Dr.med. Othmar Mäser, Psychiater Psychotherapie

Validierung

Die Validierung ist die Gültigkeitsprüfung.

Bei der Validierung geht es um die Feststellung des Wertes einer Sache bzw. um das Zutreffen eines gewissen Sachverhalts.

Das Wort „Validierung“ stammt vom lateinischen Wort „validus„: stark, wirksam, gesund.

Es kann also etwas mehr oder weniger stark, oder mehr oder weniger wirksam, oder mehr mehr oder weniger gesund sein, oder es kann mehr oder weniger zutreffend sein.

Die Validität ist also eine relative Sache.

Unter der Validierung in der Psychiatrie versteht man in der Diagnostik das Zutreffen einer aufgefundenen psychiatrischen Diagnose zum Sachverhalt bzw. zu den psychischen Auffälligkeiten.

Die Validierung in der Psychiatrie (Psychologie und Psychotherapie) gründet sich auf psychische Phänomene bzw. auf psychopathologische Phänomene.

Weil ein psychisches Phänomen und auch ein psychopathologisches Phänomen auf der Grundlage einer bloße Idee diagnostisch erfasst wird, kann man ein solches Phänomen nicht allgemein gültig überprüfen. Man kann ein psychisches Phänomen weder allgemein gültig verifizieren noch allgemein gültig falsifizieren.

Man kann in der Psychiatrie (Psychologie und Psychotherapie) eine Erkenntnis nur auf der Ebene der Ideen subjektiv gültig überprüfen bzw. nur subjektiv gültig „validieren“. Ein Beweis auf der Ebene der Objekte ist nicht möglich.

Im Gegensatz zur Psychiatrie kann man in der Medizin viele Befunde und damit viele Einheiten auf der Ebene der Objekte überprüfen. Das heißt man kann in der Medizin viele Verdachtsdiagnosen auf der Ebene der Objekte überprüfen, das heißt man kann diese medizinischen Diagnosen objektivieren bzw. man kann sie verifizieren oder falsifizieren.

Gerade das ist in der Psychiatrie bei einem psychischen Befund und auch bei einer psychiatrischen Diagnose nicht möglich.

Es ist also eine Verifizierung und auch eine Falsifizierung einer Erkenntnis in der Psychiatrie – soweit diese auf der Grundlage von psychischen Phänomenen gewonnen worden ist – grundsätzlich nicht möglich. Und es ist daher in der Psychiatrie eine Objektivierung der psychiatrischen Einheiten und damit die Objektivierung einer psychiatrischen Diagnose grundsätzlich nicht möglich. (Weiteres dazu auf Poster 6: Diagnosis in Psychiatry – the Role of Biological Markers – an investigation in the light of Immanuel Kant`s philosophy)

In dieser Hinsicht hat Emil Kraepelin die Möglichkeiten des Erkennens in der Psychiatrie überschätzt. Emil Kraepelin hat die Möglichkeiten in der psychiatrischen Diagnostik überschätzt als er geglaubt hat, dass man gewisse Einheiten, etwa die Einheit Dementia praecox in der Psychiatrie alsbald allgemein gültig bestimmen kann. (vgl. mit Kraepelin Zitat 1)

Im Gegensatz zum Psychiater Emil Kraeplin hat der Psychiater und Philosoph Karl Jaspers den Sachverhalt richtig erkannt, der in seinem Buch „Allgemeine Psychopathologie“ geschrieben hat, dass in der Psychiatrie die Idee der Krankheitseinheit in irgend einem einzelnen Fall sich niemals verwirklichen läßt. (vgl. mit Jaspers Zitat 6)

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Validierung in der psychiatrischen Wissenschaft

In der psychiatrischen Wissenschaft kann man innerhalb einer psychiatrischen Klassifikation beschränktes Wissen erlangen. Man kann Erkenntnisse, die man auf der Grundlage der psychiatrischen Kategorien innerhalb einer psychiatrischen Klassifikation auf der Grundlage von statistischen Studien gewonnen hat miteinander vergleichen und daraus relativ gültige Schlussfolgerungen ziehen.

Vergleichbarkeit von wissenschaftlichen Studien in der Psychiatrie

Man kann in der psychiatrischen Wissenschaft nur Studien miteinander vergleichen, wenn sie mit derselben Klassifikation gewonnen worden sind, dies gilt auch für die operationalisierten Klassifikationen, nämlich für die DSM Klassifikation und die psychiatrische ICD Klassifikation.

Man kann nicht Studien, die auf der Grundlage von unterschiedlichen psychiatrischen Klassifikationen gemacht worden sind miteinander vergleichen. Dies führt zu falschen Schlussfolgerungen. Man kann nur innerhalb einer psychiatrischen Klassifikation das Wissen vergleichen und damit durch Schlussfolgerungen beschränktes Wissen erlangen das relativ gültig ist.

Die psychiatrische Wissenschaft kann nur Eckdaten für die psychiatrische Praxis liefern

Die psychiatrische Wissenschaft liefert gleichsam Eckdaten, die für die Entscheidungen im konkreten Fall nützlich sind. In der Psychiatrie (Psychologie und Psychotherapie) kann man auf der Grundlage von statistischen Studien kein Wissen im Sinn der Annäherung zur Gewissheit erlangen, sondern nur ein Wissen im Sinn einer Scheinbarkeit im Vergleich zu einer anderen Scheinbarkeit (vgl. mit Kant Zitat 9b).

Dies ist so, weil das psychiatrische Wissen sich auf Erscheinungen gründet – auf Ideen, die im Bewusstsein der erkennenden Person in der Form der Begriffe dieser Ideen erscheinen (griechisch: phenomenon – das was erscheint, das Erscheinende). Es handelt sich dabei also nicht um faktische Einheiten sondern um systematische Einheiten bzw. um ideologische Einheiten die im Bewusstsein der erkennenden Person erscheinen.

Man täuscht sich wenn man glaubt, dass man in der Psychiatrie (Psychologie und Psychotherapie) durch statistische Studien und durch Metaanalysen Wissen im Sinn der Annäherung zur Gewissheit erlangen kann, wie dies in einem Teilbereich der Medizin  und in den Naturwissenschaften möglich ist (vgl. mit Kant Zitat 9b). (Weiteres dazu  auf Poster 3: PROBABILITY IN MEDICINE AND IN PSYCHIATRY – IN THE LIGHT OF IMMANUEL KANT`S PHILOSOPHY)

Man sollte also diese Beschränkungen in der Psychiatrie berücksichtigen und von der psychiatrischen Wissenschaft nicht eine Hilfestellung und Entscheidungshilfe erwarten, die sie aus prinzipiellen Gründen nicht leisten kann – eben weil das Wissen in der Psychiatrie auf der Grundlage von Erscheinungen, also auf der Grundlage von psychischen Phänomenen gewonnen wird.

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(letztes Änderung, 13.10. 2013, Validierung, Diagnostik, Definition)

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