Dr.med. Othmar Mäser, Psychiater Psychotherapie

Kritikvermögen

Das Kritikvermögen ist das  Vermögen einen Sachverhalt kritisch zu beurteilen.

Dabei ist das Kritikvermögen ein Talent der Person, insofern ihre Urteilskraft nicht belehrt, sondern durch die Übung nur geschärft werden kann (vgl. mit Kant Zitat 12).

Das Kritikvermögen – oder man kann auch sagen: die Kritikfähigkeit – der Person gründet sich auf ihr kritisches Urteilsvermögen um durch ihren Verstand und ihre Vernunft geleitet – man kann auch sagen: durch ihr richtiges Denken geleitet – die bestmögliche Lösung zu finden.

Man kann daher auch sagen: das Kritikvermögen der Person ist eine wesentliche Voraussetzung ihres kritischen Denkvermögens um dadurch anstehende Fragen, Argumente und Situationen durch den Hausverstand bestmöglich durch die kritische Überlegung zu prüfen und der bestmöglichen Lösung zuzuführen.

Erkenntnistheoretisch bzw. philosophisch betrachtet beruht das Kritikvermögen auf der Fähigkeit die Ideen bzw. die Vorstellungen richtig zu vergleichen, um dadurch zur angemessenen bzw. richtigen Entscheidung zu gelangen.

Biologisch betrachtet beruht das Kritikvermögen auf der Fähigkeit neuronale Muster zu bilden und diese miteinander zu vergleichen, um sodann durch den passenden Übergang von einem neuronalen Muster in ein anderes den Sachverhalt angemessen bzw. richtig zu entscheiden.

In Bezug auf die Psyche und den Geist der Person betrachtet beruht das Kritikvermögen auf der Fähigkeit durch das Denken geleitet – bzw. durch die richtige Abfolge der Ideen geleitet, die passende Assoziation zu finden, um dadurch den Sachverhalt angemessen bzw. richtig zu entscheiden.

Störungen des Kritikvermögens:

Störungen im Kritikvermögen können als Folge einer psychischen Störung auftreten. Zum Beispiel kann im Rahmen einer Depression vorübergehend das Kritikvermögen infolge der mangelhaften Konzentration und damit das Denkvermögen und in diesem Zusammenhang auch das Kritikvermögen vermindert sein. Allerdings tritt unter Stress in der Regel wiederum eine Leistungssteigerung in diesem Fall ein und kann die Person dann den Sachverhalt doch kritisch und damit zutreffend entscheiden. Es kann also im Rahmen einer psychischen Erschöpfung und auch im Rahmen der Übermüdung in gewissem Umfang das Kritikvermögen infolge der schlechten Konzentration vermindert sein. Diese Störung ist jedoch nicht als absolut sondern als relativ bestehend anzusehen.

Hingegen kann das Kritikvermögen bleibend, also nachhaltig nach einer Kopfverletzung oder nach einer Psychose etwa im Rahmen einer Schizophrenie vermindert sein, und handelt es sich sodann um einen sogenannten Residualzustand.  Mehr oder weniger stark ist das Kritikvermögen auch beim Organischen Psychosyndrom (OPS) eingeschränkt, wie dies etwa nachfolgend an eine schwere Kopfverletzung mit schwerer Verletzung des Gehirns eintreten kann, oder wie dies als Folge der Arteriosklerose der Arterien des Gehirns und Infarkten in Erscheinung treten kann und schließlich den Schweregrad einer Psychose erreichen kann. Man spricht dann von einer Demenz (etwa bei Alzheimerkrankheit, Morbus Alzheimer, Vaskuläre Demenz usf.).

Oder es sind Störungen im Kritikvermögen seit der frühen Kindheit in Folge einer geistigen Behinderung vorhanden.

Je nach dem ist die Kritikstörung also die Folge einer vorübergehenden neuronalen Funktionsstörung oder es handelt sich um eine bleibende Funktionsstörung des zentralen Nervensystems.

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(letzte Änderung 23.05.2017, abgelegt unter: Begriff, Definition, denken, Forensik, Forensische Psychiatrie, Geist, Kognition, Philosophie, Rechtsprechung, Urteil, Vernunft)

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