Dr.med. Othmar Mäser, Psychiater Psychotherapie

Burnout

Burnout (Burnout-Syndrom) ist der Zustand, bei dem die chronische psychische Spannung und die damit verbundene psychische Belastung zur psychischen Erschöpfung mit vielfältigen psychischen Symptomen und auch körperlichen Phänomenen geführt hat.

Man kann daher auch sagen, dass das Burnout-Syndrom sich auf der Grundlage eines nervösen Erschöpfungszustandes entwickelt hat und zu einer gesundheitlichen Störung des Körpers und der Psyche im Sinne einer chronischen psychischen Störung – meist vom Typ einer depressiven Störung – geführt hat.

Dabei ist der wesentlichste Faktor der komplexen Ursache des Burnout in der Regel die chronische psychische Anspannung und damit der chronische Stress.

Der Begriff burnout stammt aus dem Englischen und meint wörtlich: „ausgebrannt„.

Der Begriff burnout ist – genau genommen – kein medizinischer Fachbegriff.

Allerdings ist das Wort burnout bzw. dieser Begriff heute in aller Munde und entspricht das, was man unter einem burnout versteht weitgehend dem, was man unter einem chronisch depressiven Erschöpfungszustand bzw. einer chronisch verlaufenden depressiven Störung mit psychischen und körperlichen Symptomen versteht.

Ein burnout bzw. ein Burnout – Syndrom ist also eine Form einer Depression, die nach einer lang andauernden Belastung bzw. nach einer chronischen Belastung und der damit verbundenen Überlastung aufgetreten ist, und bei der neben psychischen Symptomen auch körperliche Symptome zur psychischen Erschöpfung bzw. zum nervlichen Erschöpfungszustand geführt haben.

In der Regel findet man also bei einem Burnout-Syndrom sowohl psychische Symptome wie auch körperliche Symptome. Oftmals sind sogar die körperlichen Symptome vordergründig, insbesondere vegetative Symptome, also Symptome, die das vegetative Nervensystem betreffen. Daher spricht man bei einer solchen gesundheitlichen Störung (Krankheit) nicht unbedingt von einer Depression bzw. von einer depressiven Störung. Im Grunde genommen handelt es sich jedoch um einen chronischen, nervlichen Reiz- bzw. Erschöpfungszustand, der von der depressiven Störung nicht grundsätzlich verschieden ist. Ein Burnout-Syndrom ist in der Regel in Folge von langzeitmäßigen suboptimalen Anpassungsprozessen bzw. sich ungünstig auswirkenden Lernprozessen entstanden. Man kann daher auch von einer unvorteilhaften Konditionierung sprechen. Damit deutet sich an dass in der Therapie die Dekonditionierung oder man kann auch sagen das Um-Lernen einen vorrangigen Stellenwert einnimmt.

Da man nicht nur das lernt, was man absichtlich lernen will, hat man auch unvorteilhafte Dinge „gelernt“, die zur Entstehung der Symptome und Beschwerden in Folge der Überlastung geführt haben.

Man kann also – biologisch betrachtet sagen -dass sich unvorteilhafte neuronale Muster im Zusammenhang der langzeitmäßigen Belastung und Anpassung entwickelt haben und diese sich in der Form der Symptome  manifestieren.

Man hat sich zwar an die Dinge adaptiert – so gut man eben konnte – aber dabei haben sich ungesunde Muster entwickelt, die sich in der Form der Störungen manifestieren und die zur eingeschränkten Leistungsfähigkeit geführt haben. Oder man kann auch sagen: der Organismus hat Angesichts der chronischen Überlastung versucht das Beste daraus zu machen und das „Burnout-Syndrom“ ist nun das Ergebnis davon.

Daher kann man von einem negativen Lernen sprechen, das zu dieser Form einer gesundheitlichen Störung geführt hat.

Demgemäß kommen bei der Behandlung eines Burnout-Syndroms – je nach dem Beschwerdebild und der Situation – zum Teil gleichartige Therapiemaßnahmen zur Anwendung wie bei einer depressiven Störung, darüber hinaus sind, je nach Sachverhalt auch noch andere Therapiemaßnahmen angezeigt. Insbesondere geht es auch um ein Umlernen bzw. um eine Dekonditionierung. Oder man kann auch sagen, es geht um den Ersatz der gestörten Funktion durch das „Wieder-Erlenen“ der normalen, gesunden Funktion. Es liegt auf der Hand, dass derartige teils bewusste und teils unbewusste Lernprozesse erstens Zeit benötigen – und es so gesehen kein Wunderheilmittel gibt – und zweitens muss das richtige Verständnis und ein wirksamer Ansatz gefunden werden. Wenn jedoch die „Richtung“ stimmt dann kann die der Person innewohnende „Natur“, die an und für sich immer Richtung Heilung geht, durch die geeignete Therapie unterstützt werden.

Eine Anmerkung zum Begriff burnout„:

Das Wort burnout heißt soviel wie „ausgebrannt“. Tatsächlich kann natürlich das Nervensystem und der sonstige Körper nicht „ausbrennen“. Es findet also keine „Verbrennung“ statt. Durch die Bezeichnung „ausbrennen“ wollte der Erfinder dieses Wortes wahrscheinlich ausdrücken, dass bei einer solchen gesundheitlichen Störung schlussendlich ein Zustand eintritt, bei dem es nur sehr langsam zu einer gesundheitlichen Erholung kommt. Tatsächlich macht man die Erfahrung dass derartige Störungen sich nur langsam bessern, die gesundheitliche Änderung bzw. die gesundheitliche Besserung hängt wesentlich davon ab, ob die Bemühungen in die richtige Richtung laufen, ob also eine geeignete Therapie unternommen wird. (Anmerkung: Weiteres dazu auf den Powerpoint-Folien des Vortrags: Nervöse Erschöpfung gehalten im Rahmen der Feldkircher Arztgespräche 2015)

Letztlich ist es bei einer solchen gesundheitlichen Störung, so wie bei vielen anderen gesundheitlichen Störungen. Wenn die wesentlichen Dinge im konkreten Fall richtig erkannt und unternommen werden, das heißt wenn die richtigen Therapiemaßnahmen bzw. auch die sonstigen wesentlichen und notwendigen Veränderungen unternommen werden, dann kann durchaus in absehbarer Zeit ein wesentlicher gesundheitlicher Fortschritt bzw. eine Entwicklung in Richtung Heilung in Gang kommen. Wenn die notwendigen Veränderungen nicht unternommen werden – aus welchen Gründen auch immer – und ineffiziente Therapiemaßnahmen unternommen werden, dann ist es auch nicht weiter verwunderlich, wenn der sogenannt „ausgebrannte“ Zustand lange andauert und unter Umständen keine Erholung bzw. Genesung eintritt.

Man sollte sich jedoch durch den Begriff „ausgebrannt“ nicht entmutigen lassen – das heißt man sollte nicht im Glauben leben, dass man in einem solchen Fall nichts machen kann – denn der Begriff ist nur eine Bezeichnung – ein Etikett – für die gesundheitliche Störung, die nach langzeitmäßiger Entwicklung eingetreten ist.

Erkenntnistheoretisch bzw. philosophisch betrachtet handelt es sich bei einem burnout bzw. bei einem Burnout-Syndrom um einen nicht näher definierten Symptomenkomplex mit psychischen und körperlichen Symptomen. Es ist ein burnout also eine nicht näher definierte diagnostische Einheit. Weil man diese Diagnose nur auf der Ebene der Vorstellungen bzw. nur auf der Ebene der Ideen geistig erfassen kann handelt, es sich dabei um eine systematische Einheit unter der die einzelnen Symptome und Phänomene geistig aufgefasst werden (vgl. mit Kant Zitat 7). Es ist dies also der Begriff einer Idee (vgl. mit Kant Zitat 7). Man kann auch sagen, es ist der Begriff burnout eine zweckmäßige Einheit. Oder man kann auch sagen es ist der Begriff burnout ist eine projektierte Einheit unter der man den Symptomenkomplex geistig auffasst.

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Weiteres zum Thema Burnout finden Sie

im blog: burnout

und im blog: Depression

 

(letzte Änderung 26.11.2018, abgelegt unter: burnout, Depression, Definition, Medizin, Psyche, Psychiatrie, Psychohygiene, Psychologie, Psychosomatik, Psychotherapie)

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