Dr.med. Othmar Mäser, Psychiater Psychotherapie

depressive Störung

Eine depressive Störung ist eine psychische Störung bei der die Psyche in ihrer Gemütsfunktion auf eine typische Art und Weise eingeschränkt ist.

Es dominieren bei der depressiven Störung die Losigkeits-Symptome (Lust-Losigkeit, Antriebs-Losigkeit, man ist energielos, schlaflos, das Konzentrationsvermögen ist vermindert …)

Die Psyche ist bei dieser Funktionsstörung auf eine typische Art und Weise in ihrer Funktion in Bezug auf das Gemüt eingeschränkt bzw. niedergedrückt (lateinisch deprimere: niederdrücken).

Daher wird in der Psychiatrie eine depressive Störung auch als Depression bezeichnet bzw. ist dies die entsprechende psychiatrische Diagnose.

Eine depressive Störung ist biologisch betrachtet die Folge einer reversiblen Funktionsstörung des Gehirns, wobei hier vor allem das Limbische System des zentralen Nervensystems in seiner Funktion gestört ist.

Psychiatrisch  betrachtet kann man sagen, dass eine depressive Störung eine psychische Funktionsstörung ist, die infolge einer komplexen Ursache entsteht.

Erkenntnistheoretisch bzw. philosophisch betrachtet ist der Begriff  depressive Störung eine systematische Einheit. Man kann auch sagen es ist der Begriff depressive Störung eine projektierte Einheit. Ebenso kann man sagen, dass die diagnostische Einheit depressive Störung eine zweckmäßige Einheit im Sinne von Immanuel Kant ist um dadurch diese Form von psychischer Störung gegenüber anderen Formen abzugrenzen und durch diesen Begriff zu erkennen.

Im Gegensatz zum Begriff Depression betont der Begriff depressive Störung den Charakter der Störung. Es ist eine depressive Störung also eine Natureinheit im Sinne einer natürlichen Krankheitseinheit (vgl. mit Jaspers Zitat 6a) von der man sich vorstellt, dass es sie tatsächlich als abgegrenzte Einheit gibt. In der Realität bzw. in der Wirklichkeit der neuronalen Funktion und auch in der Realität des klinischen Alltags im Hinblick auf die psychische Funktion gibt es jedoch keine scharf abgegrenzte diagnostische Einheit depressive Störung die gegenüber den anderen Formen von psychischen Störungen immer eindeutig erkannt werden kann. Vielmehr hat diesbezüglich schon der Nervenarzt Wilhelm Griesinger den Sachverhalt richtig erkannt, wenn er bezüglich den psychiatrischen Einheiten schreibt, dass dabei die Varietäten und Übergänge der einzelnen Formen in einander freilich wohl beachtet werden müssen (Griesinger Zitat).

Allerdings müssen wir als Ärzte und insbesondere als Psychiater und Psychiaterinnen in der psychiatrischen Klinik und auch in der psychiatrischen Wissenschaft tatsächlich in solchen begrifflich scharf abgegrenzten Einheiten denken um den psychischen Sachverhalt überhaupt als abgegrenzte Einheit uns vorstellen zu können. Wir brauchen also den Begriff depressive Störung um unter dieser diagnostischen Einheiten bzw. unter diesem typischen psychischen Symptomenkomplex den Sachverhalt denken und sprachlich kommunizieren zu können.

Und es macht daher Sinn den Begriff depressive Störung im Vergleich zu anderen Typen (vgl. mit Jaspers Zitat) als diagnostische Einheit (Anmerkung: auf der „Ebene der Ideen“) in Relation zu anderen Typen zu definieren um damit diese diagnostische Einheit in einer definierten psychiatrischen Klassifikation durch die entsprechende psychiatrische Kategorie erfassen zu können.

Man erkennt damit, dass die diagnostische Einheit depressive Störung eine systematische Einheit in einem definierten  System bestehend aus begrifflich aufeinander abgestimmten systematischen Einheiten (vgl. mit Kant Zitat 7) im Sinne von Immanuel Kant ist, und es hat daher Karl Jaspers recht wenn er in seinem Buch: Allgemeine Psychopathologie (Anmerkung: auf der „Ebene der Ideen“ von definierten) Typen (vgl. mit Jaspers Zitat) im Gegensatz zu Gattungen spricht.

In Folge der Störung der Funktion im zentralen Nervensystems (wobei hier körperliche Faktoren, psychische Faktoren und sonstige Faktoren eine Rolle spielen) kommt es bei der depressiven Störung zur eingeschränkten Leistungsfähigkeit bzw. entspricht dies einer eingeschränkten Funktionalität der Psyche und des Körpers.

Im Hinblick auf die Psyche treten in der Regel bei einer depressiven Störung die typischen Minus-Symptome (Lustlosigkeit, Antriebsstörung, Konzentrationsstörung, fehlende Lebensfreude, vorzeitige Ermüdung, schnell auftretende psychische und körperliche Erschöpfung und weitere typische psychopathologische Phänomene und auch körperliche Phänomene und Symptome auf).

Es kommt infolge der reversiblen Funktionsstörung des Gehirns unter anderem zu Assoziationsstörungen und in diesem Zusammenhang zu reversiblen Gedächtnisstörungen und zu sonstigen psychopathologischen Phänomenen, die sich im konkreten Fall in mehr oder weniger starker Ausprägung manifestieren.

Falls der körperliche Aspekt bzw. die körperliche Störung im Vordergrund steht wird das klinische Erscheinungsbild oftmals von vegetativen Symptomen und vegetativen Phänomenen dominiert. Deswegen wird manchmal in der Heilkunde der Begriff larvierte Depression für ein derartige gesundheitliche Störung verwendet.

Grundsätzlich ist Leistungsfähigkeit sowohl körperlich, wie auch psychisch bei einer depressiven Störung erheblich reduziert.

Häufig treten – wie erwähnt – vegetative Symptome und vegetativen Phänomene auf und spricht man daher als Arzt unter Umständen von einer vegetativen Störung. Dieser medizinische Sachverhalt wird in der Medizin, vor allem in der Inneren Medizin oftmals als Vegetative Dystonie bezeichnet und diagnostiziert, wohingegen ein Psychiater mehr auf die Auffälligkeiten der Psyche achtet und dasselbe klinische Erscheinungsbild unter Umständen als depressive Störung mit vegetativen Symptomen diagnostiziert wird.

Demgemäß ist bei einer depressiven Störung häufig ein vegetativ dominiertes körperliches Syndrom vorliegend.

Häufig ist bei einer depressiven Störung der Schlaf gestört bzw. treten demgemäß Schlafstörungen auf.

Bei einer depressiven Störung können auch körperliche Funktionen gestört sein. Infolge der vegetativen Störung treten diverse körperliche Symptome und Phänomene  auf (nervöses Schwitzen, Kältegefühl, Druckgefühl am Kopf, oft wie ein Ring / wie ein Reifen um den Kopf, Herzbeschwerden, Herzrhythmusstörungen können auftreten oder verstärkt auftreten, es kann zu Störungen des Hormonsystems kommen, hormonellen Schwankungen treten auf, die Infektanfälligkeit kann erhöht sein usf., das Stresshormon Kortison kann erhöht sein oder dann auch erniedrigt).

Es können also im Zusammenhang mit einer depressiven Störung diverse körperliche Funktionsstörungen auftreten, die man als funktionelle Störungen bezeichnet falls man keine relevanten körperlichen Befunde im Rahmen der klinischen Abklärung findet, die eindeutig einer körperlichen Störung als Folge einer körperlichen Ursache zuordenbar sind.

Ungeachtet dessen wird die diese gesundheitliche Störung in gewissen Fällen als Folge einer körperlichen Ursache  erklärt, etwa als Folge einer Hormonstörung die das auffällige klinische Erscheinungsbild bewirkt (etwa bei erniedrigten Schilddrüsen-Hormon-Werten also im Zusammenhang einer Hypothyresose).

Damit wird deutlich, dass ein und dasselbe klinische Erscheinungsbild – das in der Psychiatrie als psychische Störung und damit durch eine psychiatrische Diagnose erfasst wird – in der Medizin unter Umständen als Funktionsstörung des Körpers angesehen wird und hier demgemäß eine medizinische Diagnose festgestellt wird. Falls man dabei körperliche Befunde findet, die die körperliche Störung erklären wird die entsprechend körperliche Diagnose festgestellt zum Beispiel eine hormonelle Störung. Oder es wird in der Medizin unter Umständen eine funktionelle Diagnose festgestellt falls keine auffälligen organischen bzw. körperlich physischen Befunde feststellbar sind.

In der Diagnostik kann eine depressive Störung und auch eine funktionelle Störung grundsätzlich nur phänomenologisch begründet festgestellt werden, weil sie sich auf ein Konzept gründet.

Demgemäß wird sie in der Medizin durch ein medizinisches Konzept erfasst, hingegen in der Psychiatrie durch ein psychiatrisches Konzept.

In der Psychiatrie wird also die depressiven Störung der Psyche auf der Grundlage des psychischen Symptomenkomplexes in der psychiatrischen  Diagnostik erfasst. Durch biologische Befunde kann die Funktionsstörung und auch deren Auswirkung auf den Körper nur biologisch begründet erklärt werden, jedoch nicht in der Diagnostik bestimmt werden.

Man kann also eine depressive Störung nicht auf der Grundlage der Biologie diagnostizieren, sondern nur auf der Grundlage der Phänomenologie bzw. nur auf der Grundlage der Psychopathologie.

Eine biologische Bestimmung der psychiatrischen Diagnose  depressive Störung ist grundsätzlich nicht möglich. Auch in der Medizin können viele gesundheitliche Störungen des Körpers nicht durch physische Befunde in der Medizinischen Diagnostik bestimmt werden, sondern es werden diese Störungen des Körpers auf der Grundlage der Phänomenologie bzw. auf Basis der klinischen Erscheinungen respektive auf der Grundlage des körperlichen Symptomenkomplexes bestimmt (Beispiel: Vegetativen Dystonie, Fibromyalgie usf.).

.

(letzte Änderung 03.05.2019, abgelegt unter: Alternativmedizin, Befindlichkeitsstörung, Begriff, Definition, Depression, Diagnose, Diagnostik, Funktionsstörung, Krankheit / gesundheitliche Störung, Nervensystem, Psyche, Psychiatrie, psychiatrisches Konzept)

……………………………………

weiter zum blog:  Depression

…………………………………….

weiter zum blog: psychische Störung

………………………………………

Antiloop GmbH / bechtold.at.