Dr.med. Othmar Mäser, Psychiater Psychotherapie

Theorie

Eine Theorie ist eine Idee, die einen Zusammenhang sinnvoll erklärt.

Dabei kann die Theorie den Zusammenhang der Sinn macht entweder auf der „Ebene der Objekte“ erklären und kann dieser objektiv gültig überprüft werden, oder es erklärt die Theorie den Zusammenhang auf der „Ebene der Ideen“ durch den Begriff der Idee (vgl. mit Kant Zitat 7), und es kann dieser nur  subjektiv gültig überprüft werden.

Im zuerst genannten Fall kann ich die Theorie durch Fakten bzw. durch objektive Befunde und daher objektiv gültig bzw. allgemein gültig überprüfen, im zweit genannten Fall ist dies nicht möglich, und kann ich den Sachverhalt nur durch den Vergleich der Ideen und daher nur  subjektiv gültig durch meinen subjektiven Befund auf der „Ebene der Ideen“ bzw. auf der Ebene der Vorstellungen überprüfen (vgl. mit Kant Zitat 7).

Ich kann in diesem Fall den Sachverhalt also nur durch das Vergleichen und Gewichten der Ideen (Ponderieren der Ideen) somit nur mit der Methode der Dialektik überprüfen.

Im ersten Fall kann ich den Sachverhalt auf der „Ebene der Objekte“ zum Beispiel physikalisch (physiologisch, chemisch, biochemisch, bildgebend, biologisch oder sonst auf eine physische Art und Weise) auf der „Ebene der Objekte“ überprüfen und es zeigt unter Umständen dieser Zusammenhang – so wie er in der Natur beobachtbar oder im Experiment demonstrierbar ist – ein Naturgesetz auf (Beispiel: Gravitationstheorie von Newton, die in der Physik bzw. in der Astronomie zur Entdeckung des Gravitationsgesetzes geführt hat).

Oder es erläutert die Theorie auf der „Ebene der Ideen“ den Zusammenhang der Begriffe der Ideen nach einem gewissen Sinn.

In diesem Fall handelt es sich bei der Theorie um ein regulatives Prinzip durch das man den Zusammenhang nach der Analogie der Erfahrung (vgl. mit Kant Zitat 26) erklären und dadurch sinnhaft verstehen kann.

Dabei hat die Person, die diese Theorie konzipiert hat, infolge ihrer Erfahrung die Vorstellung entwickelt,  dass es bezüglich dieses Zusammenhangs eine Regel geben muss,  insofern sie wiederholt eine derartige Abfolge von Erscheinungen (Phänomenen) beobachtet hat (vgl. mit Kant Zitat 26).

Durch eine solche Theorie kann man also die Sequenz der Begriffe, die diese Vorstellung und damit diese Idee bilden, dem Sinn nach empirisch begründet verstehen und gemäß dieser Regel erklären (vgl. mit Kant Zitat 26).

Dabei ist die Theorie  im Bewusstsein der Person als Begriff der Idee infolge ihrer Beobachtung und Überlegung entstanden, insofern die  Wiederholung von ähnlichen Sachverhalten zu dieser Vorstellung den Anlass gegeben hat.

Gewisse Erinnerungen gaben nämlich den Anstoß für vernünftige Überlegungen und es haben diese in Verbindung mit den Inhalten des Gedächtnisses zur Idee und damit zur Theorie geführt.

Die Theorie liefert in jedem Fall das logische Verständnis für den Zusammenhang.

Man kann daher in Bezug auf manch eine Theorie auch sagen, dass diese den Zusammenhang der einzelnen Argumente aufzeigt, die die Argumentation als Ganzes bildet.

Dabei kann sich eine Theorie auf eine komplexe Idee beziehen, insofern sie hier einen speziellen Zusammenhang unter einem einzelnen Gesichtspunkt sinnvoll aufzeigt (Beispiel: die Theorie die in der Medizin das Auftreten der Migräne als Folge einer vaskulären Störung (vaskuläre Theorie) erklärt, oder die Theorie die das Auftreten der Migräne als Folge einer neuronalen Funktionsstörung im Nervensystem insbesondere im Hirnstamm erklärt (Hirnstammtheorie), oder die Theorie die das Auftreten der Migräne also Folge einer Entzündung erklärt (Entzündungstheorie)).

Durch die Theorie kann man den Zusammenhang logisch durch diese systematische Einheit (vgl. mit Kant Zitat 7) begründet aufzeigen und dadurch verstehen und erklären.

Man findet, dass eine Theorie eine Vorstellung ist, die einen Zusammenhang entweder nach einem Gesetz oder nach einer Regel  erklärt.

Zum Beispiel ist die Gravitationstheorie eine Theorie, die den Zusammenhang der Schwerkraft mit dem freien Fall nach einem Gesetz erklärt.

Oder es ist eine Theorie eine Vorstellung und damit eine Idee, gemäß der man zum Beispiel in der Psychologie den psychologischen Zusammenhang nach der Analogie der Erfahrung gemäß dieser Regel (vgl. mit Kant Zitat  26verstehen und auf dieser Grundlage sinnhaft, etwa gemäß einer psychologischen Theorie erklären kann.

Auch in der Psychiatrie ist eine Theorie eine Vorstellung etwa in der Biologischen Psychiatrie, die den Zusammenhang der psychopathologischen Phänomene mit der Funktion des Nervensystems – wie sie etwa bei einer psychischen Störung vom Typ der Schizophrenie vorkommt – durch eine biologische Theorie erklären kann, insofern sie die klinischen Erscheinungen der kranken Psyche durch die Störung im Bereich der Rezeptoren der Nervenzellen sinnvoll erklärt.

Man kann auch sagen: eine Theorie ist eine Vorstellung, die durch die Erfahrung begründet – somit empirisch begründet – durch den Verstand und die Vernunft begründet – man kann auch sagen: durch die vernünftige Überlegung – oder das vernünftige Denken begründet – erlangt worden ist – und die in Bezug auf einen gewissen Sachverhalt Sinn macht, weil sie ein gewisses Verständnis ermöglicht und eine gewisse Erklärung liefert.

Ebenso kann man sagen: eine Theorie ist eine Idee, durch die man einen gewissen Sachverhalt geistig auffassen und dadurch verstehen und in diesem Sinn erklären kann.

Man sollte dabei unterscheiden, ob man die Theorie bzw. die Idee objektiv gültig oder nur subjektiv gültig überprüfen kann und damit ihr Zutreffen allgemein gültig beweisen kann, oder ob dies nicht möglich ist, weil es sich dabei um eine bloße Idee handelt.

Eine Theorie zeigt somit den Zusammenhang der Elemente (Dinge, Erscheinungen (Phänomene)) des Sachverhalts auf, wodurch man den Sachverhalt verstehen und erklären kann.

Man kann auch sagen, dass die Theorie auf der Grundlage des guten alten Hausverstandes in Verbindung mit dem Sachverstand entsteht.

Es entsteht eine passende Theorie somit infolge der Erfahrung auf der Grundlage des Verstandes und der Vernunft.

Gelegentlich entsteht eine Theorie auch durch eine spontane bzw. durch eine intuitive Erkenntnis.

Es ist eine Theorie also eine Vorstellung, die eine Person infolge von gewissen Erfahrungen und Überlegungen entwickelt hat, und die erklärt warum etwas so ist, wie es ist, wobei die Vorstellung vorherrscht, dass diese Idee für gleichartige (ähnliche) Sachverhalte ebenfalls zutreffend und damit gültig ist.

Das Wort Theorie (griechisch θεωρεῖν theorein ‚beobachten, betrachten, [an]schauen‘; θεωρία theoría ‚ Anschauung, Überlegung, Einsicht, wissenschaftliche Betrachtung‘ …..  bezeichnete ursprünglich die Betrachtung der Wahrheit durch reines Denken, unabhängig von ihrer Realisierung. Daher wird der Begriff alltagssprachlich auch unbestimmt als Gegenteil von Praxis (griechisch πρᾶξις ‚Handlung, Verrichtung‘, auch‚Vollendung‘) benutzt. (siehe WikiBeitrag).

Erkenntnistheoretisch bzw. philosophisch betrachtet ist eine Theorie eine sinnvolle Idee, die im Bewusstsein der Person entsteht, wenn diese die einzelnen Merkmale der Idee durch das Schema der Idee geistig auffasst (vgl. mit Kant Zitat 7). Es wird eine Theorie somit durch die systematische Einheit der Idee erkannt, die im Bewusstsein der erkennenden Person als der Begriff der Idee entsteht, wenn diese den Sachverhalt durch das Schema der Idee geistig auffasst (vgl. mit Kant Zitat 7).

Dabei sollte man allerdings beachten, dass das Zutreffen dieser Idee vorerst nicht erwiesen ist.  Es handelt sich hierbei also um subjektives Wissen das mehr oder weniger beschränktes Wissen ist bzw. das unter Umständen gar nicht zutreffend ist. Man sollte also beachten, dass eine Theorie, die einen Sachverhalt erklärt, nur mögliches Wissen neben anderem möglichen Wissen darstellt. Man sollte also beachten, dass die Idee nicht konstitutiv sondern nur regulativ ist (vgl. mit Kant Zitat 3a).

Erst wenn sich in Folge der Erfahrung auf der „Ebene der Objekte“ im Experiment (oder in der Demonstration) erweist, dass die Idee zutreffend ist, erst dann hat man Anlass davon auszugehen, dass dies einzige und richtige Theorie ist die diesen Sachverhalt zutreffend erklärt.

In diesem Sinn kann man in den verschiedensten Bereichen durch die Theorie den Sachverhalt analysieren und untersuchen. So kann man etwa der Natur nach allen möglichen Prinzipien der Einheit, worunter die der Zwecke die vornehmste ist, bis in ihr Innerstes nachgehen, niemals sollte man aber die Grenzen überfliegen, außerhalb welcher für uns nichts als leerer Raum ist.”  (vgl. mit Kant Zitat 2a) – wie dies Immanuel Kant in der Kritik der reinen Vernunft schreibt.

Es gibt also Theorien, die man im Experiment oder in der Demonstration beweisen kann, für die es also einen allgemein gültigen Beweis gibt. Andererseits gibt es Theorien, die man nicht beweisen kann, weil man die Idee nur auf der Ebene der Vorstellungen bzw. nur auf der Ebene der Ideen durch die Methode der Dialektik überprüfen kann. Eine solche Theorie bzw. eine solche Idee ist eine bloße Idee, die den Zusammenhang auf eine gewisse Art und Weise erklärt bzw. beschreibt. Eine solche Theorie ist ein regulatives Prinzip durch das man den Sachverhalt auf eine gewisse Art und Weise erklären und verstehen kann.

Theorien sind von großer Bedeutung, weil man durch Theorien die verschiedensten Zusammenhänge verstehen und erklären kann.

Man bildet im Alltag Theorien durch die man sich etwa einen gewissen Zusammenhang erklärt. Und in gleicher Weise bildet man in der Wissenschaft in den verschiedensten Bereichen Theorien. Es gibt in diesem Sinn Theorien in der Naturwissenschaft, in der Physik, Chemie, Astronomie, in der Biologie, in der Medizin, in der Psychiatrie, in der Psychologie, in den Geisteswissenschaften und in anderen Wissenschaften. Es gibt Theorien in der Rechtswissenschaft, in der Ökonomie, in der Finanzwissenschaft, praktisch in allen Bereichen des menschlichen Wissens.

Theorien in verschiedenen Bereichen:

In der Medizin erklärt man zum Beispiel den Zusammenhang der Symptome mit den sonstigen Erscheinungen (Phänomenen) auf der Grundlage der Physiologie durch eine physiologische Theorie bzw. durch eine medizinische Theorie.

In der Psychologie kann man zum Beispiel durch eine psychologische Theorie den Zusammenhang von psychischen Erscheinungen (psychischen Phänomenen) erklären (so auch in der Pädagogik usf.).

In der Psychotherapie kann man zum Beispiel den Zusammenhang der Erscheinungen (Erlebnisse / psychischen Phänomene) in einem konkreten Fall durch eine Theorie verstehen und erklären, wie diese etwa von Sigmund Freud, oder von Alfred Adler, oder von C. G. Jung oder von sonst einem Arzt, oder von einem Psychologen oder von einem Therapeuten entwickelt worden ist.

Analoges gilt auch für die Theorien in der Psychosomatik durch die man das Auftreten von Störungen auf der Ebene des Körpers und der Psyche verstehen und erklären kann.

In der Psychiatrie kann man durch eine Theorie in vielen Fällen den Zusammenhang der krankheitswertigen psychischen Erscheinungen (psychopathologischen Phänomene) bei einer psychischen Störung psychologisch (psychopathologisch) begründet erklären. Oder man kann den Zusammenhang der psychischen Störung mit der zu Grunde liegend vermuteten körperlichen Ursache durch eine biologische Theorie erklären.

Es kann also ein Teil der psychischen Störungen psychologisch bzw. psychopathologisch oder auch auf der Grundlage der Psychodynamik erklärt werden. Andere psychische Störungen können nur durch eine biologische Ursache sinnhaft erklärt werden wie diese in der der Biologischen Psychiatrie entwickelt worden ist (Beispiel: Rezeptortheorie in Bezug auf die Entstehung einer psychischen Störung vom Typ der Schizophrenie, oder die Transmittertheorie in Bezug auf die Entstehung einer psychischen Störung vom Typ einer Depression, wobei hier allerdings auch psychologische Theorien oftmals wesentlich sind.

In der Ökonomie erklärt man die Abfolge und damit den Zusammenhang von gewissen Umständen durch eine ökonomische Theorie.

In der Rechtswissenschaft erklärt man den Zusammenhang von rechtlichen Dingen / Sachverhalten durch eine rechtliche Theorie.

usf.

.

(letzte Änderung 16.01.2018, abgelegt unter: Definition, Diagnostik, Erfahrung, Medizin, Philosophie, Psychiatrie, Psychologie, Psychotherapie, Rechtsprechung, Theorie, Wissenschaft)

………………………….

weiter zum Beitrag: biologische Theorie

…………………………..

weiter zum Beitrag: psychologische Theorie

………………………….

weiter zum Beitrag: medizinische Theorie

………………………….

weiter zum blog: Theorie

…………………………….

weiter zum blog: Erkennen

………………………………..

weiter zum blog: Wissen

………………………………..

weiter zum blog: Wissenschaft

…………………………………………………………..

weiter zur Seite: medizinsche Diagnose – psychiatrische Diagnose

weiter zur Seite: medical diagnosis – psychiatric diagnosis

…………………………………………………………….

Antiloop GmbH / bechtold.at.