Dr.med. Othmar Mäser, Psychiater Psychotherapie

psychische Störung

Eine psychische Störung ist eine krankheitswertige Störung der Psyche , die durch den psychischen Symptomenkomplex erkannt und durch die psychiatrische Diagnose bestimmt wird.

Demgemäß wird die psychische Störung in der psychiatrischen Diagnostik durch die passende psychiatrische Kategorie der psychiatrischen Klassifikation erkannt und bestimmt.

Man kann auch sagen: die psychische Störung wird durch die psychischen Symptome und durch die krankheitswertigen psychischen Phänomene respektive durch die psychopathologischen Phänomene unter Berücksichtigung des Verlaufs erkannt und bestimmt (vgl. mit Kahlbaum Zitat 1).

Damit wird deutlich, dass man in der Psychiatrie die psychische Störung durch die klinischen Erscheinungen  bzw. durch das jeweilige klinische Erscheinungsbild erkennt und in der Diagnostik bestimmt.

Deswegen ist es zutreffend wenn man sagt, dass die psychische Störung psychopathologisch begründet in der psychiatrischen Diagnostik erkannt und bestimmt wird, wie dies im Prinzip Karl Jaspers bereits als junger Psychiater erkannt hat (siehe sein Vorwort zur ersten Auflage seines Buches: „Allgemeine Psychopathologie“, 1913).

Und es beruht demgemäß die Diagnostik der psychischen Störungen auf der Phänomenologie bzw. auf der Psychopathologie.

Deswegen schreibt Jaspers sinngemäß zu Recht in seiner „Allgemeinen Psychopathologie“ (ab der 4. Auflage), dass (in der Psychiatrie) die Forschung unter Führung von Ideen vor sich geht, und der (zutreffende) Typ durch das (diagnostische) Schema der (diagnostischen) Idee angenähert erkannt bzw. bestimmt wird (vgl. mit Jaspers Zitat).

Diesen Sachverhalt hat Jaspers auf Grundlage der Philosophie von Immanuel Kant realisiert (vgl. mit Jaspers Zitat und mit Kant Zitat 7).*

Man kann die psychische Störung also nur durch den Begriff der Idee und daher durch die systematische Einheit der Idee nur subjektiv gültig erkennen und bestimmen.

Auf diese Art und Weise kann, im konkreten Fall die mit den psychischen Auffälligkeiten befasste Fachperson (Psychiater/Psychiaterin) durch durch das Vergleichen und Gewichten der Ideen – respektive durch das Ponderieren der Ideen (Immanuel Kant) – also durch das Vergleichen und Gewichten der Vorstellungen – auf der „Ebene der Ideen“ – durch die philosophische Methode der Dialektik – subjektiv gültig erkennen und entscheiden, welche diagnostische Einheit zutreffend ist. Mit anderen Worten: die Fachperson kann durch phänomenologische Befunde bzw. durch subjektive Befunde den (definierten) Typ der psychischen Störung erkennen und dadurch die psychiatrische Diagnose bestimmen.

Wohingegen in der Medizin der befasste Arzt/Ärztin die objektiv bestimmbare Krankheit/gesundheitliche Störung – auf der „Ebene der Objekte“ – durch objektive Befunde erkennt, und dadurch die Zugehörigkeit zur Gattung objektiv gültig bzw. allgemein gültig bestimmt (vgl. mit Jaspers Zitat). (Anmerkung: allerdings kann man in der Medizin ebenso diverse Störungen der Gesundheit  – so wie in der Psychiatrie – nur aufgrund der klinischen Erscheinung und daher ebenfalls nur subjektiv gültig erkennen und bestimmen).

Man kann in der Psychiatrie die unterschiedlichen psychischen Störungen also gemäß den verschieden definierten Typen durch die Schemata der Ideen in der psychiatrischen Diagnostik erkennen und subjektiv gültig bestimmen.

Eine psychische Störung ist also eine Störung der Gesundheit die sich durch psychische Auffälligkeiten, nämlich durch psychopathologische Phänomene manifestiert.

Anders betrachtet kann man sagen: bei einer psychischen Störung ist die psychische Funktion krankheitswertig beeinträchtigt und dies bewirkt das klinische Erscheinungsbild der psychischen Störung.

Demgemäß ist die psychische Störung eine krankheitswertige Störung der Gesundheit, bei der die betroffene Person – psychisch/psychologisch/psychiatrisch betrachtet: in ihrem Fühlen und/oder Denken und deswegen in ihrem Erleben, oftmals auch in ihrem Verhalten und Reagieren und damit auch in ihrer Leistungsfähigkeit beeinträchtigt ist.

Im Hinblick auf die Leistung der Psyche kann man auch sagen, dass die psychische Störung sich durch die beeinträchtigte/verminderte psychische Belastbarkeit und psychische Leistungsfähigkeit manifestiert und überhaupt ist dabei die allgemeine Leistungsfähigkeit beeinträchtigt und die Befindlichkeit beeinträchtigt.

Demgemäß wird in der Psychiatrie die psychische Störung durch die klinische Erscheinung in der Diagnostik erkannt und sie ist dabei durch den charakteristischen psychischen Symptomenkomplex definiert.

Es sind also die charakteristischen psychischen Symptome und die krankheitswertigen psychischen Phänomene, somit die typischen psychopathologischen Phänomene die charakteristischen Merkmale der psychischen Störung und es wird in der psychiatrischen Diagnostik eine bestimmte psychische Störung daher durch die entsprechende psychiatrische Kategorie gemäß der angewandten psychiatrischen Klassifikation  erfasst.

Man kann unter Anwendung der Philosophie von Immanuel Kant auch sagen, dass die psychische Störung durch das  diagnostische Schema der psychiatrisch- diagnostischen Idee gemäß dem entsprechenden Typus erfasst wird (vgl. mit Jaspers Zitat).

Demgemäß wird erkenntnistheoretisch betrachtet die psychische Störung – auf der Ebene der Ideen – durch das Gewichten der Vorstellungen bzw. Ideen durch die psychiatrische Idee bzw. durch die systematische Einheit der Idee erkannt (vgl. mit Kant Zitat 7).

Während in der Psychiatrie ein Psychiater die gesundheitliche Störung der Psyche durch die psychiatrische Diagnose bestimmt, erkennt in der Medizin ein Arzt die gesundheitliche Störung des Körpers durch die entsprechende medizinische Diagnose.

Man kann auch sagen, dass die psychische Störung sich durch die klinischen Erscheinungen bzw. durch das klinische Erscheinungsbild und dessen Verlauf manifestiert.

Grundsätzlich wird eine psychische Störung also durch eine phänomenologische Diagnose bestimmt.

Es ist die  psychische Störung also eine Störung der Psyche bei der das Erleben oftmals auch das Denken, Fühlen, Reagieren und Verhalten beeinträchtigt bzw. gestört ist und sich dieser Sachverhalt durch das klinische Erscheinungsbild und durch den Verlauf der psychischen Auffälligkeiten und Reaktionen manifestiert.

Unter Umständen ist infolge der psychischen Störung das Denkvermögen der Person erheblich beeinträchtigt und es kommt daher zu einer krankheitswertigen Störung der Kognition. In gewissen Fällen wird also infolge der psychischen Störung das Urteilsvermögen der Person deutlich beeinträchtigt bzw. eingeschränkt sein und es muss daher unterschieden werden, ob es sich im konkreten Fall um eine nur zeitweise aufgetretene geistige Einschränkung oder um eine zeitlebens bestehende Einschränkung im geistigen Vermögen handelt, was auf eine anlagebedingte geistige Behinderung hinweist.

Demgemäß wird die psychische Störung in der Psychiatrie von einer Fachperson, nämlich von einem Psychiater oder einer Psychiaterin in der psychiatrischen Diagnostik durch den psychischen Befund bzw. durch den psychiatrischen Befund erfasst oder in der Kinderheilkunde durch einen Kinder- und Jugendpsychiater.

Es bilden also die typischen psychischen Auffälligkeiten und Reaktionen, nämlich die typischen psychopathologischen Phänomene die charakteristischen Merkmale der psychischen Störung und es sind dies daher diese Erkennungsmerkmale die Kriterien der psychiatrischen Diagnose.

Die psychische Störung wird somit durch die psychiatrische Diagnose auf Grundlage der Psychopathologie oder man kann auch sagen auf Grundlage der Phänomenologie durch den Begriff der diagnostischen Idee vermittelt durch das diagnostische Schema der Idee (vgl. mit Kant Zitat 7) erkannt (Weiteres dazu siehe nachfolgend).

Eine psychische Störung wird somit psychopathologisch begründet bzw. phänomenologisch begründet von der Fachperson in der psychiatrischen Diagnostik erfasst.

Dabei werden die unterschiedlichen psychischen Störungen gemäß der angewandten psychiatrischen Klassifikation durch die verschieden definierten psychiatrischen Kategorien in der psychiatrischen Diagnostik erfasst.

Bei einer psychischen Störung tritt also eine Störung im Erleben – somit im Seelenleben der Person auf – und es ist daher unter Umständen auch ihr Verhalten und Reagieren beeinträchtigt bzw. gestört.

Es geht die psychische Störung also mit einer Störung der Gesundheit der Person bzw. des Individuums einher.

In der Regel ist die Befindlichkeit der betroffenen Person mehr oder weniger stark – nicht nur in Bezug auf die Psyche – sondern auch in Bezug auf den Körper und die körperliche Funktion beeinträchtigt. Es kommt bei vielen psychischen Störungen zum Beispiel zu  Biorhythmusstörungen und damit auch zu körperlichen Symptomen und körperlichen Phänomenen. Neben der psychischen Funktion kann also auch die körperliche Funktion erheblich beeinträchtigt bzw. gestört sein.

Eine psychische Störung wird derzeit in der psychiatrischen Diagnostik entweder durch die psychiatrischen Kategorien der psychiatrischen ICD-10 Klassifikation oder durch diejenigen der DSM-5 Klassifikation erfasst.

Dabei erkennt eine in der Psychiatrie ausgebildete Fachperson – also ein Psychiater bzw. eine Psychiaterin – die psychische Störung durch ihr psychiatrisches Denken infolge ihrer klinischen Erfahrung und somit aufgrund ihres fachlichen Wissens. Dabei wird – in den Worten des Psychiaters und Philosophen Karl Jaspers gesprochen – die psychische Störung durch die denkende Anschauung unter Führung von Ideen in Bezug auf (definierte) Typen durch das Schema der Idee (vgl. mit Jaspers Zitat) erkannt.

Das bedeutet dass das Ausmaß der Störung der Psyche nur durch die geistige Messung erfasst werden kann. Mit anderen Worten: eine psychische Störung kann man nicht physisch bzw. nicht biologisch (physisch etwa physiologisch) messen, sondern man sie nur jenseits der physis (= Natur) also nur meta-physisch – somit nur geistig messen. Anders gesagt: man kann das Vorhandensein der psychischen Störung nur durch das Denken bzw. nur durch die Anwendung von Ideen erkennen und durch das Gewichten der Ideen auf der Ebene der Ideen (Ponderieren der Ideen), die auf die psychischen Auffälligkeiten anwendet bzw. projiziert werden, erfasst werden.

Der Nervenarzt und Internist Wilhelm Griesinger hat erkannt, dass die psychischen Krankheiten (psychischen Störungen) auf der Grundlage der psychischen Anomalie (vgl. mit Griesinger Zitat) diagnostiziert werden, wenngleich er andererseits geglaubt hat, dass die gesundheitlichen Störungen der Psyche, also die psychischen Krankheiten in Zukunft infolge der zu Grunde liegenden anatomischen Veränderungen des Gehirns erkannt werden können (vgl. mit Griesinger Zitat). Dies sollte sich jedoch als nicht möglich erweisen – wie die weitere Entwicklung in der Psychiatrie gezeigt hat.

Über die unterschiedlichen Formen der psychischen Störungen:

Man kann bei den psychischen Störungen folgendes unterscheiden:

Es kann bei einer psychischen Störung vorallem die Gemütsfunktion gestört sein. Es können also die Stimmung und damit die Gefühle und die Emotionen gestört sein, dann spricht man von einer affektiven Störung.

Oder es kann bei einer psychischen Störung überwiegend die Funktion des Denkens gestört sein, dann spricht man von einer kognitiven Störung oder von einer Störung der Kognition.

Natürlich können bei einer psychischen Störung auch beide Funktionen bzw. beide Phänomene der Psyche gestört sein. Es kann also sowohl das Denken wie auch das Gemüt wesentlich gestört sein.

Bei einer typischen psychischen Störung bilden die psychischen Symptome und die psychischen Phänomene einen charakteristischen psychischen Symptomenkomplex.

In der Diagnostik der psychischen Störungen erfasst man den gesamten psychischen Symptomenkomplex durch die entsprechende psychiatrische Kategorie und so gelangt ein Psychiater / Psychiaterin auf der Grundlage der psychischen Auffälligkeiten, also auf der Grundlage der psychischen Anomalie (-> vgl. mit Griesinger Zitat) zur psychiatrischen Diagnose.

Erkenntnistheoretisch bzw. philosophisch betrachtet erkennt man die Merkmale einer psychischen Störung durch den Begriff der Idee durch den die psychischen Auffälligkeiten vermittelt durch das Schema der Idee geistig auffasst werden (vgl. mit Kant Zitat 7 ). Es wird die psychische Störung also durch die systematische Einheit der Idee erkannt, die in der Form des Begriffs der Idee im Bewusstsein der erkennenden Person erscheint, wenn diese die Merkmale der Idee mithilfe des Schemas der Idee geistig auffasst (vgl. mit Kant Zitat 7 und Jaspers Zitat).

Man erkennt also eine psychische Störung auf der Ebene der Vorstellungen durch die einzelnen charakteristischen psychischen Symptome und krankheitswertigen psychischen Phänomene und damit durch die einzelnen psychopathologischen Phänomene, die in der Regel einen mehr oder weniger typischen psychischen Symptomenkomplex bilden. Diese charakteristischen bzw. typischen Merkmale der psychischen Störung, werden im konkreten Fall durch die entsprechende psychiatrische Kategorie geistig aufgefasst, falls sie der diagnostischen Einheit und damit der psychiatrischen Diagnose hinreichend genügen.

So erkennt etwa ein Psychiater durch die Anwendung der psychiatrischen Ideen bzw. durch die Anwendung der psychiatrischen Kategorien der psychiatrischen Klassifikation, ob etwa eine depressive Störung im Sinn einer Depression vorliegend ist, oder, ob eine sonstige psychische Störung besteht. Auf diese Art und Weise erkennt im konkreten Fall der Psychiater die einzelnen psychopathologischen Phänomene und schließlich auch den ganzen psychischen Symptomenkomplex und damit die zugehörige psychiatrische Diagnose vermittelt durch das Schema der (diagnostischen) Idee (vgl. mit Kant Zitat 7 ).

Die Begriffe der einzelnen psychopathologischen Phänomene erscheinen also als mentale Erkenntnisobjekte im Bewusstsein der erkennenden Fachperson, wenn diese entsprechenden psychischen Auffälligkeiten bemerkt (vgl. mit Kant Zitat 7). Man erkennt somit eine psychische Störung durch die systematische Einheit der Idee, die als der Begriff der Idee im Bewusstsein der erkennenden Person als Gegenstand in der Idee erscheint (griechisch: phenomenon – das was erscheint, das Erscheinende) (vgl. mit Kant Zitat 7 ).

Oder man kann auch sagen: man erkennt die psychische Störung und damit die psychiatrische Diagnose falls die einzelnen Merkmale durch das Schema der Idee geistig aufgefasst werden können. Daher schreibt Karl Jaspers in seinem Buch „Allgemeine Psychopathologie“ dass ich das Ganze als Idee nicht geradezu erkennen kann, sondern ich mich diesem Ganzen als Idee durch das Schema der Idee nur nähern kann (vgl. mit Jaspers Zitat).

Man kann daher auch sagen:

Der Begriff der psychischen Störung ist die systematische Einheit (der Idee), die im Bewusstsein der erkennenden Person erscheint, wenn diese die Merkmale der Idee durch das Schema der Idee geistig auffasst (vgl. mit Kant Zitat 7 ).

Falls eine Laienperson von einer psychischen Störung spricht, so deckt sich das, was sie damit meint, nicht unbedingt mit dem, was eine Fachperson unter dem Begriff der psychischen Störung versteht, weil die Fachperson die Kriterien der verschiedenen psychischen Störungen gemäß der angewandten psychiatrischen Klassifikation kennt, wohingegen man dies von einer Laienperson nicht erwarten kann, und es fehlt der Laienperson auch die klinische Erfahrung um diese Unterscheidung in Bezug auf die krankheitswertige Störung der Psyche vorzunehmen.

Eine psychische Störung – so wie sie eine Fachpersonen der Psychiatrie versteht – erfüllt die diagnostischen Kriterien einer psychiatrischen Kategorie z.B. die der psychiatrischen ICD-10 Klassifikation oder die der DSM-5 Klassifikation.

Weil psychische Störungen durch die Begriffe der diagnostischen Einheiten auf der „Ebene der Ideen“ gemäß den verschieden definierten Typen erkannt werden, erkennt man damit, dass man psychische Störungen unterschiedlich definieren kann. Man kann also – wie dies ebenfalls Karl Jaspers erkannt hat – die psychischen Erscheinungen unter verschiedenen, von einander abweichenden Gesichtspunkten geistig auffassen und es schreibt daher Karl Jaspers treffend, dass es sich bei diesen Schemata um methodische Hilfsmittel handelt, die grenzenlos korrigierbar und verwandelbar sind  (vgl. mit Jaspers Zitat).

Man kann eine psychiatrische Kategorie „so“ definieren oder unter Umständen auch anders definieren, etwa wie sie in der psychiatrischen ICD-9 Klassifikation beschrieben und definiert worden ist, oder wie sie in der DSM-IV Klassifikation oder in sonst einer psychiatrischen Klassifikation definiert worden ist. Deswegen sind früher in den Ländern unterschiedliche psychiatrische Klassifikationen entstanden und verwendet worden.

Aus diesem Sachverhalt wird deutlich, dass es sich beim Erkennen einer psychischen Störung  um eine diagnostische Einheit handelt, die von einer Konvention abhängig ist.

Es handelt sich somit bei der diagnostischen Einheit einer psychischen Störung und damit bei einer psychiatrischen Diagnose um eine ganze andere diagnostische Einheit als in dem Bereich der Medizin in dem die medizinischen Diagnose durch körperliche objektive Befunde festgestellt werden kann.

Weil man die psychischen Störungen nur auf der Ebene der Vorstellungen, also nur auf der Ebene der Ideen auf der Grundlage von bloßen Ideen diagnostisch erfassen kann, und man daher diese Einheiten nicht auf der Ebene der Objekte überprüfen kann, handelt es sich dabei um systematische Einheiten im Sinne von Immanuel Kant (vgl. mit Kant Zitat 7 und Kant Zitat 8), die nicht auf ein Objekt zurückgeführt und auf dieser Grundlage bestimmt werden können. Es ist dies also eine diagnostische Einheit, die nicht am Probierstein der Erfahrung (vgl. mit Kant Zitat 10) im hier und jetzt überprüft werden kann, sondern, die auf der Grundlage der klinischen Erfahrung und der vernünftigen Überlegung von in der Psychiatrie tätigen Ärzten als solche durch die denkende Anschauung (vgl. mit Jaspers Zitat) erkannt und in Bezug auf ihre Grenzen definiert worden ist. Daher kann eine solche diagnostische Einheit nur mit der philosophischen Methode der Dialektik erkannt werden.

Man kann also die Einheiten der psychischen Störungen verschieden definieren; und man kann daher diese unter verschiedenen Gesichtspunkten auffassen. Daher kann man sie auch verschieden verstehen. Dies hat zur Folge, dass solches Wissen kein absolutes Wissen ist, sondern relatives Wissen ist, das auf der Grundlage von subjektivem Wissen erlangt wird. Man kann daher auch sagen, dass solches Wissen immer beschränktes Wissen ist, weil ich das Ganze als Idee nicht geradezu erkennen kann – wie dies Karl Jaspers formuliert hat. (-> vgl. mit Jaspers Zitat und mit Kant Zitat 3a). Beziehungsweise kann man sagen, dass es sich in der Psychiatrie um angenähertes Wissen handelt, das man auf der Grundlage von Ideen und zwar auf der Grundlage von bloßen Ideen somit auf der Grundlage von definierten Konzepten erkannt hat, die man aus der Erfahrung abgeleitet hat.

Bei einer psychischen Störung handelt es sich also um eine funktionelle Störung, die die Psyche betrifft und, die man auf der Grundlage von aus der Erfahrung abgeleiteten Ideen erkennt. Eine solche gesundheitliche Störung wird auf der Grundlage von abnormen bzw. krankheitswertigen psychischen Erscheinungen (psychischen Phänomenen) erfasst, die zum Teil von der betroffenen Person subjektiv erlebt werden und die zum anderen Teil unter Umständen von der betroffenen Person nicht subjektiv erlebt werden, jedoch von anderen Personen als auffällige psychische Phänomene also als psychopathologische Phänomene bemerkt, beobachtet und beschrieben werden.

Im Rahmen der Psychiatrischen Diagnostik werden diese Merkmale erfasst und es ergibt sich daraus der psychische Symptomenkomplex und damit je nach dem Sachverhalt eine relevante psychiatrische Diagnose, wenn es sich um eine krankheitswertige psychische Erscheinung handelt.

Man erkennt damit, dass es sich also beim psychiatrischen Diagnostizieren um das Erkennen von systematischen Einheiten handelt, die innerhalb einer definierten Ideenlehre bzw. die innerhalb einer per Konvention festgelegten Ideologie erkannt werden. Man kann also sagen, dass eine psychiatrische Klassifikation auf einer Dogmatik beruht (gr. dogmaMeinung, Denkart, Lehrmeinung). (vgl. mit Kant Zitat 10)

Im Gegensatz dazu sind die Erkenntnisse in der körperlichen Medizin – soweit sie sich auf  objektive Befunde gründen – nicht von einer Konvention bzw. nicht von einer  definierten Ideenlehre (respektive Dogmatik) abhängig, weil diese gesundheitlichen Störungen (Krankheiten) durch die „Natur“ bzw. durch gewisse „physische“ Objekte bzw. die objektiv feststellbaren Zeichen dieser Naturobjekte erkannt und daher auf der Grundlage einer solchen Natureinheit, die eine natürliche Krankheitseinheit ist, objektiv gültig und daher allgemein gültig bestimmt werden können. (Weiteres über die psychiatrische Klassifikationen finden Sie in diesem Beitrag.)

Eine psychische Störung können wir also diagnostisch nicht allgemein gültig bzw. nicht objektiv gültig bestimmen – so wie dies in der körperlichen Medizin zum Teil möglich ist – sondern nur subjektiv gültig. Daher erlangen wir in der Psychiatrie nur beschränkte Erkenntnisse, die man in der Schwebe halten sollte – wie dies ebenfalls Karl Jaspers erkannt und zutreffend gefordert hat. (vgl. mit Jaspers Zitat 2 und mit Kant Zitat 22)

Bei einer psychiatrischen Idee handelt es sich nämlich – so wie bei einer psychologischen Idee um eine bloße Idee, die in Bezug auf ihre Grenzen auf der Ebene der Ideen definiert worden ist.

Angemerkt sei, dass eine psychische Störung auch im Zusammenhang mit einer neurologischen Störung vorkommen kann (Beispiele dazu siehe weiter unten)

Beispiele für psychische Störungen bzw. deren psychiatrische Diagnosen sind:

Depression

AngststörungPanikattacke

ADHS

Schizophrenie

manisch depressive Krankheit (MDK)

Paranoia

Demenz (Alzheimerkrankheit, Morbus Alzheimer, vaskuläre Demenz, Lewi-Body-Demenz usf.)

Persönlichkeitstörung

Organisches Psychosyndrom (OPS)

Psychose

Autismus

Psychische Störungen wie sie im Zusammenhang mit neurologischen Störungen vorkommen:

Bewusstseinsstörung im Sinn einer Vigilanzstörung etwa in Folge einer Kopfverletzung

Gedächtnisstörung zum Beispiel nach Schlaganfall / Apoplex

Orientierungstörung nach Schlaganfall oder im Rahmen von Hirnabbauerkrankungen oder bei einem Durchgangssyndrom, wie sie in der Neurologie diagnostiziert werden.

usf.

Anmerkung zur Diagnostik von psychischen Störungen in der Psychologie:

Grundsätzlich wird auch in der Psychologie eine Erscheinung der der normalen Psyche und damit ein normales psychisches Phänomen durch den Begriff der Idee erkannt – die hier eine psychologische Idee ist. Es wird demgemäß das fachliche Wissen in der Psychologie – so wie in der Psychiatrie – durch die philosophische Methode der Dialektik erlangt – nämlich durch das Vergleichen und Gewichten der Ideen auf der „Ebene der Ideen“ – durch die Fachperson/Psychologe/Psychologin. Dabei sind die Psychologe und Psychotherapie soweit sie mit der Therapie von psychischen Störungen befasst sind primär mit psychischen Erscheinungen befasst die nicht den schweren psychischen Störungen zuzurechnen sind. Und es ist demgemäß die Diagnostik der psychischen Störungen in der Klinik der Psychiatrie entwickelt worden.*

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Weiteres* zum Erkennen und zur Diagnostik von psychischen Störungen in meinem Buch:

Diagnostik, Klassifikation und Systematik in Psychiatrie und Medizin

erschienen im Verlag tredition, im April 2019

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(letzte Änderung 03.01.2020, abgelegt unter: psychische Störung, Diagnostik, Definition, Neurologie, Psychiatrie, Psychologie, Psychopathologie)

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