Dr.med. Othmar Mäser, Psychiater Psychotherapie

Emotion und Kognition

Die Begriffe Emotion und Kognition sind psychologische Begriffe, die zwei Aspekte unserer Psyche bzw. unseres Erlebens zur Darstellung bringen.

Psychologische Begriffe sind Schemata unter denen wir psychische Phänomene (gr. phenomenon = das was erscheint, das Erscheinende ) auffassen. So wird durch den Begriff der Kognition (lat. cognoscere: „erkennen, erfahren, kennenlernen“ ) das Erkennen beschrieben und diagnostisch erfasst. Durch den Begriff der Emotion (lat. emovere: herausbewegen) beschreibt man und erfasst man, das was man auch als Gemütsbewegung bzw. starke Gemütsänderung bezeichnet.

Wenn ein Erkenntnisvorgang „neutral“ abläuft und uns dieser gemütsmäßig nicht bewegt, dann sagt man, dass man die Sache emotionslos auffasst, wohingegen sonst eine Sache in uns mehr oder weniger starke Emotionen (Gefühlsbewegungen) auslöst.

Tatsächlich ist der voranschreitende Erlebnisprozess – den wir als Psyche bezeichnen – ein fließendes Geschehen welches sich ständig ändert.

So gesehen hat jeder Erlebnismoment einen kognitiven Anteil und eine gemütsmäßigen Anteil. Dieser Ablauf ist beim gesunden Erleben ein einheitlicher und gesamthafter, und ist die begriffliche Zweiteilung an und für sich etwas Künstliches. Um die Phänomene als solche jedoch sprachlich und denkend erfassen zu können müssen wir sie in ein duales Begriffspaar dialektisch gemäß der Unterschiede aufteilen.

Natürlich gibt es manchmal psychische Vorgänge, bei denen der emotionle Anteil nicht vordergründig ist (wenn gleich im Hintergrund immer auch eine gewisse Gestimmtheit vorherrscht)  – etwa die optisch – sinnliche Wahrnehmung eines neutralen Gegenstandes. Auf der anderen Seite gibt es emotionale Zustände wo man im Volksmund sagt: „sein Gehirn hat er dabei völlig ausgeschaltet“ – womit gemeint ist, dass die kognitiven Funktionen dabei gänzlich außer Funktion waren. Genau genommen ist es aber so, dass jede psychische Funktion einen kognitiven und einen emotionalen / gemütsmäßigen Anteil hat, wenn gleich das eine Mal mehr der eine, und das andere Mal mehr der Aspekt im Vordergrund steht.

Tatsächlich gibt es keine Kognition ohne Emotion und keine Emotion ohne Kognition bwz. folgt jeder Kognition eine Emotion und sind auf der anderen Seite auch die Emotionen nicht frei von Vorstellungen / Erfahrungen.

Aus neurophysiologischer Sicht betrachtet gibt es keine Trennung zwischen den Gehirnbereichen in denen die kognitiven und emotionalen Funktionen ablaufen. Es gibt keinen Gehirnbereich der nur für die kognitiven Funktionen zuständig ist und keinen Gehirnbereich die nur für die emotionalen Funktionen zuständig ist. Die Gehirnfunktion ist immer eine Gesamthafte, wenngleich natürlich gewisse Bereiche mehr für die Kognition zuständig sind und andere mehr für die Emotion bzw. das Gefühl, die Hintergrundstimmung. Auch ist es so, dass zu gewissen Zeiten mehr die kognitiven Funktionen und zu anderen mehr die emotionalen Funktionen im Vordergrund stehen bzw. die jeweiligen Gehirn-Areale stärker aktiviert sind.

Von der Gehirnlokalisation her gesehen kann man sagen, dass die kognitiven Hirnleistungen mehr im frontalen und parietalen Bereich lokalisierbar sind, wogegen die emotionalen mehr im zentralen bzw. basalen Bereich des Gehirns lokalisierbar sind. Immer resultiert jedoch unser Erleben – unsere Psyche – aus dem Zusammenwirken aller Gehirnfunktionen bzw. Gehirnbereiche, – ja man kann sogar noch richtiger sagen, dass für unsere Befindlichkeit sämtliche Funktionen und Informationen des Nervensystems von Bedeutung sind.

Damit deutet sich an, dass nicht nur die aktuell einlangenden Sinneswahrnehmungen (Informationen) von Bedeutung sind sondern, dass auch alte Gedächtnisinhalte (abgespeicherte Informationen) – seien sie einem bewusst oder nicht bewusst ins momentane Erleben hineinspielen.

Diese neurophysiologische und erkenntnismäßige Basis der Dinge sollte man berücksichtigen, wenn man von der Psyche bzw. den psychischen Funktionen spricht. Ferner sollte man auch die Relativität und Beschränktheit der Begriffe berücksichtigen mit denen wir die Sachverhalte beschreiben, wenn man von separierten psychischen Funktionen: von der Kognition einerseits und den Emotionen andererseits spricht. Durch diese Begriffe können wir das tatsächliche Geschehen nur beschränkt erfassen.

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