Dr.med. Othmar Mäser, Psychiater Psychotherapie

Prozess

Ein Prozess ist ein Vorgang.

Demgemäß ist ein Prozess eine voranschreitende Entwicklung/ein Ablauf/eine Ausdehnung/eine Funktion oder sonst ein voranschreitender Vorgang der entweder allein oder im Verbund mit anderen Größen/Einheiten/Parametern sich – entweder in einem System geregelt und daher regelmäßig, oder in einer ungeordneten Struktur unstrukturiert/ungeregelt/chaotisch/unberechenbar – weiter entwickelt und weiter verändert.

So kann etwa ein Prozess in einem biologischen System normal geregelt ablaufen und sich fortlaufend weiter in einem gewissen Bereich/Spektrum entwickeln (etwa die natürliche neuronale Funktion im zentralen Nervensystem, wie sie durch das Elektroenzephalogramm (EEG) als normale Hirnstromaktivität und damit als natürlicher elektrischer Prozess der Nervenzellen im Bereich des Kortex aufgezeichnet werden kann).

Dabei sind diese elektrischen Prozesse im Nervensystem das Ergebnis von biochemischen Vorgängen bzw. biochemischen Vorgängen in den einzelnen Nervenzellen.

Auf diese Art und Weise sind in einem Organismus ständig elektrische Prozesse, biochemische Vorgänge bzw. Stoffwechselprozesse und sonstige Veränderungen im Gang, die teils gemessen werden können und die teils nicht physisch/physikalisch/chemisch/biochemisch messbar sind.

Oder es kommt aus der befruchteten Eizelle durch den Prozess der Zellvermehrung und Differenzierung zur Entstehung und Entwicklung des neuen Organismus und damit zu einem neuen Lebewesen. Dabei bildet dieser neue Organismus mit seinen Zellen, Organen und Organsystemen die Basis für die unterschiedlichen Prozesse, die ihrerseits im Lauf des Lebens wiederum einer gewissen Veränderung im Sinne der altersbedingten Änderung (Reifung/Evolution/Rückbildung/Degeneration) unterliegen.

Bei den höher entwickelten Lebewesen kommt es etwa im Lauf des Lebens im zentralen Nervensystems zu einer Form von neuronaler Aktivität die man als mentale Prozesse bezeichnen kann, die letztlich bei den höchst entwickelten Lebewesen als Denken und Fühlen und durch sonstige Begriffe der Psychologie bezeichnet werden können.

Normale und gestörte Prozesse im Organismus:

In der Heilkunde, hier insbesondere in der Medizin mit ihren Fachbereichen (Innere Medizin, Gynäkologie, Urologie usf.) und in den Grundlagenfächern (Biologie, Biochemie, Physiologie usf.) sowie in der Pathologie (Pathophysiologie) ist man teils mit normalen und teils mit gestörten, abnormen (pathologischen) Prozessen befasst.

In den vorgenannten Bereichen werden Störungen der unterschiedlichen Prozesse auf der Ebene des Körpers untersucht und in der Wissenschaft systematisch studiert. Hingegen ist man in der Psychologie und Psychiatrie mit den normalen Zuständen und den gestörten Zuständen Psyche befasst – am Rande natürlich auch mit auftretenden körperlichen Störungen. Und schließlich untersucht man im Fach der Psychosomatik die Zusammenhänge der Psyche mit dem Körper bzw. ist man hier im Hinblick auf die Störungen mit gestörten Prozessen auf der Ebene des Körpers und der Psyche befasst.

In der Medizin und in den anderen genannten Bereichen hat man diverse Heilmittel und Medikamente entdeckt durch die gesundheitliche Störungen günstig beeinflusst werden können bzw. kann damit der Störung der Prozesse im Organismus entgegengewirkt werden. Es kann durch diese Mittel also die Genesung in vielen Fällen unterstützt werden damit es zum Übergang vom Stadium der Krankheit bzw. der gesundheitlichen Störung zum Zustand der Gesundheit kommt. Man kann auch sagen, dass durch diese Einwirkung auf die Vorgänge der Heilungsprozess bzw. die Genesung unterstützt werden.

In ähnlicher Weise hat man auch in der Psychiatrie therapeutische Maßnahmen und Unternehmungen erkannt die zur vorteilhaften Beeinflussung der Psyche – also zur Behandlung der psychischen Störungen – nützlich sind (etwa das ärztliche Gespräch hat hier einen herausragenden Stellenwert und auch die Wirkung von sonstigen Maßnahmen z. B. die Wirkung der Psychopharmaka/Psychotherapie/Ergotherapie/Musiktherapie/Soziotherapie usf. sind in vielen Fällen wesentlich) um dadurch die weitere Entwicklung des Individuums zu fördern.

Prozesse in nicht-biologischen Bereichen:

Der Begriff Prozess wird in der Rechtsprechung für den Ablauf des Gerichtsverfahrens verwendet.  So unterscheidet man bei Gericht etwa einen Zivilprozess von einem Strafprozess, insofern hier gemäß dem jeweiligen Sachverhalt die Argumente und sonstigen Beweismittel der Parteien berücksichtigt werden und letztlich durch das Gerichtsurteil der Prozess entschieden wird.

Oder man kennt den Begriff Prozess in der Technik, wo durch einen gewissen Ablauf etwa ein Produkt nach einem technischen Verfahren hergestellt wird.

Oder man kennt den Begriff Prozess in der Physik und Informatik wo etwa durch den elektrischen Strom betrieben ein Gerät eine gewisse Funktion ausführt und Signale nach einem gewissen Programm verarbeitet um den gewünschten Vorgang zu leisten.

Der Begriff Prozess stammt vom lateinischen Wort procedere – voranschreiten, vorwärtsgehen.

Erkenntnistheoretisch betrachtet ist ein Prozess ein Vorgang der primär durch den Begriff der Idee erfasst wird der diesen Vorgang beschreibt (vgl. mit Kant Zitat 7). Demgemäß wird der Prozess – aus der Sicht der erkennenden Person – primär durch die systematische Einheit der Idee erfasst (vgl. mit Kant Zitat 7).

Sekundär kann allerdings manch ein Prozess auf eine physische Einheit und daher auf eine faktische Einheit zurückgeführt und damit objektiv gültig bestimmt werden – was hingegen für den Begriff der Idee nicht zutreffend ist, da dieser vom erkennenden Subjekt nur subjektiv gültig erkannt wird. Man kann daher auch sagen: ein Prozess wird im Rahmen der Erfahrung von der erkennenden Person primär durch ein Wahrnehmungsurteil im Sinne von Immanuel Kant erkannt. Manch ein Prozess kann allerdings (sekundär) physisch/physiologisch/chemisch/biochemisch etc. gemessen und damit allgemein gültig – also unabhängig von der Person – bestimmt werden. Mit anderen Worten: man kann einen solchen Prozess etwa im Hinblick auf den untersuchten Parameter – unabhängig von der untersuchenden Person – durch ein Erfahrungsurteil etwa in der Physik, Chemie, Biochemie etc. allgemein gültig bestimmen und demgemäß in der Wissenschaft die Messwerte statisch allgemein gültig untersuchen – was für Größen, die auf Wahrnehmungsurteilen beruhen, nicht zutreffend ist.

.

(letzte Änderung 06.08.2019, abgelegt unter: Begriff, Definition, denken, Diagnostik, Erkennen, Funktion, Medizin, Nervensystem, Psyche, Psychiatrie, Wissenschaft)

.

……………………………………….

weiter zum Beitrag: Denken

……………………………………….

weiter zum blog: Nervensystem

………………………………………….

Antiloop GmbH / bechtold.at.