Dr.med. Othmar Mäser, Psychiater Psychotherapie

Depression

Eine Depression ist eine psychische Störung bei der die Funktion des Gemüts erheblich  beeinträchtigt ist.

Man spricht in der Psychiatrie daher auch von einer depressiven Störung.

Es ist bei einer Depression bzw. bei einer depressiven Störung also vor allem das Erleben im Hinblick auf die psychische Funktion die das Gemüt betrifft gestört.

Man spricht daher bei einer Depression von den Symptomen der „Losigkeit“: von der „Lust-Losigkeit“, der „Antriebs-Losigkeit“, man ist energielos, schlaflos, das Konzentrationsvermögen ist vermindert etc., dadurch bedingt ist auch körperliche und psychische Leistungsfähigkeit erheblich reduziert.

Der Begriff Depression charakterisiert die in Bezug auf die Stimmung niedergedrückte Psyche (lateinisch deprimere: niederdrücken).

Die Stimmung befindet sich im negativen Skalenbereich.  Die psychische Kraft und somit die psychische Leistungsfähigkeit sind erheblich reduziert. Daher handelt es sich primär um eine Gemütsstörung also um eine Störung bei der das Gemüt beeinträchtigt ist und man spricht daher in der Psychiatrie  von einer affektiven Störung.

Es handelt sich bei der Depression also um eine psychische Störung bei der die innere Energie vermindert ist und es sind daher die sogenannten „Losigkeits – Symptome“ die charakteristischen Merkmale bzw. die charakteristischen psychopathologischen Phänomene dieser psychischen Störung.

Dabei kann die Stimmung mehr oder weniger stark niedergedrückt und beeinträchtigt sein. In manchen Fällen ist die Stimmung bis hin zur Hoffnungslosigkeit und zur Verzweiflung niedergedrückt. Es kann Suizidalität auftreten. Bei einer leichten depressiven Störungen ist die Stimmung nicht so stark beeinträchtigt und es stehen hier häufig andere Symptome (Gereiztheit, geringe Belastbarkeit, erschwerte Assoziation,  Gedächtnisstörungen, eine Schlafstörung oder andere Zeichen) im Vordergrund. In vielen Fällen stehen auch körperliche Symptome (Kraftlosigkeit, Zittern, allgemeine Unsicherheit mit Schwindelgefühlen, Insuffizienzgefühle, nervöse Herzbeschwerden, überhaupt eine Vegetative Störung und sonstige Beschwerden) im Vordergrund, wovon an anderer Stelle noch die Rede ist.

Dabei ist bei einer Depression praktisch regelmäßig der Antrieb vermindert und damit gestört.

Die innere Energie fehlt um etwas zu unternehmen, sodass die betroffene Person wenig oder in scheren Fällen nichts zustande bringt.

Damit einhergehend besteht das psychische Symptom der Lustlosigkeit.

Im zuvor genannten Sinn ist bei einer Depression das Vermögen sich zu konzentrieren vermindert. Es treten Konzentrationsstörungen auf. Es kann somit das Denken bzw. das Denkvermögen beeinträchtigt sein, vor allem in dem Sinn, dass der betroffenen Person die Dinge nicht einfallen – es bestehen Assoziationsstörungen –  was sonst nicht der Fall ist. Somit bestehen bei einer depressiven Störung häufig Merk- und Gedächtnisstörungen, die subjektiv als beeinträchtigend erlebt werden.

Bei einer Depression kommt es somit zur Beeinträchtigung der Kognition. Im Vordergrund steht in der Regel jedoch die Gemütsstörung und damit die affektive Störung. Häufig sind körperliche Symptome und körperliche Phänomene im Sinn einer funktionellen Störung stärker ausgeprägt, wie dies nachfolgend noch näher beschrieben wird.

Von einer Depression bzw. von einer depressiven Störung spricht man somit wenn ein ausgeprägter Stimmungsabfall eintritt und in der Regel auch das psychische Symptom der Lustlosigkeit und das krankheitswertige psychische Phänomen einer Antriebsstörung und weitere psychische Auffälligkeiten im Sinne von Minus-Symptomen – man spricht von „Losigkeits-Symptomen“ – vorhanden sind.

Praktisch immer ist bei einer Depression nicht nur das psychische Befinden beeinträchtigt, sondern auch das körperliche Befinden. Es bestehen demgemäß Befindlichkeitsstörungen, die sich in einer Störung des körperlichen Wohlbefindens manifestieren, etwa in der Form von unklaren Missempfindungen (Kribbeln in den Armen, ein Druckgefühl am Kopf, Missempfindungen im Bereich der behaarten Kopfhaut, ein Druckgefühl im Hals- Kehlkopfbereich – man spricht dann von einem Globusgefühl usf.). Diese Missempfindungen geben häufig Anlass zur Konsultation eines Arztes aus der Organmedizin und es wird dann vorerst eine relevante körperliche Krankheit ausgeschlossen bevor man berechtigt sagen kann, dass es sich um Symptome einer Depression handelt.

Biologisch betrachtet gibt es Anhaltspunkte dafür, dass bei einer Depression der Gehirnstoffwechsel beeinträchtigt ist und zwar in dem Sinn das gewisse Botenstoffe zur Übertragung der Nervenzellimpulse zwischen den einzelnen Nervenzellen vermindert sind, wovon nachfolgend noch die Rede ist.

Depressionen bzw. depressive Störungen sind häufig.

In unserer Zeit mit zunehmenden psychischen Reizen und Belastungen nimmt die Häufigkeit der Depressionen zu.

Mehr oder weniger ausgeprägt erleben alle Menschen zeitweise ausgeprägtere Stimmungsschwankungen.

Bei den meisten Menschen ist im Herbst eine andere Stimmung bzw. eine andere Grundstimmung vorherrschend als im Frühling. Im Herbst sind die meisten Menschen weniger aktiv und weniger unternehmungslustig als im Frühling. Bekanntlich gehen manche Tiere in einen „Winterschlaf“, dies ist zwar bei uns Menschen nicht der Fall, aber im Einklang mit der Natur kommt es auch bei uns im Herbst zu einem Aktivitätsrückgang und zu einer anderen Gestimmtheit. Verstehbar treten daher Depressionen gehäuft in der Herbst / Winterzeit auf wenn von Natur aus die „Kräfte“ zurückgehen. Die Erfahrung lehrt allerdings, dass auch zu anderen Jahreszeiten depressive Störungen auftreten. Wenn die Symptome in den negativen Skalenbereich ein gewisses Ausmaß erlangt haben, dann spricht man von einer krankheitswertigen depressiven Störung.

Man geht davon aus, dass diese Gemütsschwankungen mit Veränderungen im Gehirnstoffwechsel einher gehen. Es gibt Anhaltspunkte dafür, dass die Konzentration von gewissen Botenstoffen, welche die Impulsübertragung zwischen den Nervenzellen bewirken, bei depressiven Personen beeinträchtigt bzw. erniedrigt sind. (Mehr über die Informationsübertragung zwischen den einzelnen Nervenzellen über die Kontaktstellen, die sogenannten Synapsen finden sie auf der -> Wikipedia Seite).

Im klinischen Erscheinungsbild imponieren Depressionen verschieden. Das heißt nicht bei jeder depressiven Störung treten alle charakteristischen psychischen Symptome auf. Oftmals stehen körperliche Symptome im Vordergrund. In diesen Fällen wird die Diagnose „Depression“ allerdings erst dann gestellt, wenn körperliche Ursachen für die körperlichen Symptome ausgeschlossen worden sind. Das heißt wenn im Rahmen der körperlichen Abklärung keine Ursache gefunden wird, die die Beschwerden körperlich erklärt, dann ergibt sich daraus die Schlussfolgerung, dass wahrscheinlich nervliche Gründe (endogene Funktionsstörungen im Nervensystem und / oder psychische Belastungen) die Ursache der depressiven Störung sind. Man spricht daher in manchen Fällen von einer sogenannten „Somatisierung“ (griechisch: soma – der Körper) bzw. von einer „somatisierten Depression“ wenn die körperlichen Beschwerden im Vordergrund stehen. In einem solchen Fall stellt man sich vor, dass dieses klinische Erscheinungsbild unter Umständen die Folge einer psychischen Störung ist, also psychisch bedingt ist (Anmerkung: allerdings können auch sonstige Faktoren für diesen Zustand wesentlich sein, weil es sich in der Regel um eine komplexe Ursache bzw. um eine multifaktorielle Ursache handelt).

In gewissen Fällen einer biologischen Störung des Nervensystems sind die psychischen Symptome oftmals nur wenig ausgeprägt und es stehen in diesen Fällen die körperlichen Symptome im Vordergrund. Andere Male sind sowohl psychische Symptome wie auch körperliche Symptome in ausgeprägter Form vorhanden. Tatsächlich findet man bei jeder depressiven Störung neben den psychischen Symptomen in mehr oder weniger starker Ausprägung immer auch körperliche Symptome und körperliche Phänomene.

Häufige Symptome bei depressiven Störungen sind die folgenden:

Unruhe

Angst, vermehrte Ängstlichkeit bis hin zu Panikattacken

Konzentrationsstörungen

Lustlosigkeit

Interesselosigkeit

Verminderung des Antriebs

gedrückte Stimmung bis hin zur Verzweiflung

Gedächtnisstörungen

Störungen der Merkfähigkeit

erhöhte Ermüdbarkeit, Leistungsabfall

Schlafstörungen

typisch fühlt sich die depressive Person am Morgen schlechter als am Abend

die depressive Person muss sich zu allem überwinden bzw. zwingen, unter Umständen gelingt ihr dies nicht mehr

die Dinge gehen nur schwer von der „Hand“

unter Umständen kann die schwer depressive Person gar nichts mehr erledigen

Selbstwertzweifel treten auf

Angst, Unsicherheit, negative Gedanken kommen einem ständig in den Sinn

Es können: nervöse Magenbeschwerden, nervöse Darmbeschwerden, nervöse Herzbeschwerden oder sonstige körperliche Beschwerden auftreten, dies ohne erkennbare körperliche Ursache

Appetitlosigkeit oder vermehrtes Essen treten auf

übermäßiges Schwitzen

verminderte sexuelle Lust (Libidoverlust)

…… wobei – wie bereits gesagt – bei der körperlichen Abklärung keine körperliche Ursache gefunden werden konnte.

Je nach dem individuellen Beschwerdebild (Symptomenkomplex) stehen mehr die einen oder mehr die anderen Symptome im Vordergrund.

Das klinische Erscheinungsbild kann also bei einer Depression verschieden sein und ergeben sich daraus in der Regel auch Hinweise was bei der Therapie beachtet werden soll und sinnvoll ist zu unternehmen.

Zur Therapie der depressiven Störungen:

Wenn nach der ärztlichen Abklärung die psychiatrische Diagnose festgestellt worden ist, so ergibt sich aus dem vorliegenden Zustand und der Entstehungsgeschichte die therapeutische Vorgehensweise.

Die Therapie wird also nach dem Untersuchungsbefund und der Krankheitsgeschichte bzw. der Entwicklung der Störung festgelegt.

Meist „hört“ man schon aus der Schilderung unter welchen Umständen sich die Symptome entwickelt haben. Dabei kann eine Ursache erkennbar sein (ev. die berufliche Belastung, familiäre Belastung,  eventuell seit früher Kindheit, hohe persönliche Ziele und Vorgaben, langzeitmäßiges, überhöhtes Leistungsstreben, übermäßige Pflichtbewusstheit, übermäßiges Verantwortungsbewusstsein etc.). In manchen Fällen treten die Beschwerden auf, ohne dass man herausragende Gründe ausfindig machen kann.

Aus all diesen Gegebenheiten ergibt sich die persönliche Geschichte und es resultieren daraus die Ansätze für die individuelle Therapie.

Die Frage: ob Medikamente zum Einsatz kommen sollen, ergibt sich in der Regel aus dem Schweregrad der depressiven Störung. Bei depressiven Störungen von leichtem Grad, also bei depressiven Störungen, bei denen die Symptome nicht stark ausgeprägt sind, kann oftmals die alleinige Psychotherapie oder Beratung zum Ziel führen (siehe dazu auch die Seite: Fragen / Antworten).

Bei ausgeprägten depressiven Störungen, also bei depressiven Störungen von mittlerem Grad bis schwerem Grad, wenn die Person bereits Mühe hat sich zu konzentrieren, wenn sie durch alles und jedes sogleich überfordert und überlastet ist, ist eine intensive Psychotherapie –  jedenfalls in diesem Stadium der gesundheitlichen Störung – kaum möglich und daher vorerst wenig fruchtbar und wenig aussichtsreich. Bei einer ausgeprägten depressiven Störung steht daher in aller Regel zuerst die medikamentöse Behandlung im Vordergrund, da dadurch meist alsbald eine teilweise bis wesentliche Besserung erzielt werden kann und es ist sodann unter Umständen noch eine ausgedehntere Psychotherapie je nach der individuellen Geschichte angezeigt.

Um erfolgreich eine Psychotherapie durchführen – falls gewisse Probleme anstehen – ist zumindest eine gewisse psychische Belastbarkeit Voraussetzung (mehr dazu finden Sie auf der Seite: Fragen / Antworten). Wenn diese Belastbarkeit am Beginn bei der Diagnostik bzw. am Beginn bei der Therapie nicht gegeben ist, weil der Person alles und jedes zuviel wird und sie überfordert, dann kann auch eine Psychotherapie im engeren Sinn in diesem Stadium nicht erfolgreich durchgeführt werden. Es ist in einem solchen Fall z.B.die Konfliktfähigkeit, die Fähigkeit persönliche Interessen mit Nachdruck zu vertreten, oder Veränderungen in die Wege zu leiten nicht gegeben und würde dies die Person sogleich überfordern. Daher kann in der Regel eine ausgedehntere, intensivere Psychotherapie – wenn sie angezeigt ist – erst nach einer teilweisen Besserung mit der Aussicht auf Erfolg unternommen werden.

Es steht also primär die Entlastung (eventuell mit Krankschreibung) im Vordergrund und weiters empfiehlt sich vielfach vorerst eine medikamentöse Behandlung in Verbindung mit der sogenannten „kleinen Psychotherapie„. In kürzeren Gesprächen wird auf das Wesentliche eingegangen.

An dieser Stelle sei erwähnt, dass bei manchen Personen depressive Störungen auftreten, ohne, dass irgendwelche Auslöser ausfindig gemacht werden können. Man hat Grund anzunehmen, dass in diesen Fällen vor allem anlagebedingte biologische Faktoren zur depressiven Störung führen. Es spricht in solchen Fällen einiges dafür, dass durch die erbliche Anlage bedingt – im Sinne einer konstitutionellen Gegebenheit – sich die depressive Störung manifestiert. In diesen Fällen erweist sich in der Regel die medikamentöse Behandlung als besonders hilfreich. In solchen Fällen beobachtet man auch nicht selten, dass die Depression „über Nacht“ wieder verschwindet, so wie sie unter Umständen aus „heiterem Himmel“ gekommen ist. Bezeichnenderweise können solche depressive Störungen auch ohne erkennbare psychische Belastung auftreten. Bei den meisten Fällen liegt allerdings eine „gemischte“ Form vor. Das heißt, es findet sich oftmals eine gewisse, anlagemäßige Neigung (Disposition) – man spricht auch von einer familiären Anlage, weil etwa ein Elternteil oder sonstige nähere Verwandte derartige gesundheitliche Störungen haben. Durch das Zusammenwirken der endogenen und exogenen Faktoren kommt es also zur Überforderung und mittelfristig zum Auftreten der depressiven Störung.

Neben der Psychotherapie und der medikamentösen Behandlung können auch sonstige, flankierende Therapiemaßnahmen hilfreich sein. Zum Beispiel kann oftmals Lichttherapie insbesondere bei der saisonal bedingten Depression in der dunklen Jahreszeit hilfreich sein. Nach Möglichkeit soll man generell in der dunklen Jahreszeit die Mittagssonne nützen und ins Freie gehen. Weiters kann bei leichten depressiven Störungen ausreichend Bewegung an der frischen Luft, eventuell leichte sportliche Betätigung –  jedoch kein Leistungssport, Homöopathie usf. hilfreich sein. Auf vollwertige, Vitaminreiche gesunde Ernährung achten. Geregelter Schlaf, jedoch nicht zu viel Schlaf und nicht zu lange nach dem Erwachen am Morgen im Bett liegen bleiben. Förderlich ist das Einhalten einer Tagesstruktur (geregelter Tagesablauf).

Bezüglich der Vorbeugung von zukünftigen depressiven Störungen ist es wichtig aus den individuellen Erfahrungen zu lernen und darauf zu achten, dass man nicht wieder in die „alten Verhaltensmuster“ hinein gerät die zur Überlastung geführt haben. Auch soll man unnötige Reize (viel Fernsehen etc.) vermeiden. Man sollte lernen mit den eigenen Energieen richtig zu „haushalten“ um nicht wieder in dieselbe Überforderungssituation zu geraten.

Sollten sich zukünftig wieder gleichartige Störungen ankündigen, so kann bei rechtzeitiger Inanspruchnahme der Therapie die Störung meist im Frühstadium „aufgefangen“ werden. Damit kann man in der Regel eine ausgeprägte depressive Störung vermeiden.

Erkenntnistheoretisch betrachtet bzw. philosophisch betrachtet handelt es sich bei der psychiatrischen Diagnose ”Depression” um eine Krankheitseinheit, die durch den Begriff der Idee erfasst wird der als systematische Einheit im Bewusstsein der erkennenden Person erscheint, wenn diese Person die Merkmale durch der Schema der Idee geistig auffasst (vgl. mit Kant Zitat 7). Weil eine psychiatrische Idee eine bloße Idee im Sinn von Immanuel Kant ist, handelt es sich bei der Krankheitseinheit “Depression” um eine physisch nicht überprüfbare Diagnose und es ist der Krankheitsbegriff “Depression” ein regulativer Begriff.

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(letzte Änderung 08.6.2019, abgelegt unter burnout, Definition, Depression, Diagnostik, Psyche, psychische Störung, Psychiatrie)

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