Dr.med. Othmar Mäser, Psychiater Psychotherapie

empirisches Wissen

Empirisches Wissen ist Wissen das auf Erfahrung beruht (vgl. mit Kant Zitat 16).

Es ist empirisches Wissen also aus der Erfahrung abgeleitetes Wissen.

Dabei bei gründet sich das empirische Wissen auf augenscheinliche Evidenz falls es sich auf objektive Evidenz gründet.

Oder es handelt sich beim empirischen Wissen um Wissen das durch einleuchtende Evidenz bzw. durch scheinbare Evidenz erlangt worden ist. In diesem Fall ist das empirische Wissen durch subjektive Evidenz erlangt worden – und man kann auch sagen, dass dieses Wissen durch Schlussfolgerungen aus der Erfahrung abgeleitetes Wissen ist.

Demgemäß muss man unterscheiden ob das empirische Wissen aus Fakten / Objekten oder aus Ideen abgeleitet worden ist (vgl. mit Kant Zitat 7).

Das empirische Wissen beruht also entweder auf Tatsachen und ist damit durch augenscheinliche Evidenz – durch sinnliche Wahrnehmung – etwa durch die Demonstration – erlangt worden, oder durch einleuchtende bzw. durch scheinbare Evidenz.

Empirisches Wissen das aus Fakten (Objekten) abgeleitet worden ist, ist objektiv gültig, weil es nur durch das Objekt bzw. nur von Fakten abhängig ist.

Empirisches Wissen das aus Ideen (Vorstellungen) abgeleitet worden ist, wurde auf der Grundlage von subjektiver Evidenz erlangt, und es ist daher nur subjektiv gültig (Weiteres dazu nachfolgend).

Subjektiv gültiges empirisches Wissen gründet sich auf ein Wahrnehmungsurteil, hingegen objektiv gültiges auf ein Erfahrungsurteil (vgl. mit Kant Zitat 6).

Erkenntnistheoretisch bzw. philosophisch betrachtet erkennt man, dass empirisches Wissen das sich auf Fakten / Objekte gründet, in der Diagnostik zur Erkenntnis einer faktischen Einheit führt, hingegen empirisches Wissen das sich auf Ideen gründet zur Erkenntnis einer systematischen Einheit (vgl. mit Kant Zitat 7). In diesem Fall handelt es sich um subjektives Wissen im anderen Fall um objektives Wissen.

Aus dem Unterschied in der Basis des Wissen ergibt sich also der große Unterschied im empirischen Wissen (vgl. mit Kant Zitat 7).

Empirisches Wissen in verschiedenen Bereichen:

Empirisches Wissen in der Physik (Chemie, Biologie und in anderen Naturwissenschaften):

Es gibt in diesen Wissenschaften zum Teil empirisches Wissen das sich auf Fakten gründet und daher objektiv gültig und damit allgemein gültig reproduzierbar ist (Beispiel: Experimente in der Physik, Chemie).

In diesen Wissenschaften findet man zum Teil auch Wissen das auf Theorien gegründet ist (Beispiel: Wissen in der Quanten Physik). Man kann auch hier in vielen Fällen durch das Experiment die Vorhersagen überprüfen, falls der Sachverhalt durch die Theorie zutreffend beschrieben worden ist.

Empirisches Wissen in der Medizin:

In der Medizin hat man etwa in der Physiologie und Pathophysiologie durch die Erfahrung empirisches Wissen erlangt. Hier spielt allerdings im konkreten Fall immer auch die individuelle Situation der Person und damit die des Patienten eine Rolle und es handelt sich nicht in dem Maß um regelmäßig bzw. um gesetzmäßig auftretende empirische Erscheinungen, wie dies in den Naturwissenschaften in gewissen Bereichen, etwa in der Physik und Chemie, der Fall ist.

Daher muss bzw. soll in der Medizin der praktisch tätige Arzt, je nach Fall und Sachverhalt verschieden, immer die individuelle Situation berücksichtigen, wenn er etwa Wissen, das in der medizinischen Wissenschaft erlangt worden ist, auf den konkreten Fall anwendet.

Empirisches Wissen in der Psychiatrie (Psychologie, Psychotherapie und in der Psychosomatik):

In der Psychiatrie wird psychiatrisches Wissen, welches empirisches Wissen ist, immer auf der Grundlage von Konzepten nämlich auf der Grundlage von psychiatrischen Konzepten erlangt.

Empirisches Wissen wie es in den Wissenschaften: psychiatrische Wissenschaft, psychologische Wissenschaft, psychotherapeutische Wissenschaft, Wissenschaft in der Psychosomatik gewonnen wird, entsteht nämlich  immer auf der Grundlage von bloßen Ideen, die hier auf die Sachverhalte projiziert werden.

Es kann hier dieses empirische Wissen also nicht unabhängig von der (menschlichen) Sichtweise erkannt und in der Diagnostik bestimmt werden. Daher spricht der Psychiater und Philosoph Karl Jaspers von der  Forschung unter Führung von Ideen bzw. von der denkenden Anschauung (vgl. mit Jaspers Zitat), die auf den Sachverhalt projiziert wird. Die erkennende Person projiziert hier also immer eine Idee bzw. eine Vorstellung auf den Sachverhalt, bevor sie diesen unter einem fachlichen Begriff erkennt.

Damit wird deutlich, dass es sich hier um ganz anderes empirisches Wissen handelt als in gewissen Bereichen der Medizin, wenngleich durch statistische Studien in vielen Fällen unter den Studien vergleichbare Ergebnisse erzielt werden. Man kann hier allerdings die Ergebnisse der Studien nur miteinander vergleichen falls dieselbe Konvention, also zum Beispiel in der Psychiatrie im Hinblick auf die Psychiatrische Diagnostik dieselbe psychiatrische Klassifikation der psychischen Störungen (etwa die Psychiatrische ICD-10 Klassifikation) zur Anwendung kommt.

Solches Wissen hängt also immer von den Voraussetzungen ab, wie diese in der gegebenen Zeit per Konvention von Fachleuten oder sonstigen Leuten / Personen definiert worden sind. Man kann daher auch sagen: sie hängen vom Zeitgeist und auch von anderen Parametern ab, und es handelt sich hierbei nicht um ein von der Zeit und von Wertvorstellungen der Personen unabhängiges Wissen, wie dies in anderen empirischenWissenschaften der Fall ist.

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Weiteres zum Thema empirisches Wissen in meinem Buch:

Diagnostik, Klassifikation und Systematik in Psychiatrie und Medizin

erschienen im April 2019 im Verlag tredition.

In diesem Buch werden die Unterschiede im empirischen Wissen auf Grundlage der Philosophie von Immanuel Kant im Detail aufgezeigt und im Hinblick auf die Heilkunde und ihre Bereiche (Medizin, Psychiatrie, Alternativmedizin / Komplementärmedizin, Psychosomatik) diskutiert.

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(letzte Änderung 07.07.209, abgelegt unter: Definition, Diagnostik, Diagnostizieren, Erfahrung, Erkennen, Gutachten, Kognition, Leitlinie, Medizin, Medizinische Diagnostik, Philosophie, Psyche, Psychiatrie, Psychologie, Wissen, Wissenschaft)

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