Dr.med. Othmar Mäser, Psychiater Psychotherapie

Stress

Stress ist Spannung (Anspannung).

Der Begriff Stress stammt ursprünglich aus des Mechanik.

(englisch: Stress für Druck, Anspannung; lat. stringere ‚anspannen‘)

Im Hinblick auf das Nervensystems und die Psyche ist Stress, sofern er im normalen Bereich gelegen ist, eine natürliche Reaktion, die zur Aktivierung von verschiedenen Systemen im Organismus, so auch zur Aktivierung der neuronalen Funktion führt.

Man kann in diesem Fall also von einer natürlichen Stressreaktion sprechen.

Es kommt infolge der Sinnesreize oder durch eine Vorstellung und der Interpretation derselben zur Aktivierung (arousal) des Nervensystems und in diesem Zusammenhang auch zur Aktivierung des Hormonsystems und damit zur vermehrten Ausschüttung der Stresshormone: Adrenalin und Kortison ins Blut und es werden dadurch verschiedene Funktionen angeregt und gesteigert (Motorik, Sensibilität, Aufmerksamkeit, Konzentration, Sehen, Hören usf.). Auch steigern sonstige Signale, die über das Vegetative Nervensystem sich ausbreiten, gewisse Funktionen.

Insgesamt kommt es primär durch Stress also zur Leistungssteigerung.

Die chronische psychischen Spannung infolge von chronischem Stress wirkt sich allerdings nachteilig aus und es kommt letztlich zur psychischen Erschöpfung und auch sonst zur körperlichen Erschöpfung.

In Bezug auf die Psyche führt Stress primär als Reaktion also akut zur positiven psychischen Spannung (psychische Anspannung), die sich vorerst leistungssteigernd auswirkt, letztlich kehrt sich dies jedoch um, und es kommt zunehmend zu einem Leistungsabfall, der sich letztlich in einem Burnout bzw. Burnout – Syndrom manifestiert.

Man kann also sagen: bis zu einem gewissen Grad ist die psychische Spannung infolge von Stress normal und gesund. Daher kennt man den Begriff Eustress.

Ab einem gewissen Grad ist die psychische Spannung bzw. der Stress nicht mehr gesund und er macht krank, insbesondere wenn  er chronisch – also lang andauernd – vorhanden ist und kommt es infolge zur beschriebenen Entwicklung mit nachteiligen Folgen.

In diesem Sinn kann man eine natürliche Stressreaktion von einer pathologischen Stressreaktion unterscheiden.

Weitere Diskussion des Begriffs Stress:

Unter dem übermäßigen Stress versteht man in der Medizin und Psychiatrie (Psychologie und Psychosomatik) meist den chronischen Stress ohne genügende Entspannung des Nervensystems.

Es fehlt in einem solchen Fall also der natürliche Wechsel zwischen der psychischen Anspannung und der psychischen Entspannung und es kommt infolge der lang andauernden und damit übermäßigen psychischen Spannung insbesondere zur Belastung und Überlastung des Vegetativen Nervensystems und in weiterer Folge davon zu gesundheitlichen Störungen.

Biologisch betrachtet korreliert der Zustand des chronischen Stress vorerst mit dem durchschnittlich erhöhten Spiegel der Hormone Adrenalin und Kortison.

Durch Stress kommt es primär zu Reizsymptomen. Sodann entwickeln sich bei lang anhaltendem Stress Funktionsstörungen, die sich je nach Person und Individuum verschieden manifestieren können.

Letztendlich kommt es zur Erschöpfung mit unterschiedlichen Formen von gesundheitlichen Störungen. Das heißt es treten unterschiedliche Symptomenkomplexe auf, zum Beispiel eine Vegetative Dystonie.

In weiterer Folge können auch körperlich (morphologisch) fassbare Krankheitszustände / Krankheiten auftreten (essentielle Hypertonie, chronische Gastritis, Magengeschwür, Fibromyalgie etc.)

Es kann der übermäßige Stress also unterschiedliche klinische Erscheinungsbilder hervorrufen, die zu gesundheitlichen Störungen führen, wie sie in den verschiedenen Bereichen der Medizin (Innere Medizin, Chirurgie, Orthopädie, Gynäkologie, Urologie usf.) durch medizinische Diagnosen erfasst werden.

Und wie sie andererseits, falls psychische Symptome dominieren zu krankheitswerigen psychischen Störungen führen, die durch psychiatrische Diagnosen erfasst werden (Depression, chronische Schlafstörung und andere). Als Folge des chronischen Stress kann es auch zur Entwicklung von Suchtkrankheiten also zur Entstehung einer Sucht kommen, etwa in der Form einer Alkoholabhängigkeit / Alkoholismus, insofern die betroffene Person versucht hat durch das jeweilige Mittel (Alkohol, Cannabis, Tranquilizer usf.) die psychische Spannung zu lösen.

Es kann chronischer Stress also zu diversen psychischen Symptomenkomplexen und körperlichen Störungen und letztlich auch zu körperlich organisch fass- und messbaren Krankheitszuständen / Krankheiten führen.

Dabei sind je nach Fall und Sachverhalt verschiedene Organe und Organbereiche betroffen, und es kommt primär zu funktionellen Störungen und in weiterer Folge bei chronisch anhaltendem Stress zu organisch fassbaren Auswirkungen, etwa infolge des chronisch erhöhten Blutdrucks zur Arteriosklerose in Verbindung mit anderen Faktoren (Ernährung usf.), wobei es sich bei der Ursache in der Regel um eine komplexe Ursache handelt.

In psychischer Hinsicht sind chronische Schlafstörungen ein häufig zu beobachtendes psychisches Phänomen, wie es als Folge von chronischem Stress und mangelnder Entspannung auftritt. Ansonsten kommt es wie gesagt zur psychischen Erschöpfung bzw. nervlichen Erschöpfung in der Form einer Depression (depressive Störung), die sich primär durch psychische Reizsymptome manifestiert, mit vermindertem Konzentrationsvermögen, Antriebslosigkeit, verminderter psychischer Belastbarkeit usf.

Man kennt in diesem Zusammenhang die Diagnose und den Begriff Burnout (Burnout-Syndrom).

Im herkömmlichen Sinn meint man mit Stress also die übermäßige psychische Anspannung, die zu gesundheitlichen Beschwerden und letztlich zu gesundheitlichen Störungen der Psyche des Körpers oder auf beiden Ebenen führt und man spricht dann von psychosomatischen Störungen.

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(letzte Änderung 01.12.2017, abgelegt unter burnout, Definition, Diagnostik, funktionelle Störung, Funktionsstörung, Krankheit/gesundheitliche Störung, Medizin, Nervensystem, vegetatives Nervensystem, Phänomen, Psyche, psychische Störung, Sucht)

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