Dr.med. Othmar Mäser, Psychiater Psychotherapie

Diagnostik

Die Diagnostik ist das Verfahren das zur Erkenntnis der Diagnose führt.

Man kann auch sagen: die Diagnostik ist die Methode um den Sachverhalt durch die zutreffende diagnostischen Einheit zu bestimmen.

Es ist Diagnostik also das Verfahren das in Bezug auf den Sachverhalt in einem Bereich des Wissens und damit in einer Wissenschaft zur richtigen Diagnose  führt.

Man kann auch sagen: die Diagnostik ist die Lehre vom Erkennen der zutreffenden Entität.

Dabei beruht die Diagnostik auf der Systematik und der Klassifikation in diesem Bereich des Wissens.

In der Diagnostik muss man unterscheiden, ob der Sachverhalt durch eine faktische Einheit oder durch eine systematische Einheit erfasst wird (vgl. mit Kant Zitat 7).

Im zuerst genannten Fall kann ich die Diagnose objektiv gültig im zweit genannten Fall nur subjektiv gültig bestimmen (vgl. mit Kant Zitat 7).

Zur Diagnostik in der Heilkunde:

In der Heilkunde gliedert sich die Diagnostik primär in die Diagnostik in der Medizin im Sinne der Schulmedizin und in die Diagnostik in der Psychiatrie.

Dabei ist die Diagnostik in der Medizin mit der Feststellung der gesundheitlichen Störung (Krankheiten) des Körpers befasst, hingegen die Diagnostik in der Psychiatrie mit der Feststellung der krankheitswertigen Störungen der Psyche, nämlich den psychischen Störungen.

Man kann also die Diagnostik in der Humanmedizin primär in die Medizinische Diagnostik und in die Psychiatrische Diagnostik gliedern.

Demgemäß liefert die Medizinische Diagnostik im konkreten Fall die zutreffende bzw. die am besten zutreffende medizinische Diagnose, hingegen die Psychiatrische Diagnostik die zutreffende bzw. die am besten zutreffende psychiatrische Diagnose.

Dabei gründet sich in der Medizin die Diagnostik auf die Krankengeschichte, die durch die Erhebung der Anamnese erfasst wird, auf die körperliche Untersuchung – den medizinischen Status und auf diverse weitere Befunde, insbesondere körperliche Befunde die durch gewisse Methoden gewonnen werden.

Im Bedarfsfall werden Zusatzuntersuchungen z.B. Laboruntersuchungen, bildgebende Untersuchungen (Röntgen, Ultraschall, Computertomographie CCT, Magnetresonanztomographie MRT usf.) durchgeführt. Eventuell werden weitere Zusatzbefunde erhoben, um die Verdachtsdiagnose zu bestätigen oder auszuschließen oder eine mögliche Differenzialdiagnose näher zu bestimmen.

Durch all diese Untersuchungen kann die körperliche Funktion und damit der Zustand der Gesundheit oder der Krankheit in der Regel näher bestimmt werden.

In der Psychiatrie gründet sich die Diagnostik ebenfalls auf die Krankengeschichte (Anamnese) und diverse weitere Befunde. Dabei spielt in der Psychiatrie oftmals die Fremdanamnese, nämlich der Bericht von Angehörigen, von Pflegepersonen, oder der Bericht von sonstigen Personen, eine große Rolle, weil es oftmals nicht nur um die Beurteilung der persönlichen, also der subjektiven Befindlichkeit der untersuchten Person geht, sondern auch um die Beurteilung eines auffälligen Verhaltens, um ein abnormes Reagieren und die Entwicklung von nicht normalen Erscheinungen. In gewissen Fällen kann man eine psychiatrische Diagnose, wenn man diese bereits auf der Grundlage des psychischen Befundes festgestellt hat, durch weitere Befunde, etwa durch körperliche Zusatzbefunde besser erklären und damit besser verstehen.

Während es in der Medizin in der Diagnostik um die Beurteilung von körperlichen Befunden geht, die zum Teil als objektive Befunde  und die zum anderen Teil als subjektive Befunde, nämlich als Symptome und nicht-objektivierbare Phänomene erhebbar sind und diese Merkmale sich zum Teil als Symptomenkomplexe manifestieren, ist man in der Diagnostik in der Psychiatrie vielfach mit nur mit subjektiv feststellbaren psychischen Befunden befasst.

Es geht in der Diagnostik  in der Psychiatrie also um das Erkennen und um die Beurteilung von auffälligen bzw. krankheitswertigen psychischen Erscheinungen, also um die Beurteilung von psychischen Phänomenen bzw. psychopathologischen Phänomenen oder um ganze psychische Symptomenkomplexe, die die unterschiedlichen psychischen Störungen charakterisieren.

Man erkennt damit, dass es in der Medizin um das Erkennen von körperlichen Kriterien geht, wohingegen es in der Psychiatrie (Psychologie und Psychotherapie) um das Erkennen von psychischen Kriterien geht, die nicht auf der Ebene von körperlichen Fakten erkannt und festgestellt werden können, sondern, die nur auf der Ebene der Vorstellungen – sprich nur auf der Ebene der Ideen – erkannt werden können. Daher können diese psychischen Merkmale bzw. diese psychischen Kriterien nicht „physisch“ und somit nicht körperlich – sondern – philosophisch gesprochen – nur jenseits der „physis“ – also nur „meta-physisch„, somit nur auf der Grundlage einer Idee erkannt und diagnostisch bestimmt werden (vgl. mit Kant Zitat 7 und Kant Zitat 10).

Diesen Sachverhalt hat der Psychiater und Philosoph Karl Jaspers erkannt. (vgl. mit Jaspers Zitat)

In der Medizin gründet sich die Diagnostik also in vielen Fällen auf objektiv bestimmbare körperliche bzw. physische Merkmale, die von ganz anderer Art (vgl. mit Kant Zitat 4) sind als die psychischen Merkmale in der Psychiatrie (Psychologie und Psychotherapie), die nur subjektiv gültig erkannt und die daher auch nur subjektiv gültig bestimmt werden können. (vgl. mit Kant Zitat 7)

Allerdings gibt es auch in der Medizin viele Merkmale, die, so wie die Merkmale in der Psychiatrie nur auf der Grundlage einer Idee erkannt und diagnostisch bestimmt werden können, etwa Schmerzen und sonstige Symptome oder auch nicht-objektivierbare körperliche Phänomene (etwa eine Schwäche, Appetitlosigkeit usf.)

In den Beiträgen dieser website (siehe die Navigationsleiste am linken Rand) werden die Unterschiede in der Erkenntnisgrundlage im Hinblick auf das Diagnostizieren untersucht. Es wird unter anderem aufgezeigt welche Konsequenzen (Weiteres dazu hier) aus dem Unterschied in den Erkenntnisobjekten, somit aus dem Unterschied in der Erkenntnisbasis resultieren und warum sich daher die Psychiatrie als Disziplin der Heilkunde im Hinblick auf die Diagnostik, die Klassifikation und auch in der Systematik, sowie auch als Disziplin in der Wissenschaft von der Medizin wesentlich unterscheidet.

Neben der Diagnostik in der Medizin im Sinn der Schulmedizin Psychiatrie, kennt man die Diagnostik in der Alternativmedizin (Komplementärmedizin) und in der Psychosomatik. und ebenso die Diagnostik in der Psychotherapie, die sich teils mit der der Psychiatrie und Psychologie überschneidet.

Und wie eingangs erwähnt gibt es natürlich diagnostische Verfahren und Methoden in sonstigen Bereichen des Wissens. Angefangen von der Technik, den einzelnen Wissenschaften in der Naturwissenschaft usf.

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Hinweis:

Weiteres zum Thema Diagnostik in meinem Buch:

Diagnostik, Klassifikation und Systematik in Psychiatrie und Medizin

erschienen im Verlag tredition, April 2019.

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(letzte Änderung 22.07.2019, abgelegt unter: Begriff, Definition, Diagnostik, Diagnostizieren, Erkennen, Erkenntnis, Klassifikation, Medizin, messen, Methode, Psyche, Psychiatrie, Psychologie, Wissen, Wissenschaft)

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