Dr.med. Othmar Mäser, Psychiater Psychotherapie

Wissen

Wissen ist Erkenntnis oder Information.

Beim Wissen muss man unterscheiden, ob es auf Fakten bzw. auf einem Objekt beruht oder auf einer Idee (vgl. mit Kant Zitat 7).

Man muss also unterscheiden, ob das Wissen sich auf eine faktische Einheit oder auf eine systematische Einheit gründet (vgl. mit Kant Zitat 7).

Im zuerst genannten Fall kann das Wissen objektiv gewiss erlangt und bestimmt werden. Im zweit genannten Fall kann es nur subjektiv gewiss erkannt und bestimmt werden.

Es ist im zuerst genannten Fall der Beweis also objektiv gültig und daher allgemein gültig im zweit genannten Fall jedoch nur subjektiv gültig.

Objektives Wissen wird daher auf Grundlage von objektiver Evidenz erlangt, hingegen subjektives Wissen nur auf Grundlage von subjektiver Evidenz.

Demgemäß ist mein Wissen entweder vom Grad der Gewissheitvom Grad des Glaubens oder vom Grad einer Meinung.

Und es kann das Wissen die Kenntnis oder die Information der einzelnen Person sein, die diese durch ihre sinnliche Wahrnehmung und/oder die Erfahrung und Überlegung somit durch ihr Denken erlangt hat, oder es ist das Wissen die Kenntnis oder die Information die ihr überliefert worden ist – die ihr in diesem Fall also angesagt worden ist, etwa durch die Religion, oder durch die Wissenschaft.

Demgemäß beruht das Wissen und damit die Erkenntnis der Person entweder auf dem eigenen Wissen oder auf fremdem Wissen das an anderen Orten gewonnen worden ist.

Bei Wissen das auf der Grundlage der Erfahrung entstanden ist, kann man sagen, dass dies empirisches Wissen ist.

Es ist hier das Wissen also die Kenntnis bzw. Information, die durch das Erleben und Lernen oder durch die Forschung und Entdeckung oder durch statistische Studien in der Wissenschaft und andere Untersuchungen erlangt worden ist.

Durch das Wissen kann man den Zusammenhang der Dinge verstehen und erklären oder man kann unter Umständen den Sinn durch eine Theorie erkennen und dadurch das Wissen vermehren.

Oder man hat durch Argumente den Zusammenhang und dadurch das Wissen um die Erklärung und das Verstehen erlangt.

Es kann das Wissen eine konkrete Information sein, wie sie eine Person infolge ihrer persönlichen Erfahrung und durch das Denken erlangt worden ist. Oder es kann das Wissen die Information sein, wie diese zum Beispiel in der Wissenschaft durch das systematische Studium der Materie bzw. des Sachverhalts erlangt worden ist.

Das Wissen ist also die Information, die durch Erkenntnis und durch die Erfahrung, somit durch die sinnliche Wahrnehmung, den Verstand und die Vernunft erlangt worden ist.

Man kann auch sagen: das Wissen ist die Information bzw. die Kenntnis, die etwa in Folge von Studien in der Wissenschaft und in der Forschung erlangt worden ist.

Somit ist das Wissen in Bezug auf einen Sachverhalt die Information, die zum Beispiel von einer Person in Folge ihrer Studien durch gründliche Untersuchung und durch gründliche und vernünftigen Überlegungen erlangt worden ist, und die zum Beispiel in einem Buch veröffentlicht worden ist, oder die in einem wissenschaftlichen Journal von einer Gruppe von Wissenschaftern publiziert worden ist.

Das Wissen das eine Person erlangt hat, ist vorerst entweder subjektiv gewiss, oder es ist dieses Wissen objektiv gewiss (vgl. mit Kant Zitat 9).

Demgemäß ist das Wissen subjektiv evident oder es ist objektiv evident.

Man sollte demgemäß den Grad der unterschiedlichen Evidenz (vgl. mit Kant Zitat 7) beachten.

Auf dem Wissen beruht das Verständnis einer Person, oder das einer Personengruppe. Gemäß diesem Wissen gelangt die Person zur Erkenntnis dessen was sie als Wahrheit ansieht.

Wissen ist also die Information, die durch die Erkenntnis entstanden ist und die im Bewusstsein einer Person, oder die im Bewusstsein einer Personengruppe / Bevölkerung über etwas vorhanden ist und auf diese Art und Weise z.B. im Hinblick auf einen Sachverhalt entsteht.

Man kann daher auch sagen: Wissen ist die vorhandene Information, die als Wissen zur Verfügung steht, etwa in der Form der Bücher in einer Bibliothek, oder in der Form, wie es die Wissenschaft hervorgebracht hat und wie es in den entsprechenden Quellen, etwa in publizierten Studien in Journalen vorhanden ist, oder wie es im Internet vorhanden und verfügbar ist. Oder wie es eine einzelne Person infolge ihrer Informationen und Überlegungen erlangt hat.

Wissen entsteht auf der Grundlage der Erfahrung und durch die Überlegung, somit durch das Denken und durch das Nachdenken.

Wissen entsteht also auf der Grundlage der unmittelbaren sinnlichen Wahrnehmung und der Assoziation der Gedächtnisinhalte, somit auf der Information und der Überlegung, also auf der Grundlage der weiteren mentalen Verarbeitung der Sinneseindrücke und Gedächtnisinhalte in Folge der mentalen Prozesse, die man als Denken bezeichnet (vgl. mit John Locke Zitat und David Hume Zitat). Und es entsteht das Wissen somit auf der Grundlage des bereits vorhandenen Wissens.

Wissen bezieht sich auf Erkenntnisobjekte, die uns tatsächlich als Objekt, also als Gegenstand schlechthin zur Erkenntnis gegeben sind, oder es handelt sich dabei um ein Wissen, das sich auf Erkenntnisobjekte bezieht, die uns nur auf der Ebene der Vorstellungen, also nur auf der Ebene der Ideen als Erkenntnisobjekte gegeben sind. Ein solches Erkenntnisobjekt ist uns also nur als Gegenstand in der Idee gegeben (vgl. mit Kant Zitat 7). Ein solches Erkenntnisobjekt können wir nur durch den Begriff der Idee erkennen  (vgl. mit Kant Zitat 7).

Wissen kann demgemäß subjektiv evident erlangt bzw. erkannt werden. In diesem Fall ist das Wissen einleuchtend evident. Oder Wissen kann objektiv evident erlangt bzw. erkannt werden. In diesem Fall ist das Wissen augenscheinlich evident.

Wissen das subjektiv nur gültig ist, kann mehr oder weniger (subjektiv) gewiss sein – also mehr oder weniger einleuchtend sein. Wenn es sich dabei um subjektives Wissen handelt, von dem man subjektiv überzeugt ist, dann handelt es sich um Wissen vom Grad des Glaubens. Wenn es sich dabei um ein Wissen handelt, das subjektiv als nicht sicher angesehen wird, also subjektiv nicht als „gewiss“ angesehen wird, dann handelt es sich dabei um eine Meinung. Nur Wissen das für jedes Subjekt gültig ist und das damit allgemein gültig ist, ist tatsächlich objektiv gewiss. Es handelt sich in einem solchen Fall also um objektives Wissen und nur solches Wissen hat Grad der Gewissheit.

Vieles von dem was wir wissen ist nur subjektiv gültig. Nur ein Teil des Wissens kann man auf der Grundlage von objektiven Tatsachen allgemein gültig und damit objektiv gültig „gewiss“ wissen (vgl. mit Kant Zitat 9) – dies betrifft auch auch das Wissen in der Heilkunde – also das Wissen in der Medizin und in der Alternativmedizin, und auch das Wissen in der Psychiatrie, Psychologie und Psychotherapie und natürlich auch in allen anderen Bereichen in denen teils objektives Wissen und teils nur subjektives Wissen erlangt werden kann.

Wir erlangen Wissen vorerst immer auf der Ebene der Vorstellungen. Auch wenn sich das Wissen auf ein äußeres Objekt bezieht, erlangen wir das Wissen vorerst auf der Ebene der Vorstellungen, in dem wir vom äußeren Erkenntnisobjekt eine Vorstellung bilden, die in unserem Bewusstsein erscheint. In gewissen Fällen kann man sodann diese Vorstellung an der Realität überprüfen. In anderen Fällen ist dies nicht möglich, weil es sich bei der Vorstellung bzw. bei der Idee um eine aus der Erfahrung abgeleitete Idee handelt.

Bei einer Erkenntnis, die sich nicht in diesem Sinn direkt auf ein real existentes Objekt oder ein demonstrierbares Erkenntnisobjekt bezieht, kann man das Wissen bzw. die Erkenntnis nicht an der Realität überprüfen. Das heißt man kann eine solche Erkenntnis nicht objektivieren. (vgl. mit Kant Zitat 10)

Das Erkennen basiert also primär immer auf Vorstellungen. Die Erkenntnisse gründen sich entweder auf ein real existentes Objekt – in der Medizin oftmals auf ein äußeres, physisches Objekt. In anderen Fällen gründet sich die Erkenntnis jedoch nicht direkt auf ein real existentes Objekt, sondern auf ein Erkenntnisobjekt das uns nur als  mentales  Erkenntnisobjekt in der Form eines Begriffs der Idee als systematische Einheit gegeben ist. (vgl. mit Kant Zitat 7)

Daher gibt es unterschiedliche Grade des Wissens. (vgl. mit Kant Zitat 9)

Es gibt Wissen, das für jede Person gültig ist, solches Wissen ist objektives Wissen. Daher ist solches Wissen allgemeingültig. Solches Wissen ist gewiss im Sinn der Gewissheit. (vgl. mit Kant Zitat 9)

Wissen, das nur für die Person bzw. nur für ein Subjekt gültig ist bzw. gewiss ist,  ist subjektives Wissen. Von solchem Wissen kann die Person (subjektiv) überzeugt sein, dann wird es Glauben genannt. Ist die Person davon nicht oder nicht gänzlich überzeugt, ist es also ein unsicheres subjektives Wissen, dann wird es auch Meinen bzw. als Meinung benannt.

Immanuel Kant schreibt über:

Meinen, Glauben und Wissen (vgl. mit Kant Zitat 9) folgendes:

Meinen: das sowohl subjektiv, wie auch objektiv unzureichende Fürwahrhalten

Glauben : das subjektiv zureichende, objektiv jedoch nicht zureichende Fürwahrhalten

Gewissheit im Sinn der objektiven Gewissheit: das subjektiv und objektiv zutreffende Wissen. Es ist dies ein Wissen mit dem alle Personen übereinstimmen bzw. allgemeingültiges Wissen.

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In der Wissenschaft studiert man das Wissen in verschiedenen Erkenntnisbereichen.

Die Wissenschaft ist grundsätzlich bestrebt wo möglich allgemeingültiges Wissen hervorzubringen. Die Erfahrung lehrt allerdings, dass dies nicht in allen Bereichen möglich ist.

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In der Medizin kann man zum Teil objektives Wissen erlangen. Vielfach ist dies allerdings nicht möglich und kann man auch in der Medizin nur subjektives Wissen erlangen. Wir treffen medizinische Entscheidungen vielfach auf der Grundlage von subjektivem Wissen – also auf der Grundlage eines (subjektiven) Fürwahrhaltens, bzw. auf der Grundlage eines Glaubens und nicht auf der Grundlage von objektiver Gewissheit (vgl. mit Kant Zitat 9). Nicht selten fällen wir in der Medizin unsere Entscheidungen auf der Grundlage eines subjektiv unsicheren Wissens, also auf der Grundlage eines Meinens, z.B. dass eine therapeutische Vorgehensweise, im Vergleich zu einer anderen therapeutischen Vorgehensweisen die vergleichsweise bessere ist. Das medizinische Wissen basiert also nur zum Teil auf objektivem Wissen, vielfach basiert das medizinische Wissen auf subjektivem Wissen.

In einem solchen Fall, kann die Einholung einer zweiten fachlichen Meinung, eine sogenannte second opinion sinnvoll sein, um erst sodann zu entscheiden, was man tun soll bzw. welcher fachlichen Meinung man sich anschließen soll. Manchmal macht es auch Sinn eine dritte bzw. mehrere fachliche Meinungen einzuholen bevor man sich als mündige Person  entscheidet.

In der Psychiatrie (Psychologie und Psychotherapie) wird das Wissen auf der Grundlage von psychischen Symptomen und psychischen Phänomenen erlangt, also auf der Grundlage von psychischen Erscheinungen (griechisch: phenomenon – das was erscheint, das Erscheinende).

Daher handelt es sich beim psychiatrischen Wissen immer um nur subjektiv gültiges Wissen bzw. um subjektives Wissen. Psychiatrisches Wissen geht also immer von subjektivem Wissen aus, sowohl in der psychiatrischen Praxis wie auch in der psychiatrischen Wissenschaft.

In der Psychiatrie (Psychologie, Psychotherapie) gibt es daher keine objektive Evidenz, sondern nur subjektive Evidenz. Solche Evidenz wird innerhalb einer Konvention gewonnen. So wird beispielsweise das Wissen in Bezug auf die psychiatrischen Diagnosen heutzutage entweder auf der Grundlage der psychiatrischen ICD Klassifikation – die per Konvention definiert worden ist erlangt – oder auf der Grundlage der DSM Klassifikation erlangt – die ebenfalls per Konvention definiert worden ist.

Man kann also sagen: psychiatrisches Wissen wird immer auf der Grundlage einer Ideenlehre gewonnen und es kann dieses Wissen nicht auf der Grundlage der Natur bzw. auf der Grundlage von physischen Befunden überprüft werden. (vgl. mit Kant Zitat 9)

Philosophisch gesprochen sagt man daher dass psychiatrisches Wissen auf der Grundlage einer Dogmatik bzw. auf der Grundlage einer Ideologie erlangt wird. An diesem Sachverhalt hat auch die Einführung der psychiatrischen ICD Klassifikation und die Einführung der DSM Klassifikation und auch die operationalisierte Diagnostik nichts geändert.

In gleicher Weise wird auch das Wissen in der Psychologie und Psychotherapie jeweils auf der Grundlage von definierten Ideen erlangt. Man sagt daher berechtigt, dass solches Wissen innerhalb einer „Schule“ bzw. innerhalb einer Ideologie im Sinn einer Ideenlehre erlangt wird.

Wie man sich überzeugt gilt dies für verschiedene Bereiche des menschlichen Wissens, etwa für das Wissen das in der Rechtsprechung auf der Grundlage der definierten Gesetze erlang wird, die zu einer gewissen Zeit ihre Gültigkeit haben.

Und es sind daher die Grade des Wissen auch bei der Erstattung eines Gutachtens von Relevanz und sollte daher ein Gutachter bzw. ein Sachverständiger beachten auf welcher Grundlage sein Wissen steht wenn er etwa in der Forensik ein psychiatrisches Gutachten, oder ein medizinisches Gutachten erstattet.

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Bezüglich der Meditation – bzw. bezüglich der subjektiven Erfahrung in der Meditation kann man sagen:

Durch die Innenschau bzw. durch die Meditation erlangt man das (subjektive) Wissen vom Selbst. (vgl. mit dem Patanjali Sutra Yoga-Definition)

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(letzte Änderung 14.03.2020, abgelegt unter: Definition, Diagnostik, Erkennen, Erkenntnis, Geist, Philosophie, Psyche, Wissen)

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