Dr.med. Othmar Mäser, Psychiater Psychotherapie

Kant Zitat 4 – psychologische Idee

“Aus einer solchen psychologischen Idee kann nun nichts anderes als Vorteil entspringen, wenn man sich nur hütet, sie für etwas mehr als bloße Idee, d.i. bloß relativistisch auf den systematischen Vernunftgebrauch in Ansehung der Erscheinungen unserer Seele, gelten zu lassen. Denn da mengen sich keine Gesetze körperlicher Erscheinungen, die ganz von anderer Art sind, in die Erklärungen dessen, was bloß für den inneren Sinn gehöret; da werden keine windige Hypothesen, von Erzeugung, Zerstörung und Palingenesie der Seelen etc. zugelassen; also wird die Betrachtung des Gegenstandes des inneren Sinnes ganz rein und unvermengt mit ungleichartigen Eigenschaften angestellet, überdem die Vernunftuntersuchung darauf gerichtet, die Erklärungsgründe in diesem Subjekte, so weit es möglich ist, auf ein einziges Prinzip hinaus zu führen; welches alles durch ein solches Schema, als ob es ein wirkliches Wesen wäre, am besten, ja so gar einzig und allein, bewirkt. Die psychologische Idee kann auch nichts anderes als das Schema eines regulativen Begriffs bedeuten.” (Ende des Zitats)

Zitat aus Band IV, Gesammelte Werke, Immanuel Kant: “Kritik der reinen Vernunft” (Transzendentale Dialektik, von der Endabsicht der natürlichen Dialektik), Seite 592, Suhrkamp Taschenbuchausgabe, herausgegeben von Wilhelm Weischedel, 1. Auflage 1974, ISBN  3-538-27653-7

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(letzte Änderung 7.1.2017, abgelegt unter: Idee, medicial diagnostics / psychiatric diagnostics, Medizinische Diagnostik, Psyche, Psychiatrie, psychiatrische Idee, psychische Störung, psychologische Idee, Zitate)

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Wenn Sie, im von Google digitalisierten Werk in sechs Bänden von Immanuel Kant, Wilhelm Weischedel nachsehen wollen, um dort das Zitat im Zusammenhang mit dem Text zu sehen, so finden Sie dieses dort auf der Seite 592 über dieses Link.

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Anmerkung zum Zitat:

In diesem Sinn sollte man nicht nur in der Psychologie, sondern auch in der Psychiatrie sich dessen bewusst sein, dass das erlangte Wissen in Bezug auf die Psyche und damit auch in Bezug eine psychiatrische Idee im Hinblick auf eine psychische Störung – so wie eine psychologische Idee – im konkreten Fall nur relativ gültig ist.

Man sollte also beachten, dass etwa eine psychiatrische Diagnose, die auf der Grundlage einer bloßen Idee gewonnen worden ist, in Bezug auf einen definierten Typus (vgl. mit Jaspers Zitat) nur relativ gültig ist, und sollte man daher solches Wissen, das durch das Schema der Idee (vgl. mit Kant Zitat 7) gewonnen worden ist  – wie dies Karl Jaspers geschrieben hat – in der Schwebe halten (vgl. mit Jaspers Zitat  2).

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