Dr.med. Othmar Mäser, Psychiater Psychotherapie

Syndrom

Ein Syndrom ist eine diagnostische Einheit durch die ein bestimmter Symptomenkomplex erfasst wird.

Es ist ein Syndrom also der Begriff unter dem die charakteristischen Symptome und die charakteristischen Phänomene einer gesundheitlichen Störung (Krankheit) „zusammenlaufen“.

(griechisch: σύνδρομος, von συν~, syn~: zusammen~, mit~ und δρόμος, drómos: der Weg, der Lauf)

Man kann somit auch sagen: in der Heilkunde ein Syndrom eine diagnostische Einheit durch deren Begriff die charakteristischen Symptome und die charakteristischen Phänomene durch die Entwicklung des Symptomenkomplexes im Laufe der Zeit – also in ihrem Verlauf – erfasst werden.

Man kennt  in diesem Sinn in der Medizin medizinische Syndrome und man kennt in der Psychiatrie psychiatrische Syndrome und es gibt auch Syndrome in der Psychosomatik, die man als psychosomatische Syndrome bezeichnen kann.

Man erkennt, dass der Begriff des Syndroms entsteht, wenn die erkennende Person die Merkmale der Idee unter dem Begriff der Idee geistig auffasst (vgl. mit Kant Zitat 7).

Daher kann man auch sagen, dass die Merkmale der Idee unter dem Begriff der Idee „zusammenlaufen“.

Erkenntnistheoretisch bzw. philosophisch betrachtet wird durch die geistige Synthese der charakteristischen Merkmale untere dem Begriff der Idee wird damit die systematische Einheit erkannt (vgl. mit Kant Zitat 7). Als Folge der verschiedenen Merkmale kann man also die diagnostische Einheit durch das Schema der Idee erkennen (vgl. mit Kant Zitat 7) und die zugehörige Diagnose, die hier eine phänomenologische Diagnose ist subjektiv gültig auf der „Ebene der Ideen“ bestimmen. Ein Syndrom wird somit durch eine systematische Einheit erkannt, die im Bewusstsein der erkennenden Person in der Form des Begriffs der Idee erscheint bzw. die als Gegenstand in der Idee im Bewusstsein der erkennenden Person erscheint (vgl. mit Kant Zitat 7). Man kann daher auch sagen: ein Syndrom wird durch ein Konzept erkannt. Oder man kann auch sagen: ein Syndrom wird durch eine projektierte Einheit erkannt, oder durch eine zweckmäßige Einheit, oder durch eine Vernunfteinheit im Sinn von Immanuel Kant.

Wenn man die verschiedenen Syndrome in der Heilkunde betrachtet, dann findet man zwei Arten von Syndromen.

Es gibt Syndrome, die heutzutage auf der Grundlage von objektiv erfassbaren Parametern allgemein gültig bestimmt werden können, sprich die objektiviert werden können; und andererseits gibt es Syndrome, die nicht in diesem Sinn überprüft werden können, weil sie sich auf Symptome und auf nicht-objektivierbare Phänomene gründen. Dies sind die Syndrome im ursprünglichen Sinn bzw. im engeren Sinn. Eine solche Diagnose kann man als syndromale Diagnose bezeichnen. Es ist dies also eine phänomenologische Diagnose, die nicht auf der Ebene der Objekte bzw. auf der Ebene der Fakten durch einen objektiven Befund überprüft werden kann.

Wenn es sich nun bei einem Syndrom um eine nicht objektivierbare Einheit handelt, also um eine systematische Einheit, die sich auf nicht-objektivierbare Merkmale gründet – sich das Syndrom also auf Symptome und auf nicht-objektivierbare Phänomene gründet – dann handelt es sich dabei um ein Syndrom im urprünglichen Sinn. (vgl. mit dem obigen griechischen Wortstamm)

Eine solche Diagnose kann man nicht objektiv gültig bestimmen, sondern man kann eine solche Diagnose nur subjektiv gültig bestimmen, weil sie sich auf Merkmale gründet, die nur im Bewusstsein der Person als Merkmale nämlich als die Begriffe der Ideen erscheinen (griechisch: phenomenon – das was erscheint, das Erscheinende).

Wenn hingegen bei einem Syndrom objektive Befunde erhoben werden können, auf deren Grundlage das Syndrom allgemein gültig bestimmt werden kann – was zum Teil bei bei den medizinischen Syndromen der Fall ist – weil man im Laufe der Zeit Merkmale entdeckt hat, die man objektivieren kann, dann handelt es sich nicht um ein Syndrom im ursprünglichen Sinn.

Dies ist z.B. beim Karpaltunnelsyndrom der Fall, oder dies ist beim Down-Syndrom der Fall und dies ist auch bei vielen anderen medizinischen Syndromen der Fall, bei denen man objektivierbare Parameter später entdeckt hat, auf deren Grundlage diese diagnostischen Einheiten und damit diese gesundheitlichen Störungen bzw. diese gesundheitlichen Auffälligkeiten objektiviert werden können.

In diesem Sinn kann heutzutage ein Teil der Syndrome auf der Ebene der körperlichen Fakten allgemein gültig bestimmt und allgemein gültig überprüft werden – so z.B. auch das Acquired Immun Deficiency Syndrom (AIDS) oder auch die andere Engpasssyndrome in der Neurologie, weiters das Androgenitale Syndrom und viele andere Syndrome.

Man muss also heutzutage unterscheiden zwischen einem objektivierbaren Syndrom und einem nicht objektivierbaren Syndrom.

Wenn man diese Unterscheidung nicht macht, dann gerät man in Verwirrung, weil ein und derselbe Begriff für verschiedene Dinge verwendet wird.

Man sollte also beachten, dass der Begriff „Syndrom“, so wie er heutzutage verwendet wird diagnostische Einheiten bezeichnet, die auf der Grundlage einer unterschiedlichen Erkenntisbasis erfasst werden. Der Begriff Syndrom bezeichnet nämlich im Fall der nicht objektivierbaren gesundheitlichen Störung eine nicht objektivierbare Idee und im anderen Fall eine objektivierbare Idee. (vgl. mit Kant Zitat 7). Im erst genannten Fall ist das Syndrom ein Konzept, im zweitgenannten Fall eine Einheit, die auf ein Objekt zurückgeführt und auf dieser Grundlage allgemein gültig bestimmt werden kann.

Im einen Fall kann also das Erkenntnisobjekt auf der Ebene der Fakten physisch überprüft werden, wohingegen dies im anderen Fall nicht möglich ist, weil die Idee lediglich auf der Ebene der Vorstellungen als definierte Einheit, nämlich als systematische Einheit „existiert“ bzw. als der Begriff der Idee im Bewusstsein der erkennenden Person erscheint, wenn diese durch die geistige Synthese zur systematischen Einheit gelangt. (vgl. mit Kant Zitat 7)

Im einen Fall kann also eine allgemein gültige Erkenntnis mit Hilfe des Begriffs Syndrom erlangt werden, wohingegen im anderen Fall dies nicht möglich ist und daher eine nur relative Erkenntnis in Bezug auf die angewandte Idee möglich ist, wie dies eben bei den syndromalen Diagnosen im engeren Sinn der Fall ist.

weitere Beispiele für Syndrome in der Medizin und in der Psychiatrie:

Asperger Syndrom

Kanner Syndrom

Down-Syndrom

Postthrombotisches Syndrom

Apallisches Syndrom

AIDS (Abkürzung für „Acquired Immune Deficiency Syndrome“)

Funktionelle Syndrome wie sie in den verschiedenen Fachbereichen, so auch in der Psychosomatik und in der Alternativmedizin beschrieben werden.

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(letzte Änderung 22.4.2016, abgelegt unter Syndrom, Definition, Medizin, Psychiatrie, Psyche, Diagnostik)

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