Dr.med. Othmar Mäser, Psychiater Psychotherapie

systematische Einheit

Eine systematische Einheit ist die Einheit einer Idee (vgl. mit Kant Zitat 7).

Es ist die systematische Einheit nämlich der Begriff der Idee, der als Gegenstand in der Idee im Bewusstsein der erkennenden Person erscheint, falls diese die Merkmale der Idee durch das Schema der Idee geistig auffasst (vgl. mit Kant Zitat 7).

Man findet, dass die systematische Einheit der Idee entweder der Begriff eines Erkenntnisobjekts ist das ich physisch auf der „Ebene der Objekte“ bestimmen kann (vgl. mit Kant Zitat 7).

Oder es ist die systematische Einheit der Idee der Begriff eines Erkenntnisobjekts das ich nicht physisch, sondern nur jenseits der physis (= Natur) – also nur meta-physisch – bestimmen kann.

In diesem Fall kann ich die systematische Einheit der Idee also nur auf der „Ebene der Ideen“ bestimmen, das heißt ich kann sie nur mental bzw. nur geistig erkennen/“begreifen“/denken/erfassen/mir vorstellen/definieren usf., wohingegen ich den Begriff im zuvor genannten Fall auf ein Objekt bzw. auf ein Faktum zurückführen und daher als faktische Einheit erkennen und bestimmen kann.

Falls ich die systematische Einheit also nicht auf ein Objekt oder ein Faktum zurückführen und auf der „Ebene der Objekte“ bestimmen kann, dann ist dies die systematische Einheit eines Systems das auf der „Ebene der Ideen“ in Relation zu anderen gleichartigen (systematischen) Einheiten – nämlich zu den Begriffen dieses Systems – definiert ist (vgl. mit Kant Zitat 8).

So bilden etwa die psychologischen Begriffe einer Sprache ein System bestehend aus gleichartigen systematischen Einheiten, insofern diese diagnostischen Einheiten sich auf der „Ebene der Ideen“ durch ihre Relationen gegenseitig definieren (vgl. mit Kant Zitat 4).

Ebenso kann man bezüglich einer systematischen Einheit sagen, dass dies die Einheit eines Systems ist, die den Zusammenhang der gleichartigen Glieder eines Ganzen auf eine gewisse Art und Weise aufzeigt.  Daher kann man den Zusammenhang durch diese systematische Einheit verstehen und erklären.

Durch die systematische Einheit wird also der Zusammenhang der Glieder erkannt (in der Diagnostik etwa der Zusammenhang der Merkmale einer diagnostischen Einheit). Oder es wird durch die systematische Einheit (der Idee) bzw. durch den Begriff der Idee der Zusammenhang der einzelnen Argumente und damit der Sinn der Argumentation erkannt.

Oder es wird durch den sinnvollen (sinnhaften) Zusammenhang der systematischen Einheit der Idee etwa der Sinn einer Theorie erkannt.

Oder es bilden die Glieder der systematischen Einheit (der Idee) durch ihren Zusammenhang ein neues Konzept das dem Ganzen z. B. einen erweiterten Sinn gibt.

Oder es wird durch die systematische Einheit die sinnvolle Kausalitätskette bei einem Sachverhalt erkannt.

Und es schreibt Karl Jaspers sinngemäß: wir erkennen wie mit einem Schlage – weil wir in diesem Moment den Zusammenhang als Ganzes (als Ganzheit) und damit als Einheit im Sinn einer systematischen Einheit erkennen.

Diesbezüglich haben die Griechen den Begriff Heureka geprägt.

εὕρηκα altgriechisch „Ich habe [es] gefunden“.

Man kann daher auch sagen:

Die systematische Einheit ist also die Einheit, die infolge dieses geordneten, weil systematischen Zusammenhangs in der Form des Begriffs der Idee im Bewusstsein der erkennenden Person als Gegenstand in der Idee erscheint (vgl. mit Kant Zitat 7).

Weil man den Zusammenhang auf der Ebene der Ideen nur durch den Begriff der Idee bzw. nur angenähert durch das Schema der Idee erkennen und in der Diagnostik bestimmen kann, ist diese systematische Einheit die Einheit der Idee  (vgl. mit Kant Zitat 7).

Man erkennt daher die systematische Einheit der Idee – etwa in der Diagnostik – durch die Synthese in Verbindung mit der Analyse und auf diesem Weg auch die Merkmale die das Schema der Idee definieren.

Man kann daher in einem solchen Fall auch sagen: Das Schema der Idee zeigt die Merkmale der Kategorie, die diese Einheit charakterisieren. Und man kann daher etwa in der Diagnostik das Ganze als Einheit durch diese systematische Einheit erkennen und dadurch die Zugehörigkeit zu einem Typus subjektiv gültig bestimmen.

Das Schema der Idee zeigt also die Merkmale der systematischen Einheit (vgl. mit Kant Zitat 7) und daher die Merkmale der Kategorie, die diese Einheit charakterisieren, falls sie sich auf einen definierten Typus bezieht.

Oder es zeigt in einem anderen Fall das Schema der Idee die Merkmale der Gattung und es wird hier die Zugehörigkeit zu dieser diagnostischen Einheit durch diesen Gegenstand schlechthin erkannt weil es sich hier um ein tatsächlich Erkenntnisobjekt handelt das man allgemein gültig durch die spezifischen Merkmale dieses Objekts bestimmen kann.

Durch dieses Schema kann also die erkennende Person die charakteristischen oder die spezifischen Merkmale der Idee bzw. der diagnostischen Einheit geistig erfassen (vgl. mit Kant Zitat 7) und dadurch dieses Erkenntnisobjekt erkennen.

Schließlich kann man auch sagen:

Der Begriff der Idee ist die systematische Einheit durch den ich die Merkmale der Idee — in Bezug auf dieses Erkenntnisobjekt – geistig auffassen kann  (vgl. mit Kant Zitat 7).

Weil eine systematische Einheit mit anderen gleichartigen systematischen Einheiten auf der Ebene der Ideen ein definiertes System bildet, hat Immanuel Kant eine solche Einheit, falls sie nicht auf ein Objekt zurückgeführt und auf dieser Grundlage als Gegenstand schlechthin bestimmt werden kann, treffend als systematische Einheit bezeichnet (vgl. mit Kant Zitat 7).

Es der erkennenden Person also die systematische Einheit als Gegenstand in der Idee gegeben (vgl. mit Kant Zitat 7).

Und es kann daher eine solche Einheit auf der Grundlage ihrer Merkmale auf der Ebene der Ideen in einem System bzw. auf der Grundlage einer Systematik erkannt werden.

In einem solchen Fall handelt es sich bei der systematischen Einheit um eine ideologische Einheit und es ist in einem solchen Fall die systematische Einheit eine zweckmäßige Einheit (vgl. mit Kant Zitat 3a).

Man kann auch sagen:

In einem solchen Fall ist die systematische Einheit eine projektierte Einheit (vgl. mit Kant Zitat 5).

Schließlich kann man in einem solchen Fall auch sagen: es diese Einheit eine Vernunfteinheit.

Es handelt sich also in einem solchen Fall um eine nur problematisch zum Grund gelegte Einheit (vgl. mit Kant Zitat 8), die durch den hypothetischen Vernunftgebrauch erkannt worden ist (vgl. mit Kant Zitat 5).

Und schließlich kann man in gewissen Fällen auch sagen, dass es sich bei dieser systematischen Einheit um den Begriff einer transzendentalen Idee handelt (vgl. mit Kant Zitat 8a) der sich auf ein transzendentes Erkenntnisobjekt bezieht.

Eine systematische Einheit ist also eine ganz andere Einheit als eine demonstrierbare Einheit bzw. als eine real existente Einheit, die man als faktische Einheit bezeichnen kann, und die man auf der Ebene der Objekte bzw. auf der Ebene der Fakten objektiv gültig und damit allgemein gültig bestimmen kann. (vgl. mit Kant Zitat 7)

Durch die Zergliederung der systematischen Einheit gelangt man zu den Merkmalen der Idee.

Eine systematische Einheit wird durch die Abstraktion erkannt.

Eine systematische Einheit ist uns in unserem Bewusstsein vorerst nur als Gegenstand in der Idee gegeben, wohingegen eine demonstrierbare Einheit uns als Gegenstand schlechthin gegeben ist. (vgl. mit Kant Zitat 7)

Eine systematische Einheit kann man nur subjektiv evident erkennen, wohingegen eine Einheit, die uns als Gegenstand schlechthin gegeben ist und die uns daher als faktische Einheit gegeben ist objektiv evident erkennen kann.

Wenn man eine systematische Einheit nicht auf ein Objekt zurückführen kann und auf dieser Grundlage allgemein gültig bestimmen kann, dann muss diese Einheit auf der Ebene der Ideen definiert werden und es ist daher eine solche Einheit eine systematische Einheit eines Systems von gleichartigen systematischen Einheiten.

Man muss also unterscheiden, ob sich eine Idee auf ein Erkenntnisobjekt bezieht das man auf der Ebene der Objekte bestimmen kann (z.B. eine medizinischen Verdachtsdiagnose, die man auf der Ebene der Objekte überprüfen kann, womit man die Idee und damit in diesem Fall die systematische Einheit auf ein Objekt zurückführen und auf dieser Grundlage bestimmen kann und diese Einheit dann ein Objekt bzw. das Merkmal eines Objekts ist.  (vgl. mit Kant Zitat 7)

Oder es handelt sich bei einer Einheit um eine systematische Einheit, die man nur auf der Ebene der Vorstellungen bzw. nur auf der Ebene der Ideen erkennen und bestimmen kann. Dies ist z.B. bei einer psychiatrischen Diagnose und auch bei einer psychiatrischen Verdachtsdiagnose der Fall, weil man eine solche Einheit bzw. eine solche Diagnose nur auf der Ebene der Ideen erkennen und auch nur auf dieser Ebene überprüfen kann. In einem solchen Fall handelt es sich also um eine aus der Erfahrung abgeleitete Idee, die sich zwar hinreichend bewährt hat, die man jedoch nicht am Probierstein der Erfahrung prüfen bzw. überprüfen kann (vgl. mit Kant Zitat 10) und wie man sich überzeugt handelt es sich dabei um eine ideologische Einheit.

Dies trifft z.B. für den Begriff einer psychiatrischen Idee zu; und es trifft dies auch für den Begriff einer psychologischen Idee zu. Es sind dies also lauter systematische Einheiten (vgl. mit Kant Zitat 7). In diesem Fall handelt es sich bei der systematischen Einheit um das Schema einer bloßen Idee. Eine solche systematische Einheit ist eine auf der Ebene der Ideen definierte Einheit. Man kann eine solche systematische Einheit bzw. eine solche Idee nur durch den Vergleich mit anderen Ideen erkennen und etwa in der Diagnostik bestimmen.

So wird zum Beispiel in der Psychologie auf der Ebene der Ideen erkannt, ob eine Person „glücklich“ oder „traurig“ ist. Oder es wird in der Psychiatrie auf der Ebene der Ideen durch den Vergleich von Ideen erkannt, ob eine Person „depressiv“ ist.  Diese Einheiten sind systematische Einheiten, da diese Einheiten in ihrer Gesamtheit mit anderen gleichartigen Einheiten ein System bilden und die einzelne Einheit in Bezug auf ihr Zutreffen nur innerhalb dieses Systems erkannt werden kann. Dies ist zum Beispiel bei einer psychischen Störung der Fall, die als psychiatrische Einheit innerhalb einer psychiatrischen Klassifikation erkannt wird. Oder es ist dies bei den psychologischen Begriffen in einer Sprache der Fall, wo die einzelnen psychologischen Begriffe im Laufe der Zeit durch ihre situationsbezogene Verwendung und damit durch die gegenseitige „Abstimmung“ implizit definiert worden sind und sich damit ihr Bedeutungsgehalt herausgebildet hat. Im Übrigen hat man auch im Rahmen der Operationalisierung der psychiatrischen Klassifikationen, der ICD-Klassifikation und der DSM Klassifikation, auf diese Art und Weise die psychiatrischen Einheiten systematisch aufeinander in Bezug auf ihre Grenzen abgestimmt und es bilden daher solche aufeinander abgestimmte Einheiten eine „operationalisierte Klassifikation„, die aus lauter definierten systematischen Einheiten besteht. Es sind also die psychiatrischen Kategorien der operationalisierten psychiatrischen Klassifikation die operationalisierten Schemata der psychiatrisch-diagnostischen Ideen dieser Klassifikation. (vgl. mit Kant Zitat 7)

Viele Begriffe  die wir im Alltag verwenden sind systematische Einheiten. Eine systematische Einheit kann implizit definiert sein, oder sie kann explizit definiert sein. So sind z.B. die Begriffe der psychologischen Ideen: „glücklich“, „traurig“, „fröhlich“, „ängstlich“ usf. implizit durch den täglichen Sprachgebrauch definierte systematische Einheiten. Im Gegensatz dazu ist z.B. die psychiatrische Diagnose „mittelgradig depressiv“ – bzw. „mittelgradige depressive Episode“ F.32.1 eine diagnostische Einheit, die in der prsychiatrischen ICD-10 Klassifikation durch eine Expertenkommission in Bezug ihre Grenzen explizit definiert worden ist. Mit anderen Worten die psychiatrische Kategorie dieser diagnostischen Einheit, die eine systematischen Einheit ist, ist durch eine Expertenkommission in Bezug auf ihre Grenzen im Rahmen der Operationalisierung definiert und damit festgelegt worden.

Eine systematischen Einheit ist also eine Einheit, die auf der Ebene der Vorstellungen (implizit oder explizit) definiert ist. Im Gegensatz dazu ist die Einheit eines Objekt keine systematische Einheit sondern eine faktische Einheit. Die Einheit eines Objekts besteht bzw. existiert für sich selbst, sie besteht also nicht in Abhängigkeit von anderen Einheiten, die gemäß einem System in gegenseitiger Abhängigkeit definiert worden sind, wie dies etwa bei den psychologischen Begriffen der Fall ist, oder wie dies bei den psychiatrischen Kategorien bzw. den psychiatrisch-diagnostischen Einheiten der Fall ist, die innerhalb einer psychiatrischen Klassifikation definiert worden sind.

Neben diesen systematischen Einheiten in der Psychologie und Psychiatrie gibt es auch noch viele andere systematische Einheiten.  So sind etwa die verschiedenen Rechtsnormen (Gesetze) solche systematische Einheiten, die ebenfalls gemäß einer Konvention definiert und aufeinander abgestimmt worden sind.

Eine systematische Einheit wird also durch den Begriff der jeweiligen Idee erfasst (vgl. mit Kant Zitat 7) und es ist der Begriff einer systematischen Einheit im Fall der Einheit einer bloßen Idee ein regulativer Begriff wenn er sich auf eine projektierte Einheit bezieht. Oder es handelt sich ansonsten bei einer systematischen Einheit um eine aus der Erfahrung abgeleitete Idee, die nicht auf der Ebene der Objekte bestimmt und überprüft werden kann.

Es wird also eine systematische Einheit von Immanuel Kant so bezeichnet, weil der Begriff einer solchen Idee auf der Ebene der Ideen in einem System erfasst wird bzw. der Begriff der Einheit innerhalb einer Systematik (implizit oder explizit) definiert ist.

In den verschiedenen Gebieten des Wissens und der Wissenschaften gibt es die verschiedensten systematischen Einheiten.

Erkenntnistheoretisch bzw. philosophisch betrachtet ist also eine systematische Einheit der Begriff einer Idee (vgl. mit Kant Zitat 7). Und es ist in gewissen Fällen dieser Begriff der Begriff einer bloßen Idee (vgl. mit Kant Zitat 8). Weil man eine solche Idee grundsätzlich nicht auf der Ebene der Objekte bestimmen kann, sollte man die daraus resultierenden Konsequenzen im Hinblick auf dieses Wissen bzw. im Hinblick auf diese Erkenntnis beachten. Man sollte also insbesondere beachten, dass es sich dabei um beschränktes Wissen handelt. (vgl. mit Kant Zitat 3a)

Neurobiologisch betrachtet ist eine systematische Einheit eine Einheit, die durch den individuellen integrativen mentalen Prozess im Nervensystem des erkennenden Lebewesens als Folge der neuronalen Funktion entsteht.

Weil auch ein Tier z.B. ein anderes Tier der selben Gattung oder sonst ein Lebenwesen, etwa unter Umständen einen Menschen als solchen erkennen bzw. wieder erkennen kann, kann man berechtigt sagen, dass auch dieses Tier zu einer derartigen integrativen Leistung im Sinn einer Integration bis zu einem gewissen Grad fähig ist und es daher eine systematische Einheit durch die in ihm vorhandenen funktionellen „Analysatoren“ und „Integratoren“ bilden kann.

Systematische Einheiten in der Medizin

In der Medizin ist z.B. die diagnostische Einheit: „Migräne“ eine systematische Einheit, wohingegen die diagnostische Einheit: „Herzinfarkt“ keine systematische Einheit ist. Die Einheit bzw. die Diagnose Migräne ist auf der Ebene der Vorstellungen durch einen charakteristischen Symptomenkomplex definiert, und es wird die Diagnose „Migräne“ auf der Grundlage dieser systematischen Einheit erkannt. Im Gegensatz dazu wird die diagnostische Einheit bzw. die Diagnose „Herzinfarkt“ primär zwar auch in der Form eines Symptomenkomplexes durch den Begriff einer Idee erkannt dann aber durch das Vorliegen eines objektiven Enzymbefundes und eventuell auch durch andere objektive körperliche Befunde diagnostisch allgemein gültig bestimmt (vgl. mit Kant Zitat 7). Es wird zwar auch im Fall des Verdachts auf einen Herzinfarkt ein vorerst unklarer Brustschmerz, verbunden mit Schwäche, Schwitzen und relativer Atemnot als Symptomenkomplex im Sinn einer Verdachtsdiagnose als systematische Einheit erfasst. Wenn sich im weiteren durch die objektiven Befunde jedoch herausstellt, dass die Diagnose „Herzinfark“ zutreffend ist, dann ersetzt die objektiv bestimmbare diagnostische Einheit „Herzinfarkt“ die systematische Einheit.

Es gibt in der Medizin also systematische Einheiten, die letztlich in objektive Diagnosen übergeführt werden können bzw. wird nach der diagnostischen Abklärung die vorläufige Verdachtsdiagnose, die eine systematisch Einheit ist, durch eine objektiv bestimmte Einheit abgelöst. Daneben gibt es in der Medizin allerdings eine große Anzahl von systematischen Einheiten, die nicht objektiviert werden können und die daher lediglich in der Form der Begriffe von nicht physisch überprüfbaren Ideen erkannt werden können.

Weitere nicht-objektivierbare Diagnosen dieser Art sind die Diagnosen: Spannungskopfschmerz,  Vegetative Dystonie, Fibromyalgie, Somatoforme-Schmerzstörung und sonstige funktionelle Diagnosen die nicht auf der Ebene der Objekte allgemein gültig überprüft werden können, weil sie sich auf einen nicht-objektiverbaren Symptomenkomplex gründen.

Weil eine systematische Einheit auf der Ebene der Vorstellungen definiert ist, kann eine solche Einheit nicht „physisch“ bestimmt werden, sondern man kann sie nur auf der Ebene der Vorstellungen – also nur auf der Ebene der Ideen – durch den Vergleich von Ideen erkennen und auf dieser Grundlage entscheiden, ob eine solche Einheit auf einen Sachverhalt zutrifft. Es kann eine solche systematische Einheit also nicht am Probierstein der Erfahrung geprüft bzw. überprüft werden. (vgl. mit Kant Zitat 10)

Daher ist eine solche Einheit der Begriff einer bloße Idee (vgl. mit Kant Zitat 8) im Sinn von Immanuel Kant und es ist daher der Begriff einer solchen systematischen Einheit ein regulativer Begriff.

Es ist also ein nicht objektivierbarer Symptomenkomplex in der Medizin (Neurologie, Gynäkologie, Orthopädie usf.) eine systematische Einheit. Oder ein psychischer Symptomenkomplex in der Psychiatrie ist ebenfalls eine systematische Einheit.

Systematische Einheiten in der Psychiatrie

In der Psychiatrie wird z. B. die diagnostische Einheit Schizophrenie durch den Begriff der Idee erkannt der eine systematische Einheit ist (vgl. mit Kant Zitat 7). Es werden also die charakteristischen Merkmale dieser diagnostischen Einheit durch den Begriff der Idee erfasst der eine systematische Einheit ist. Man kann auch sagen, dass der charakteristische psychische Symptomenkomplex durch eine systematische Einheit geistig erfasst wird. Auf dieser Grundlage hat der Psychiater Eugen Bleuler diese psychische Störung erkannt, die er als Schizophrenie bezeichnet hat. (vgl. mit Bleuler Zitat)

In der Psychiatrie, Psychologie und Psychotherapie sind die diagnostischen Einheiten und auch sonstige Einheiten, etwa die Einheiten der psychologischen Phänomene und der psychopathologischen Phänomene ebenfalls systematische Einheiten (vgl. mit Kant Zitat 7 und mit Kant Zitat 8). Bemerkenswert ist, dass z.B. eine psychiatrisch-diagnostische Einheit nicht nur durch Kriterien definiert ist, die aus der persönlichen Untersuchung der betroffenen Person abgeleitet werden, sondern, dass in der Psychiatrie oftmals wesentliche Kriterien für eine psychiatrische Diagnose sich aus den außenanamnestischen Befunden ergeben, also z.B. aus den Angaben von Angehörigen, Pflegepersonen oder sonstigen Personen, die das Verhalten und Reagieren der betroffenen Person beobachtet haben. Es werden also in der Psychiatrie z.B. bei der Beurteilung, ob z.B. eine Demenz vorliegt, oder, ob sonst eine Psychose oder eine krankheitswertige psychische Störung vorliegt, diagnostische Kriterien verwendet, die nicht nur aus der direkten Untersuchung der betroffenen Person stammen, sondern, die auch aus anderen Quellen stammen und letztlich wesentliche Kriterien dieser systematischen Einheit sind. Dies ist so, weil es sich bei einer psychiatrischen Diagnose um die Einheit einer psychiatrischen Idee handelt, unter der die verschiedenen Kriterien durch den Bezug auf das Schema dieser Idee, nämlich durch den Bezug auf die psychiatrische Kategorie, die das Schema dieser diagnostischen Idee ist, aufgefasst werden (vgl. mit Kant Zitat 7). Insofern unterscheidet sich eine solche diagnostische Einheit in der Psychiatrie wesentlich von einer allgemein gültig bestimmbaren diagnostischen Einheit in der Medizin, die auf der Grundlage eines allgemein gültigen körperlichen Befundes objektiv gültig festgestellt wird.  (vgl. mit Kant Zitat 7)

Solche systematische Einheiten sind also durch die jeweiligen Ideen definiert und es werden gesundheitliche Störungen unter diesen systematischen Einheiten diagnostisch erfasst, wenn der jeweils vorgefundene Symptomenkomplex dem Schema der jeweiligen Idee, also der Kategorie der jeweiligen Idee hinreichend entspricht. (vgl. mit Kant Zitat 7)

In der Psychiatrie kann man mit Hilfe solcher Einheiten die Vielfalt der krankheitswertigen psychischen Erscheinungen systematisch das heißt nach einem gewissen System gemäß einer gewissen Ordnung erfassen. Man kann damit also die Vielfalt der krankheitswertigen psychischen Erscheinungen auf der Grundlage der unterschiedlichen psychischen Phänomene und psychischen Symptome nach verschiedenen Gesichtspunkten erfassen. (vgl. mit Jaspers Zitat 11)

In gleicher Weise kann man in der Medizin die systematischen Einheiten, die sich lediglich auf Symptome und auf nicht-objektivierbare Phänomene gründen, mit Hilfe von solchen systematischen Einheiten – ohne Kenntnis der Ätiologie – diagnostisch erfassen – und auch diese Einheiten auf dieser Grundlage systematisch studieren (z.B. die Diagnosen: Migräne, Spannungskopfschmerz, Fibromyalgie, und sonstige Schmerzsyndrome, sowie auch andere funktionelle Diagnosen).

All diese Einheiten wie sie in der Medizin definiert sind, und wie sie auch in der Alternativmedizin und in der Paramedizin gemäß den verschiedenen Theorien definiert sind und aufgefasst werden, kann man mit der Hilfe solcher systematischer Einheiten unter gewissen Gesichtspunkten systematisch erfassen und studieren. (vgl. mit Jaspers Zitat 11)

Mit anderen Worten: man kann mit der Hilfe solcher systematischen Einheiten die Vielfalt der Erscheinungen auf der Grundlage der unterschiedlichen Symptomenkomplexe gliedern, und diese sodann systematisch studieren. So kann man z.B. herausfinden welche Therapie bei einem gewissen Symptomenkomplex im Vergleich zu einer anderen Therapie von Vorteil ist.

Damit wurde es möglich z.B. in der Psychiatrie die unterschiedlichen psychischen Erscheinungen, und auch in der Medizin die unterschiedlichen körperlichen Erscheinungen nach unterschiedlichen phänomenologischen Gesichtspunkten auf der Grundlage der Phänomenologie und der Psychopathologie zu gliedern, diese systematisch zu erfassen und systematisch zu studieren.

Man kann also durch solche systematische Einheiten die Vielfalt der Erscheinungen in verschiedene Symptomenkomplexe gliedern, und sodann die verschiedenen klinischen Erscheinungsbilder auf der Grundlage dieser unterschiedlichen Symptomenkomplexe systematisch studieren.

Auf diese Art und Weise konnte man in der Psychiatrie die Vielfalt der psychischen Erscheinungen in verschiedene psychische Störungen einteilen, und diese auf der Grundlage der Unterschiedlichkeit in der psychischen Anomalie studieren – wie dies bereits Wilhelm Griesinger im Prinzip erkannt hat. (vgl. mit dem Griesinger Zitat)

Auch in der Medizin konnte man, und kann man verschiedene gesundheitliche Störungen bzw. verschiedene Krankheitsbilder, die man lediglich auf der Grundlage von Erscheinungen, nämlich auf der Grundlage von Symptomen und auf der Grundlage von nicht objektivierbaren Phänomenen erfasst werden können, damit systematisch studiert werden. Zum Beispiel kann man so die verschiedenen Kopfschmerzformen, die nur auf der Grundlage der unterschiedlichen Symptomenkomplexe diagnostisch bestimmt werden können, durch solche systematische Einheiten systematisch studieren. Dies trifft z.B. auf die diagnostischen Einheiten: Migräne, Spannungskopfschmerz u.a. zu.

Man kann auf diese Art und Weise die unterschiedlichen Symptomenkomplexe systematisch studieren und herausfinden welche Therapiemaßnahme im Vergleich zu anderen Therapiemaßnahmen bei einem bestimmten Symptomenkomplex in welchem Ausmaß wirksam ist und diese Ergebnisse sodann auch nach den Methoden der Statistik in der Wissenschaft studieren. Auf diesem Wege gelangt man tatsächliche ohne Kenntnis der Ätiologie zu den entsprechenden Diagnosen und aus diesen zu den wissenschaftlichen Ergebnissen.

In diesem Sinn sind diese systematischen Einheiten sehr nützlich auch wenn man gar nichts Näheres über die Ursachen – also nichts näheres über die Ätiologie dieser gesundheitlichen Störungen sagen kann bzw. diese nicht allgemein gültig bestimmen kann.

Allerdings konnte man auf der Grundlage der Zusammenhänge wie man sie beobachtet hat verschiedene Theorien bilden, die das Auftreten dieser gesundheitlichen Störungen erklären.

So sind z.B. in der Psychiatrie diverse Theorien entstanden, und es sind auch in der Medizin in den verschiedenen Bereichen diverse Theorien entstanden. In der Psychotherapie sind z.B. die Theorien von Sigmund Freud, oder die Theorien von Alfred Adler und C.G. Jung auf der Grundlage der systematischen Einheiten entstanden.

In der Psychiatrie konnte man auf der Grundlage der diagnostischen Einheiten – die systematische Einheiten sind – die biologischen Theorien bilden, die den Zusammenhang der psychischen Phänomene mit den biologischen Ursachen erklären.

Systematisch Einheiten in der Psychologie

In der Psychologie ist z.B. der Begriff Intelligenz als systematische Einheit entstanden. Oder die Einheit das „Unbewusste„, das „Überbewusste“, das „Verdrängte“ oder die geistige Einheit „Komplex“ usf sind sämtliche systematische Einheiten. All diese Einheiten sind systematische Einheiten im Sinn von Immanuel Kant durch die man gewisse andere Erkenntnisobjekte durch den Bezug auf die jeweilige Idee auffassen kann. (vgl. mit Kant Zitat 7)

Auf der Grundlage dieser systematischen Einheiten ist das wissenschaftliche Studium der psychologischen Zusammenhänge auf der Grundlage dieser psychologischen Begriffe möglich geworden.

In der Psychiatrie ist auf dieser Grundlage die psychiatrische Wissenschaft und auch die Biologische Psychiatrie entstanden. Auch die ganze Phänomenologie und daher auch die Psychopathologie gründet sich auf systematische Einheiten.

In der Psychologie ist die psychologische Wissenschaft auf der Grundlage der psychologischen systematischen Einheiten entstanden, und man kann man dasselbe auch von der Psychotherapie als Wissenschaft sagen.

Systematische Einheiten in der Rechtsprechung:

In der Rechtsprechung sind viele Begriffe systematische Einheiten und damit auch zweckmäßige Einheiten im Sinn von Immanuel Kant. So etwa die Begriffe: Schuldfähigkeit, Diskretionsfähigkeit, Dispositionsfähigkeit, Diskretionsfähigkeit, Geschäftsfähigkeit, Testierfähigkeit, Verhandlungsfähigkeit,”Arbeitsfähigkeit”, “Minderung der Erwerbsfähigkeit”, “Leistungskalkül” usf.

Systematische Einheiten im Gutachterwesen

Im Gutachterwesen kann ein Sachverständiger nur auf der Ebene seiner Vorstellungen somit nur auf der Ebene der Ideen Sachverhalte geistig durch den Begriff einer Idee geistig auffassen der eine systematische Einheit ist. Man ist also im Gutachterwesen ständig mit systematischen Einheiten befasst durch die man Zusammenhänge erkennt bewertet und beurteilt.

Auf der Ebene seiner Vorstellungen vergleicht der Sachverständige, ob der Sachverhalt etwa im Sinn eines vorgegebenen Kriteriums erfüllt ist. Etwa ob etwa unter Berücksichtigung der gesundheitlichen Einschränkung Arbeitsfähigkeit in einem gewissen Ausmaß gegeben ist. Oder der Gutachter beurteilt auf der Ebene seiner Vorstellungen bzw. auf der Ebene seiner Ideen, ob eine relevante Selbstgefährdung oder eine  relevante Fremdgefährung in Folge einer psychischen Störung im Sinn der Dispositionsfähigkeit und Diskretionsfähigkeit gegeben ist und daher etwa die Behandlung gegen den Willen des Betroffenen unter Umständen in einer Klinik durch zuführen ist. Oder es beurteilt der psychiatrische Gutachter, ob die Geschäftsfähigkeit oder die Testierfähigkeit gegeben ist. Oder eine begutachtende Fachperson beurteilt ob eine relevante Minderung der Erwerbsfähigkeit vorliegend ist. Bei all diesen Begriffen bzw. bei all diesen Schemata dieser gutachterlichen Einheiten handelt es sich um systematische Einheiten, in Bezug auf die vom befassten Gutachter auf der Ebene seiner Vorstellungen subjektiv gültig festgestellt wird, ob die jeweiligen Kriterien hinreichend erfüllt sind. (vgl. mit Kant Zitat 7)

Systematisch Einheiten in anderen Wissensbereichen

Zum Beispiel in der Justiz ist eine Rechtsnorm (ein Gesetz) eine systematische Einheit, oder sind viele Einheiten bzw. Begriffe in der Soziologie, in der Ökonomie usf. systematische Einheiten, durch die man Sachverhalte durch den Bezug auf diese Ideen erfasst (vgl. mit Kant Zitat 7). All diese systematischen Einheiten sind im Laufe der Zeit im jeweiligen Wissenschaftsbereich entweder explizit definiert worden oder es hat sich durch den Gebrauch der Begriff im Laufe der Zeit im Bedeutungsgehalt entwickelt und er ist damit in Bezug auf seine Definition implizit entstanden. In der Jurisprudenz spricht man von der Subsumption eines Sachverhalts unter die jeweilige Kategorie. Damit handelt es sich also um die Subsumption unter das Schema der jeweiligen Idee. (vgl. mit Kant Zitat 7)

Evidenz mit der eine systematische Einheit erkannt wird

Eine systematische Einheit kann nur auf der Grundlage von subjektiver Evidenz erkannt werden. Eine systematische Einheit wird also mehr oder weniger einleuchtend evident erkannt wohingegen eine objektiv bestimmbare Einheit augenscheinlich evident erkannt wird.

Validität und Reliabilität einer systematischen Einheit

Eine systematische Einheit kann nur beschränkt valide und damit auch nur beschränkt reliabel erkannt werden, weil es sich dabei um den Begriff einer Idee handelt. (vgl. mit Kant Zitat 3a)

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Hinweis:

Weiteres zum Begriff systematische Einheit und seine Bedeutung in der Diagnostik in meinem Buch:

Diagnostik, Klassifikation und Systematik in Psychiatrie und Medizin

veröffentlicht im Verlag tredition (April 209).

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(letzte Änderung 25.11.2019, abgelegt unter: Definition, Diagnostik, Diagnostizieren, Einheit, systematische Einheit, Erkennen, Erkenntnis, Philosophie, philosophische Begriffe)

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