Dr.med. Othmar Mäser, Psychiater Psychotherapie

Bauchgefühl

Das Bauchgefühl ist ein vages Gefühl im Bauchbereich im Hinblick auf eine anstehende Entscheidung.

Dabei wird die anstehende Entscheidung, die sich auf das Bauchgefühl verlässt, auf die Intuition gegründet.

Es ist das Bauchgefühl also eine nicht näher beschreibbare Stimmung, die gefühlsmäßig in der Bauchregion wahrgenommen wird, falls eine Entscheidung ansteht und man keine klaren Argumente und damit keine eindeutige Argumentation für die anstehende Entscheidung hat.

Man meint beim Begriff des Bauchgefühls also nicht primär ein Gefühl im Sinne des körperlichen Fühlens und auch keine körperliche Empfindung sondern die innere Gestimmtheit die in der Person vorhanden ist – im Hinblick auf ein anstehendes Urteil – das mit einer dumpfen Wahrnehmung in der Bauchregion einhergeht.

In der Regel wird es sich bei diesem Urteil um ein komplexes Urteil handeln, insofern mehrere bis viele Faktoren die Entscheidungsgrundlage bzw. Ausgangslage für diese Entscheidung bilden.

Dabei kann die betroffene Person in der Regel nicht klar sagen welcher Faktor der entscheidende ist und welchen Stellenwert der einzelne Faktor hat.

Man weiß jedoch aus der eigenen Erfahrung, dass es nicht klug ist sich gegen dieses Bauchgefühl zu entscheiden, weil die Sache dann nicht stimmig ist.

Erkenntnistheoretisch bzw. philosophisch betrachtet entsteht das Bauchgefühl als Folge des mentalen Prozesses im Bewusstsein er Person auf dem Weg zur anstehenden Entscheidung. Es ist dies also ein Gefühl das infolge eines kognitiven Prozesses bzw. infolge einer kognitiven Aktivität des Gehirns im Bewusstsein der betroffenen Person als die systematische Einheit der Idee bzw. als der Begriff der Idee entsteht, wenn diese die einzelnen Kriterien durch das Schema der Idee geistig auffasst (vgl. mit Kant Zitat 7). Man kann auch sagen: Im Bewusstsein und auch im Unbewussten der betroffenen Person haben diese einzelnen Kriterien zu einer Summation geführt, die auf Grundlage der bisherigen Erfahrung zu diesem oder jenem Ergebnis – also zu diesem oder jenem Urteil – oder man kann auch sagen: zu dieser oder jener Entscheidung geführt hat – ohne dass die betroffene Person dies näher rational begründen kann. Es stehen hier also viele Faktoren bzw. viele Argumente und auch viel Erfahrung / Lebenserfahrung hinter dieser Entscheidung. Wohingegen bei einer klar rational  begründbaren Entscheidung bekannte logische Argumente, die man durch diskursives Denken und Überlegen erlangt hat zur Entscheidung geführt haben.

Obwohl man beim Bauchgefühl von einem Gefühl spricht, steckt genauer betrachtet also der Verstand und die Vernunft der Person dahinter. Man kann auch sagen: hinter dem Bauchgefühl steckt der gesunde Hausverstand dieser Person bzw. ihr gesunder Menschenverstand – wenngleich die Person selbst ihre vage Entscheidung nicht näher vernünftig begründen kann.

Mit anderen Worten: es stecken hinter dem Bauchgefühl sehr wohl  Überlegungen, die man als das Ergebnis des bewussten und unbewussten Denkens bezeichnen kann, wenn gleich der betroffenen Person nicht alle Kriterien und Überlegungen bewusst sind – eben, weil manches unbewusst bzw. im Unbewussten erwogen wird – und letztlich diese Erwägungen die Person veranlassen sich „so“ zu entscheiden, wie es für sie intuitiv als subjektiv richtig erscheint bzw. subjektiv als angemessen angesehen wird. Daher gibt es für das Bauchgefühl keinen objektiven  Beweis sondern handelt es sich hierbei um subjektives Wissen.

Es handelt sich also beim Bauchgefühl genau genommen also nicht um ein Gefühl das als Folge eines körperlichen, organischen Prozesses in der Gegend des Bauches entsteht, sondern um eine Folge der unbewussten Kognition und Überlegung die begleitend zu einem Gefühl führt das in der Bauchregion lokalisiert wird.

Dem entsprechend handelt es sich bei der Ursache um dieses subjektive Wissen um eine komplexe Ursache – mann kann auch sagen: um eine multifaktorielle Ursache deren Faktoren nicht näher bekannt sind und die nicht einzeln aufgezählt und benannt werden können.

Man wird daher in der Regel gut beraten zu sein dem eigenen Bauchgefühl zu folgen und „so“ zu entscheiden, eben, weil es die bestmögliche Entscheidung ist die alle Faktoren berücksichtigt und nicht einem einzelnen Faktor zu großes Gewicht verleiht.

Man kann auch sagen: aus Sicht dieser Person wird es die vernünftigste Entscheidung sein, weil sie im Einklang mit dem Wesen der Person steht – also dieser Person nicht gegen den „Strich“ geht.

Dies ist für viele Entscheidungen im Leben von Belang. Dies kann in privaten Angelegenheiten oder in beruflichen Angelegenheiten und Entscheidungen wesentlich sein.

Auch in Bezug auf eine Entscheidung in der Medizin, Psychiatrie, Psychotherapie kann dies von Belang sein. Etwa wenn man vor der Frage steht, ob man sich einer gewissen Therapie mit weitreichenden Folgen unterziehen soll.

Wenn also die Frage nach der Indikation in Bezug auf eine Therapie (etwa eine Opersation oder sonstig Therapie mit weitreichenden Folgen) ansteht, dann wird unter Umständen das Bauchgefühl einem sehr wohl die subjektiv richtige Entscheidung im Sinne der bestmöglichen Entscheidung weisen.

Beantwortung der Frage: ist das Bauchgefühl durch das  Fühlen oder durch das unbewusste Denken entstanden?

Im Anschluss an das voran gesagte, kann man im Hinblick auf die Funktion des Nervensystems , nsbesondere im Hinblick auf die Funktion des zentralen Nervensystems sagen, dass das Bauchgefühl zwar mit einer Empfindung im Bauchbereich einhergeht jedoch letztlich das Ergebnis des mentalen Prozesses – also des geistigen Prozesses und damit des Denkens, Fühlens und Empfindens der Person ist, wobei hier die Kognition mehr zur Entscheidung beiträgt als die Emotion falls es sich um eine reife Entscheidung handelt – also diese Entscheidung nach reiflicher Überlegung zustande gekommen ist.

Daher ist klar, dass etwa eine Person, die eine massive Verletzung des Gehirns erlitten hat nur noch in sehr eingeschränktem Umfang in der Lage sein wird ein solches Bauchgefühl zu entwickeln bzw. die hiefür notwendigen abwägenden Vorstellungen zu entwickeln ihr in der Regel nicht mehr möglich sein werden.

Dem entsprechend wird etwa eine Person mit weit fortgeschrittener Demenz oder bei einer sonstigen massiven psychischen Störung oder infolge einer massiven neurologischen Störung kein adäquates Bauchgefühl mehr entwickeln können, sondern wird ein gesundes Bauchgefühl nur bei intaktem Nervensystem bzw. nur bei einer weitgehend intakten Psyche zu beobachten sein.

Dies weist darauf hin, dass hier also die Hirnrinde intakt sein muss bzw. müssen die Analysatoren im Sinne des Physiologen Iwan Petrowitsch Pawlow (vgl. mit Pawlow Zitat) noch gut funktionieren damit die Entstehung eines solchen Bauchgefühls möglich ist bzw. die Entscheidung letztlich  auf dem gesunden Geist der Person beruht. Anatomisch betrachtet bzw. im Sinne der Neurophysiologie betrachtet, ist für das Bauchgefühl also nicht so sehr das Limbische System von Bedeutung, sondern mehr das kortikale System, wenn gleich natürlich für die bestmögliche Funktion immer das Ganze, somit der ganze Mensch im Zustand der Gesundheit und damit im Zustand der weitgehenden inneren Harmonie sich befinden soll, damit das treffende Bauchgefühl entstehen kann und infolge die bestmögliche Entscheidung von der Person getroffen wird.

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(letzte Änderung 23.12.2018, abgelegt unter: Begriff, psychologischer Begriff, Beweis, Bewusstheit, Definition, Entscheidung, Erkennen, Erkenntnis, fühlen, Geist, Gesundheit,  Medizin, Nervensystem, philosophische Begriffe, Psyche, Psychiatrie, Psychologie, Psychotherapie, Subjektivität)

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