Dr.med. Othmar Mäser, Psychiater Psychotherapie

Entscheidung

Die Entscheidung ist das Urteil.

Dabei beruht die Entscheidung auf der Unterscheidung.

Man kann auch sagen: die Entscheidung ist das Urteil das die Person in Bezug auf den Sachverhalt durch das Abwägen ihrer Vorstellungen und Argumente getroffen hat.

In Bezug auf ein Rechtsverfahren kann man sagen, dass die Entscheidung (und damit das Urteil) durch die Würdigung der Beweismittel aufgrund der Gesetze zustande gekommen ist.

Dabei kann die Entscheidung spontan oder nach bewusster/reiflicher gründlicher Überlegung im Zustand der inneren und äußeren Freiheit – also auf Grundlage des freien Willens entstehen – oder sie kann unfrei sein, weil sie durch Einfluss/Ansage/Desinformation/Einflüsterung /Gehorsam/Hörigkeit etc. bestimmt ist.

Bei der freien Entscheidung vergleicht man durch die vernünftige Überlegung auf der Ebene der Ideen die unterschiedlichen Vorstellungen miteinander und gelangt durch die reifliche Überlegung zur treffenden Wahl. Man entscheidet in diesem Sinn also was in welchem Ausmaß angemessen bzw. aus subjektiver Sicht zutreffend ist.

Demgemäß sollte die freie Entscheidung wenn möglich erst nach reiflicher Überlegung getroffen werden.

Man fällt eine Entscheidung nach dem man den Sachverhalt durch kritische Überlegung und Prüfung der einzelnen Argumente untersucht hat.

In diesem Sinn sollte jede Meinung und Sichtweise geprüft werden bevor die Entscheidung getroffen wird.

Man fällt eine Entscheidung nach dem man die verschiedenen Argumente auf der Ebene der Vorstellungen gegeneinander dialektisch abgewogen hat. Immanuel Kant spricht daher vom Ponderieren der Ideen.

Man kann auch sagen, man fällt eine Entscheidung, nachdem man die verschiedenen Vorstellungen auf die geistige Waagschale gelegt hat und die Vorstellungen gegeneinander abgewogen hat – dann erst trifft man die Entscheidung.

Es leuchtet ein, dass man alle relevanten Argumente auf die geistige Waagschale legen und prüfen sollte, bevor man sich entscheidet.

Eine Entscheidung ist nur dann eine gereifte Entscheidung, wenn man alle relevanten Argumente ohne Hast geprüft hat und erst dann entschiedet hat was zutreffend ist.

Würde man eines der relevanten Argumente auslassen, oder vergessen, bzw. aus welchen Gründen auch immer nicht in Betracht ziehen – so erkennt man, dass man dann unter Umständen eine falsche Entscheidung treffen würde – eben, weil man dieses eine wesentliche Argument nicht berücksichtigt hat.

Bei Gericht nennt man die Argumente, die bei der Anwendung eines Gesetzes die Grundlage einer richterlichen Entscheidung bilden die Beweismittel. Es liegt auf der Hand, dass die wesentlichen Beweismittel von den Parteien vorgebracht werden müssen, damit diese in der richterlichen Entscheidung berücksichtigt werden können.

Natürlich kommt es vor, dass zu einer gewissen Zeitpunkt gewisse Informationen bzw. ein gewisses Wissen noch nicht vorhanden ist, und würde man daher zu einem späteren Zeitpunkt nicht mehr dieselbe Entscheidung treffen. Zur Zeit der Entscheidung kann es jedoch trotzdem die damals bestmögliche Entscheidung gewesen sein.

Man erkennt damit, dass manch eine Entscheidung auch vom Zeitpunkt abhängt zu dem sie gefällt wird.

Wenn neues Wissen hinzukommt, wird man unter Umständen eine andere Entscheidung treffen.

Dabei ist es häufig so, dass eine Entscheidung auf der Grundlage von subjektivem Wissen gefällt wird. Man kann viele Entscheidungen nicht auf der Grundlage von objektivem Wissen treffen. Man kann auch sagen, viele unserer Entscheidungen entstehen auf der Grundlage von subjektivem Wissen und es bildet dieses Wissen dann die Grundlage oder einen Teil der Grundlage der Entscheidung.

Erkenntnistheoretisch bzw. philosophisch betrachtet gründet sich eine Entscheidung auf den Vergleich von Ideen,  die auf der Ebene der Vorstellungen mit einander verglichen werden. Dabei kann es sein, dass sich die Ideen auf körperliche Erkenntnisobjekte beziehen, oder es kann sein, dass sich die Ideen auf Erkenntnisobjekte beziehen, die keinen direkten Bezug zu einem körperlichen Objekt haben. In diesem Fall handelt es sich bei der Idee um eine bloße Idee.

Wenn die Entscheidung auf der Grundlage von unterschiedlichen Fakten gefällt wird, dann ist die Entscheidung objektiv gültig, weil die Entscheidung in einem solchen Fall sich auf Kriterien gründet, die durch ein demonstrierbares Erkenntnisobjekt, etwa durch ein physisches Objekt oder durch eine Zahl oder einen binären Zustand bestimmt sind. (vgl. mit Kant Zitat 9)

Wenn die Entscheidung sich auf unterschiedliche Ideen gründet, die nicht direkt auf ein demonstrierbares Objekte zurückgeführt werden können, dann ist die Entscheidung nur subjektiv gültig, weil in einem solchen Fall die Entscheidung auch von Kriterien abhängt, die durch das Subjekt bestimmt sind (vgl. mit Kant Zitat 9).

In diesem Fall gelangt man zu Wissen vom Grad des Glaubens, wenn man subjektiv vom Sachverhalt überzeugt ist, oder zu Wissen vom  Grad einer Meinung wenn man sich nicht ganz sicher ist. Im Gegensatz dazu gelangt man auf der Grundlage von objektiv gültigen Tatsachen, also auf der Grundlage von Fakten zu Wissen vom Grad der Gewissheit. (vgl. mit Kant Zitat 9 und Kant Zitat 7)

Es werden also in den verschiedensten Bereichen des Wissens bzw. der Erkenntnis entweder subjektiv gültige oder objektiv gültige Entscheidungen getroffen. Man trifft z.B. in der Medizin, in den Naturwissenschaften (Physik, Chemie, Biochemie usf.), in der Mathematik häufig objektiv gültige Entscheidungen. Hingegen in der Psychiatrie (Psychologie und Psychotherapie) und in anderen Erkenntnisbereichen, etwa in der Rechtsprechung vielfach nur subjektiv gültige Entscheidungen, weil die Entscheidung auch vom erkennenden Subjekt und nicht nur von Fakten abhängig ist.

Neurophysiologisch betrachtet kann man sagen dass eine Entscheidung im auf der Ebene der zentralen Nervensystems, also auf der Ebene des Gehirns getroffen wird in dem wahrscheinlich unterschiedliche neuronale Muster miteinander verglichen werden und sodann entschieden wird was zutreffend ist. Man kann sich also  vorstellen dass auf der Ebene der neuronalen Aktivität gewisse Aktivitätszustände gegeneinander abgewogen werden und sodann vom Lebewesen entschieden wird was zutreffend ist. Auf dieser Grundlage werden offensichtlich auch von einem Tier auf der nonverbalen Ebene Entscheidungen getroffen, etwa ob das Tier flüchten soll oder nicht.

Neuro-zytologisch betrachtet kann man sagen, dass auf der Ebene der einzelnen Nervenzelle eine Entscheidung eingetreten ist, wenn gewisse aktivierende Impulse auf der Nervenzelloberfläche sich aufsummiert haben und ein gewisse Grenzwert bzw. ein gewisser Schwellwert erreicht worden ist und daher diese Nervenzelle ihrerseits ein Aktionspotential absetzt.

Man erkennt damit dass sowohl auf der geistigen Ebene wie auch auf der körperlichen Ebene eine Entscheidung schrittweise entsteht, wenn die Kriterien hinreichend erfüllt sind.

Man kann nämlich auf der geistigen Ebene bei sich selbst bzw. bei der Entstehung einer Entscheidung beobachten wie unter Umständen die Entscheidung kippt wenn weitere Faktoren dazu kommen bzw. ein einzelner Faktor gewichtiger wird und damit die andere Vorstellung bzw. die andere Idee zu überwiegen beginnt. Man erkennt damit dass auf der Ebene des Schemas der Idee also auf der Ebene der systematischen Einheit das Gewicht der Ideen gewogen wird und somit die Entscheidung entsteht.

Auf diese Art und Weise werden praktisch in allen Bereichen des Wissens Entscheidungen getroffen. Man fällt etwa in der Medizin, Psychologie, Psychiatrie, im Rechtswesen, in der Ökonomie, in der Wissenschaft und in der Praxis Entscheidungen auf der Grundlage von Ideen und auch auf der Grundlage von Fakten.

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(letzte Änderung 22.08.2019, abgelegt unter: denken, Entscheidung, philosophische Begriffe, Urteil)

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