Dr.med. Othmar Mäser, Psychiater Psychotherapie

Imagination

Die Imagination ist wörtlich die Einbildung.

Somit ist eine Imagination ein geistiges Bild das in der Psyche der Person entsteht.

Man kann auch sagen: die Imagination ist das innere Bild das sich die Person zum Sachverhalt in ihrer Vorstellung bzw. in ihrem Bewusstsein durch ihr Denken respektive durch ihren mentalen Prozess gebildet (kreiert) hat.

Dabei kann die Imagination eine Vorstellung sein, die der Realität entspricht, oder es kann dies eine Vorstellung bzw. ein geistiges Bild sein das nicht der Realität entspricht. Überhaupt kann die Imagination eine Vorstellung sein die keinen Bezug zur Wirklichkeit hat. In diesem Fall kann die Imagination eine Illusion sein, etwa ein Trugbild (Trugwahrnehmung), oder eine Fantasie, oder es ist dies ein Hirngespinst wie es etwa im Traum entsteht. Unter Umständen entsteht durch die Imagination eine Halluzinationdies ist jedoch bei einer psychisch gesunden Person nur unter besonderen Umständen der Fall, hingegen kommt dieses psychische Phänomen bei gewissen psychischen Störungen nicht selten vor und handelt es sich sodann um ein psychopathologisches Phänomen.

Es kann also sein, dass die Imagination tatsächlich der Wirklichkeit entspricht oder zumindest als Idee eine sinnhafte Vorstellung ist – die von vielen Leuten als nützlich und sinnvoll angesehen wird.

Oder es kann die Imagination ein gedankliches Konstrukt sein das als phantastisch und unwirklich bezeichnet werden muss – und in gewissen Fällen als das Ergebnis einer kranken Psyche, oder durch Drogen oder sonstige Substanzen etwa durch Gifte beeinflusst entsteht.

Die Imagination kann also aus der Phantasie entspringen und es handelt sich sodann um subjektives Wissen das keinen unmittelbaren Bezug zur Realität hat – womit in diesem Fall die Imagination ein rein phantastisches Gebilde ist (Beispiel: Idee der Besessenheit respektive Obsession, etwa durch den Teufel oder einen Dämon besessen zu sein, oder eine Vorstellung im Sinne des Voodoo, magischer Glaube, Glaube an Fabelwesen etc.)

Demgemäß ist die Imagination unter Umständen ein Produkt der menschlichen  Psyche das durch Einflüsse / bewusste und unbewusste Suggestionen also durch Ansagen / Einflüsterungen von außen zustande kommt und in vielen Fällen für die Person nicht hilfreich ist – wohingegen in anderer Hinsicht etwa eine positive Ansage die zu einer hilfreichen Imagination führt, wie sie etwa durch den Placebo Effekt im Rahmen einer Therapie entsteht oder durch ein Lob (etwa in der Erziehung, in der Lehre und Ausbildung oder sonst) positiv, aufbauend und für die Person hilfreich ist.

Dabei beruht die Imagination als psychisches Phänomen auf dem Denkvermögen somit auf der Vorstellungskraft der jeweiligen Person.

Und es kann gemäß die Imagination gemäß dem zuvor gesagten zum Guten wie zum Schlechten sich auswirken.

Da die Imagination zu unterschiedlichen Vorstellungen führt, wird hierbei deutlich welchen Einfluss die Kultur, das Weltbild, die Religion, die Philosophie, die Lebensumstände, die Gesellschaft in der das Individuum lebt und andere Einflüsse etwa die Medien haben.

Demgemäß sollte man im Fall einer Imagination den Bezug zur Wirklichkeit immer wieder kritisch überprüfen.

Im Zustand des nicht beeinträchtigten Bewusstseins also bei klarer Bewusstheit soll man die Imagination überprüfen, wie es um die Sache steht, um nicht etwa einem Aberglauben zu unterliegen.

Man sollte also prüfen, ob die Vorstellung dem Wissen respektive dem möglichen Wissen entspricht. Man sollte im Sinn der Aufklärung aufgeklärt sein und prüfen ob die Imagination sinnvoll, nützlich, angemessen und angebracht ist, oder ob es nur ein reines Hirngespinst ist das unter Umständen eine sinnlose Angst und Sorgen erzeugt.

Letztlich können durch unvorteilhafte Imaginationen psychische Spannungen und sogar psychische Störungen auftreten. Ebenso können also Folge dieser psychischen Irritation auch körperliche Störungen mit der nachteiliger Auswirkung auf die Gesundheit bis hin zu einer Krankheit entstehen.

Ja es gibt nicht wenige psychische und körperliche gesundheitliche Störungen, insbesondere auch psychosomatische Störungen die ihren Ausgang von der gestörten Einbildung nehmen bzw. hier die Imagination im Sinn einer überwertigen Idee ein wesentlicher Faktor der komplexen Ursache dieser Störung ist. Man denke etwa an die Angst vor dem dick werden, wie sie bei der Anorexie oder Bulimie auftritt.

Es spielt die Imagination also auch bei der Hypochondrie eine zentrale Rolle und steigert die betroffene Person sich hier in einen Krankheitszustand hinein in dem tatsächlich entsprechend Symptome und Phänomene auftreten können bzw. erst nach einer umfangreichen Abklärung ein anderer Krankheitszustand fundiert ausgeschlossen werden kann. Infolge von derartigen Störungen können als erhebliche vegetative Störungen im Sinne einer Vegetativen Dystonie mit diversen Symptomenkomplexen auftreten.

Unterschied zwischen einer Imagination und einer Halluzination:

Eine Halluzination unterscheidet sich von einer Imagination insofern, dass die Imagination potenziell korrigierbar ist, wenn die betroffene Person entsprechend aufgeklärt wird bzw. den Sachverhalt kritisch hinterfrägt. Es löst sich nämlich die Imagination in gewissen Fällen auf, weil die Person durch ihr eigenes Urteil also kraft ihres eigenen Urteilsvermögens und der vorliegenden Argumente in diesen Fällen erkennt, dass die Imagination also die gebildete bzw. die eingebildete Vorstellung nicht angemessen ist.

Es kann bei der Imagination also eine Korrektur am Prüfstein der Wirklichkeit erfolgen, wohingegen das psychische Phänomen der Halluzination keiner solchen Korrektur zugänglich ist und daher auch nicht verschwindet wenn eine bessere Einsicht erlangt wird.

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(letzte Änderung 08.12.2017, abgelegt unter: Begriff, abgeleiteter Begriff, psychiatrischer Begriff, psychologischer Begriff, Definition, Diagnostik, Erleben, Forensik, Forensische Psychiatrie, Gutachten, Krankheit / gesundheitliche Störung)

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