Dr.med. Othmar Mäser, Psychiater Psychotherapie

Entscheidung unter Berücksichtigung der Prognose

In der Medizin und auch in der Psychiatrie trifft man eine Entscheidung unter  Berücksichtigung der Prognose.

Nicht selten wird in der Medizin und auch in der Psychiatrie eine Entscheidung allein auf der Grundlage der wissenschaftlich ermittelten Daten gefällt, wie diese im Rahmen der wissenschaftlichen Studien gewonnen worden sind.

Bevor man eine Entscheidung fällt sollte man sich allerdings dessen bewusst sein auf welchen Grundlagen man die Entscheidung fällt.

Man sollte bedenken, ob es klug ist nur ein Argument für die Entscheidung zu berücksichtigen, oder ob es nicht wichtig und wesentlich ist auch andere wichtige Kriterien zu berücksichtigen, nämlich solche, wie sie sich aus dem konkreten Sachverhalt also aus der ganz persönlichen Situation ergeben.

Für den konkreten Fall sind nämlich die wissenschaftlich ermittelten Leitlinien nur beschränkt und damit nur relativ gültig.

Man sollte sich also überlegen was man auf die geistige Waagschale legt bevor man sich entscheidet.

Man sollte eine weise Entscheidung fällen. Mit anderen Worten man sollte sich des guten alten Hausverstandes bedienen bevor man eine Entscheidung fällt.

Wenn zum Beispiel gemäß einer Studie bezüglich einer lebensbedrohlichen Krankheit festgestellt worden ist, dass die Mortalität bei Anwendung einer gewissen Behandlungsmethode um einen signifikanten Prozentsatz geringer ist, als wenn man keine Behandlung durchführt und man allein auf der Grundlage dieses Kriteriums – also allein auf der Grundlage dieses Arguments – sich für diese Behandlungsmethode entscheidet, so hat man dabei nicht berücksichtigt mit welchen Konsequenzen diese Behandlung verbunden ist.

Man sollte also genau prüfen und überlegen mit welchen Konsequenzen, die in Frage kommende Behandlung bzw. Behandlungsmethode verbunden ist –  und nicht nur allein bedenken, ob bei Anwendung dieser Behandlung statistisch gesehen die Mortalitätsrate um eine Spur geringer ist, oder die Überlebenszeit statistisch gesehen um ein paar Monate länger ist, im Vergleich zum Verlauf bei nicht behandelten Fällen.

Es könnte nämlich sein, dass die Behandlung als solche zwar gelingt, dass aber kein unerhebliches Risiko mit der Behandlung in dieser oder in jener Hinsicht (nicht nur in Hinblick auf die Mortalität) verbunden ist und so gesehen auch bei gelungener Behandlung schwerwiegende nachteilige Folgen eintreten – all dies sollte man im Hinblick auf das gesamte Risiko berücksichtigen.

Auch soll man bedenken dass nicht alle Behandlungswege und Methoden gleich gut dokumentiert und erforscht worden sind, auch aus kommerziellen Grunden. Damit will nur gesagt sein dass die best dokumentierte Behandlungsmethode noch nicht immer die tatsächlich erwiesener Maßen für den konkreten Fall beste Methode ist.

Näher betrachtet sollten also alle relevanten Überlegungen angestellt werden und letztlich all diese Argumente auf die geistige Waagschale gelegt werden, bevor man sich zu einer Behandlung mit schwer wiegenden Konsequenzen entschließt.

Für manch eine Person wird also nicht nur die statistisch zu erwartende Mortalitätsrate oder statistisch zu erwartende Lebensdauer zum wesentlichen Kriterium, sonder fragt sich manch eine Person bei welcher Vorgehensweise bzw. Entscheidung werde ich die beste Lebensqualität haben? Eine kritische Person wird also alle relevanten Aspekte und alle relevanten Kriterien berücksichtigen.

Man wird also der Natur nach allen möglichen Prinzipien der Einheit nachgehen – und erst sodann entscheiden was zu tun ist. (vgl. mit Kant Zitat 2).

Man sollte sich also die Entscheidung nicht abnehmen lassen, man sollte mündig sein, man sollte aufgeklärt sein. Die Wissenschaft kann einem die wesentliche Entscheidung nicht abnehmen. Niemand kann einem die wesentliche Entscheidung abnehmen, außer eine Person entscheidet sich dafür andere für sich entscheiden zu lassen, dann ist man allerdings nicht mündig. (vgl. mit Kant Zitat 11)

Es gibt also Fragen die die Wissenschaft nicht beantworten kann, sondern es ist die einzelne Person gefordert alle Argumente, die ihr wichtig sind auf die geistige Waagschale zu legen, um diese gegeneinander zu gewichten und um sodann zu entscheiden welcher Weg der (subjektiv) „richtige“ ist.

Es gibt hierbei keine objektiv richtige Entscheidung.

Man erkennt also, dass die Hilfestellung von Seiten der Wissenschaft zur Entscheidungsfindung beschränkt ist.

Die Wissenschaft kann nur einzelne Argumente liefern. Sie kann nur zu bestimmten Fragestellungen Studien durchführen und als Folge dieser Studien Argumente liefern.

Die letztendliche Entscheidung bzw. die Verwertung aller Argumente und die Berücksichtigung all dieser Argumente auf der geistigen Waagschale kann nur die Person treffen, bei der die Entscheidung ansteht. Es sei denn sie gibt die Entscheidung ab und lässt andere für sich entscheiden. Oder sie ist unter Umständen krankheitsbedingt nicht mehr in der Lage selbst zu entscheiden.

Um es also nochmals zu sagen: Die Wissenschaft kann durch die Ergebnisse der Studien nur gewisse Argumente liefern – mehr kann sie nicht!

Wenn für eine Person über diese angebotenen Argumente hinaus auch noch andere Argumente wichtig sind, nämlich solche, die eventuell gar nicht wissenschaftlich erforscht worden sind – aus welchen Gründen auch immer – die aber trotzdem von elementarer Bedeutung sind, dann wird man nicht leichtfertig sich einer angebotenen Argumentation anschließen, sondern wird man in diesem Fall die persönliche Freiheit nützen und angesichts der Freiheit und der Verantwortung die persönliche Entscheidung treffen (vgl. mit Kant Zitat 2 und Kant Zitat 3) denn mit einem Risiko ist jede Entscheidung verbunden, insbesondere wenn es um eine Behandlung mit weitreichenden Konsequenzen geht. (vgl. mit Kant Zitat 11)

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(Beitrag in Arbeit, letztes update 19.2.2013, abgel. unter Entscheidung, Prognose, Relativität)

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