagen – auf Grundlage von definierten psychiatrischen Konzepten erkannt werden können (vgl. mit Kant Zitat 7 und Kant Zitat 8).

Es handelt sich bei den psychiatrischen Einheiten also um ganz andere diagnostische Einheiten als bei den objektiv bestimmbaren medizinischen Einheiten, die auf der Grundlage von objektiven Befunden allgemein gültig bestimmbar sind. (vgl. mit Kant Zitat 7)

Dies hat der Psychiater und Philosoph Karl Jaspers erkannt (vgl. mit Jaspers Zitat), wohingegen der Psychiater Emil Kraepelin geglaubt hat, dass man gewisse psychische Störungen (psychische Krankheiten), etwa die Einheit Dementia praecox bald wird auf Grundlage von anatomischen Veränderungen in der Hirnrinde objektiv gültig diagnostizieren können, was bei vielen körperlichen Krankheiten schon zu seiner Zeit möglich war (vgl. mit Kraepelin Zitat 1). Diese Hoffnung von Emil Kraepelin sollte sich allerdings nicht erfüllen. Emil Kraepelin hat zwar den Unterschied zwischen den Erkenntnisobjekten bemerkt – aber er hat den Unterschied nicht richtig erkannt (vgl. mit Kraepelin Zitat 2 und Kraepelin Zitat 5). Dieser Sachverhalt wurde erst von Karl Jaspers auf Grundlage der Philosophie von Immanuel Kant richtig erkannt worden (vgl. mit Jaspers Zitat und mit Kant Zitat 7)

Wilhelm Griesinger hatte richtig erkannt, dass man die psychischen Krankheiten/psychischen Störungen dzt. nur nach der psychischen Anomalie einteilen bzw. klassifizieren kann (weiteres dazu in diesem Beitrag), andererseits hatte Griesinger – so wie Kraepelin – die Hoffnung, dass man eines Tages gewisse psychische Krankheiten auf Grundlage der anatomischen Veränderungen des Gehirns (vgl. mit Griesinger Zitat) wird allgemein gültig bestimmen können. Diese Hoffnung sollte sich allerdings nicht erfüllen und es bestätigen die Erfahrungen der psychiatrischen Wissenschaft und auch die der Biologischen Psychiatrie und Systemischen Neurowissenschaften mehr und mehr was Jaspers in seinem Buch „Allgemeine Psychopathologie“ geschrieben hat, nämlich, dass in der Psychiatrie die Idee der Krankheitseinheit sich niemals verwirklichen lässt  (vgl. mit Jaspers Zitat 6)

Auf Grundlage der psychiatrischen Nosologie von Wilhelm Griesinger wurde die 1. systematische psychiatrische Klassifikation im Deutschen Sprachraum geschaffen. Auf Grundlage dieser psychiatrischen Klassifikation konnte man die verschiedenen psychischen Störungen erstmals einer der drei Hauptgruppen bzw. ihren Untergruppen zuordnen und in weiterer Folge diese diagnostischen Einheiten systematisch studieren. (weiteres dazu in diesem Beitrag)

Es war damit also erstmals möglich, die psychischen Erscheinungen nach definierten Gesichtspunkten zu gliedern und in weiterer Folge systematisch zu studieren. (vgl. mit Jaspers Zitat 11)

Tatsächlich konnte man damals – und kann man auch heute psychische Störungen nur auf der Grundlage der psychischen Anomalie – also nur psychologisch bzw. nur psychopathologisch und damit nur phänomenologisch begründet unterscheiden und klassifizieren.

Aus Sicht der Erkenntnistheorie handelt es sich bei einer psychiatrischen Klassifikation um eine Einteilung der krankheitswertigen psychischen Erscheinungen auf Grundlage von psychiatrischen Ideen. Diese Ideen bzw. die Begriffe dieser Ideen bilden von einander geschiedene phänomenologische Einheiten, die sich auf der „Ebene der Ideen“ gegenseitig durch ihre Definitionen „regeln„. Man findet daher, dass diese Begriffe regulative Begriffe im Sinne von Immanuel Kant sind. Weil diese Einheiten nur auf der Grundlage einer Idee erkannt werden können, handelt es sich um systematische Einheiten (vgl. mit Kant Zitat 7) bzw. um die Begriffe von bloßen Ideen (vgl. mit Kant Zitat 8). Eine solche systematische Einheit wird also durch den Begriff der (bloßen) Idee erkannt indem die erkennende Person die charakteristischen Merkmale der Idee durch das Schema der Idee geistig auffasst (vgl. mit Kant Zitat 7).

Eine psychiatrische Kategorie innerhalb einer psychiatrischen Klassifikation ist also durch die Merkmale des Schemas der jeweiligen psychiatrisch-diagnostischen Idee bestimmt (vgl. mit Kant Zitat 7). In der Terminologie von Immanuel Kant kann man über die diagnostischen Einheiten in der Psychiatrie auch sagen, dass es sich hierbei um projektierte Einheiten handelt, die zweckmäßige Einheiten sind. Es sind diese Einheiten nämlich von in der Psychiatrie tätigen Ärzten auf der Grundlage ihrer klinischen Erfahrung und vernünftigen Überlegung auf der Ebene ihrer Vorstellungen als abgegrenzte phänomenologische Einheiten erkannt worden. Und es haben sich diese Einheiten in einem solchen System in der Regel hinreichend bewährt, wenn gleich es nicht möglich ist die einzelne Einheit am Probierstein der Erfahrung, also physisch – auf der „Ebene der Objekte“ – zu überprüfen und zu bestimmen (vgl. mit Kant Zitat 10). Vielmehr kann man eine solche systematische Einheit, die sich auf eine bloße Idee und damit auf ein Konzept gründet, nur jenseits der physis (= Natur) also nur meta-physisch somit nur auf der „Ebene der Ideen“ infolge der eigenen klinischen Kenntnis und Erfahrung und durch besonnene (vernünftige) Überlegung durch den eigenen (fachlichen) Verstand und die Vernunft erkennen. Daher kann man berechtigt sagen, dass es sich bei hinreichend bewährten (vgl. mit Kant Zitat 10) psychiatrischen Einheiten um Vernunfteinheiten im Sinne von Immanuel Kant handelt.

In diesem Sinn kann man also in der psychiatrischen Diagnostik und psychiatrischen Klassifikation durch das Schema der jeweiligen Idee die einzelnen charakteristischen Merkmale des psychischen Symptomenkomplexes durch das entsprechende psychiatrische Konzept bzw. unter der jeweiligen psychiatrischen Kategorie, die die Merkmale des Schemas der psychiatrisch-diagnostischen Idee aufzeigt, geistig erfassen. (vgl. mit Kant Zitat 7)

Wie man sich überzeugt handelt es sich bei den psychiatrischen Einheiten um Einheiten die durch psychiatrische Konzepte – man kann auch sagen: durch projektierte Einheiten erkannt werden, die auf die psychischen Auffälligkeiten projiziert werden.

Man kann auch sagen: es handelt sich dabei um diagnostische Einheiten die Ärzte in der Psychiatrie auf Grundlage ihrer klinischen Erfahrung und auf Grundlage ihrer denkenden Anschauung (vgl. mit Jaspers Zitat) erkannt und definiert haben (vgl. mit dem Bleuler Zitat als Beispiel und mit Kraepelin Zitat 4).

Da die diagnostischen Einheiten einer psychiatrischen Klassifikation nicht körperlich („physisch„) bestimmbar sind – sondern sie nur auf der Grundlage der psychischen Anomalie, also nur auf der „Ebene der Vorstellungen“ – (somit philosophisch gesprochen nur „meta-physisch„) – „bestimmbar“ sind – wie dies im Prinzip bereits Wilhelm Griesinger erkannt hat (vgl. mit Griesinger Zitat) – ist es erforderlich bzw. notwendig, dass diese Schemata und somit diese Kategorien auf der „Ebene der Ideen“ definiert werden (vgl. mit Kant Zitat 10).

Demgemäß werden in der Psychiatrie bzw. in der psychiatrischen Wissenschaft auf Expertenebene die „Grenzen“ der  psychiatrischen Kategorien per Konvention – also dogmatisch – definiert bzw. festgelegt.

Das heißt, die psychiatrischen Einheiten sind nicht „physisch“ bestimmt und nicht „physisch“ bestimmbar, sondern sie können nur jenseits der „physis“ also nur „meta-physisch“ bestimmt werden und sie müssen daher auf der „Ebene der Ideen“ in Bezug auf ihre Grenzen per Konvention definiert werden.

Diese Einheiten müssen also auf der Ebene der Vorstellungen per Konvention begrenzt und definiert werden (vgl. mit Kant Zitat 8) damit man mit der Hilfe dieser systematischen Einheiten die Vielfalt der psychischen Störungen nach einem System geordnet unterscheiden und systematisch in der psychiatrischen Diagnostik und psychiatrischen Klassifikation nach (definierten) Typen gegliedert erfassen und sodann in der psychiatrischen Klassifikation systematisch studieren kann (vgl. mit Jaspers Zitat).

Dabei hat man bekanntlich im Rahmen der Entwicklung der psychiatrischen Klassifikation die einzelnen Einheiten aufeinander abgestimmt, und man hat im Rahmen der Revisionen und der Operationalisierung die Grenzen der Einheiten im Bedarfsfall modifiziert, falls dies den Fachleuten zweckdienlich, also angebracht erschien.

Man kann auch sagen, dass die psychiatrischen Einheiten auf der Ebene der mentalen Erkenntnisobjekte definiert sind, wohingegen die objektiv bestimmbaren medizinischen Diagnosen auf der Ebene der physischen Erkenntnisobjekte bestimmt und bestimmbar sind und diese damit allgemein gültig bestimmbar sind. Es ist also bezüglich der objektivierbaren körperlichen Diagnosen keine Konvention – keine Dogmatik – erfordert – wie dies bei den psychiatrischen Diagnosen bzw. den psychiatrischen Kategorien einer psychiatrischen Klassifikation der Fall ist.

Es gibt also einen fundamentalen Unterschied in der Erkenntnisbasis zwischen den psychiatrischen Diagnosen und den objektiv bestimmbaren medizinischen Diagnosen (vgl. mit Kant Zitat 7).

Der Unterschied in der Erkenntnisbasis ist die Ursache dafür warum die psychischen Störungen nur auf Grundlage von Typen erfasst werden können, wohingegen die objektiv bestimmbaren medizinischen Diagnosen auf Grundlage von Gattungen erfasst und klassifiziert werden können – wie dies Karl Jaspers erkannt und unter Verweis auf die Ideenlehre von Kant (vgl. mit Jaspers Zitat 14) aufgezeigt hat.

Abschließend lässt sich also festhalten, dass man die psychiatrischen Diagnosen nur auf der „Ebene der Ideen“ und daher nur subjektiv gültig diagnostizieren und klassifizieren kann, wohingegen die objektiv bestimmbaren  medizinischen Diagnosen auf der „Ebene der Objekte“ – somit auf der Ebene der körperlichen Fakten allgemein gültig bestimmt und damit allgemein gültig überprüft werden können (vgl. mit Kant Zitat 7).

Dieser große Unterschied im Wissen hat für die Psychiatrie weitreichende Konsequenzen zur Folge.* (Weiteres dazu auf Poster 5: CLASSIFICATION IN PSYCHIATRY – APPROPRIATE USE OF THE DSM-IV AND ICD-10 CATEGORIES – TO AVOID CONFLICTS AND CONTRADICTIONS IN PRACTICE AND SCIENCE – AN INVESTIGATION IN THE LIGHT OF IMMANUEL KANT`S PHILOSOPHY)

In der Erkenntnisbasis findet sich also der Grund warum in der Psychiatrie diagnostische Probleme auftreten, wie sie in der Medizin nur in einem Teilbereich nämlich bei den syndromalen Diagnosen vorkommen.

Die mental definierte Basis der psychiatrischen Einheiten ist auch der Grund warum unterschiedliche psychiatrische Klassifikationen an verschiedenen Orten im Laufe der Zeit entstanden sind und auch heute noch zwei Klassifikationen, nämlich die psychiatrische ICD Klassifikation und die DSM Klassifikation, in der jeweils gültigen Version, nebeneinander gibt.*

Karl Jaspers hat darauf hingewiesen, dass man die psychischen Störungen unter verschiedenen Gesichtspunkten diagnostisch erfassen und studieren kann. (vgl. mit Jaspers Zitat 11 und den anderen Jaspers Zitaten)

Und es ist daher passend wenn Jaspers von methodischen Hilfsmittel spricht, die grenzenlos korrigierbar und verwandelbar sind, und man mit deren Hilfe sich dem Ganzen als Idee durch das Schema der Idee nur nähern kann. Ich kann als Psychiater das Ganze als Idee also nicht geradezu erkennen (vgl. mit Jaspers Zitat).

Es gilt für die Psychiatrie auch was bereits Wilhelm Griesinger geschrieben hat, dass die Übergänge der einzelnen Formen ineinander freilich wohl beachtet werden müssen (vgl. mit Griesinger Zitat).

Alle diese Konsequenzen ergeben sich aus der Basis des Wissens.

Und all dies hat zur Folge, dass man in der Psychiatrie auf Grundlage von Ideen nur subjektives Wissen erlangen kann das gleichzeitig beschränktes Wissen ist.

In der Psychiatrie muss man sich als Fachperson also damit abfinden, dass man die psychiatrischen Diagnosen auf Grundlage von Ideen im Kantischen Sinne (vgl. mit Jaspers Zitat 6) – (Anmerkung: womit Jaspers bloße Ideen meint ohne selbst diesen Begriff zu verwenden) –  unter der Führung von Ideen nur angenähert erkennen kann (vgl. mit Jaspers Zitat). Dies hat zur Folge dass dieses Wissen relativ gültig ist, und zwar relativ in Bezug auf den (definierten) Typus.

Daher sollte man eine psychiatrische Diagnose – bzw. überhaupt das Wissen in Psychiatrie, Psychologie und Psychotherapie – nur relativistisch verwenden (vgl. mit Kant Zitat 4)

Man kann in Psychiatrie (und ebenso in der Psychologie und Psychotherapie) kein allgemein gültiges Wissen erlangen. Die Tatsache, dass psychische Störungen nur auf der Grundlage von psychischen Erscheinungen (psychischen Phänomenen) erfasst werden können und nicht wie die objektiv bestimmbaren Diagnosen in der Medizin auf Grundlage von körperlichen physischen Befunden bzw. körperlichen Fakten hat weitreichende Konsequenzen zur Folge, die man in der psychiatrischen Lehre, Praxis und psychiatrischen Wissenschaft beachten und berücksichtigen sollte.

Im Ergebnis erkennt man, dass eine psychiatrische Klassifikation von großem Nutzen ist, wenn man die diagnostischen Einheiten richtig verwendet – auch wenn durch die psychiatrischen Kategorien nur angenähertes respektive beschränktes Wissen erlangt werden kann (vgl. mit Jaspers Zitat).

Es ist also ein solches System, das aus (definierten) Typen bzw. Schemata besteht von großem Nutzen, weil man damit die Vielfalt der krankheitswertigen psychischen Erscheinungen systematisch studieren kann – (Anmerkung: obwohl man die Ursache der einzelnen psychischen Störung gar nicht kennt) – und auf diesem Weg die bestmögliche Therapie für den konkreten Fall finden kann, auch wenn man das Ganze als Idee in irgend einem einzelnen Fall niemals (vgl. mit Jaspers Zitat 6) geradezu erkennen kann. (vgl. mit Jaspers Zitat)

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Hinweis:

Weiteres* zur der Klassifikation der psychischen Störungen in meinem Buch:

Diagnostik, Klassifikation und Systematik in Psychiatrie und Medizin

erschienen im April 2019 im Verlag tredition.

In Kapitel 19 wird in diesem Buch auf Grundlage der Philosophie von Immanuel Kant und der „Allgemeinen Psychopathologie“ von Karl Jaspers detailliert aufgezeigt, dass die Klassifikation der psychischen Störungen auf Ideen bzw. den Schemata der Ideen beruht.

Dabei ist das Kapitel:

19 Klassifikation in der Psychiatrie

in die nachfolgenden Abschnitte gegliedert:

19.1 Einleitung zur Klassifikation in der Psychiatrie – Rückblick in die Geschichte

19.2 Die psychiatrische Klassifikation der psychischen Störungen gründet sich auf systematische Einheiten

19.3 Die psychiatrische Klassifikation der psychischen Störungen gründet sich auf projektierte Einheiten

19.3.1 Die psychiatrischen Kategorien der psychiatrischen Klassifikation bilden auf der Ebene der Ideen ein definiertes System

19.4 Die psychiatrische Klassifikation der psychischen  Störungen beruht auf zweckmäßigen Einheiten

19.5 Die psychiatrische Klassifikation unterscheidet sich grundlegend von einem Teil der medizinischen Klassifikation

19.6 Die psychiatrische Klassifikation der psychischen Störungen gründet sich auf die psychische Anomalie

19.7 Die psychiatrische Klassifikation der psychischen Störungen ist dialektisch entstanden

19.8 In einer psychiatrischen Klassifikation bestimmen sich die psychiatrischen Kategorien durch ihre Definitionen gegenseitig

19.9 Im Rahmen der Revision der psychiatrischen Klassifikation wird durch die Operationalisierung die bestmögliche Abstimmung der psychiatrischen Kategorien angestrebt

19.10 Die unterschiedlichen Typen einer psychiatrischen Klassifikation sind durch die denkende Anschauung (Karl Jaspers) erkannt worden

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(letzte Änderung 27.12.2019, abgelegt unter: Definition, Diagnostik,  Heilkunde, Klassifikation, Psychiatrie, Systematik)

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