Dr.med. Othmar Mäser, Psychiater Psychotherapie

Erkenntnis

Die Erkenntnis ist das Resultat des Erkennens.

Durch die Erkenntnis wird das vorerst persönliche Wissen erlangt.

Dabei entsteht die Erkenntnis auf der Grundlage der persönlichen Erfahrung und somit auf Basis der Kognition und Wahrnehmung.

Man kann auch sagen: die Erkenntnis entsteht als Folge des Denkens und den vorhandenen Informationen im Bewusstsein der Person. Dabei werden diese Information zum Teil oder zur Gänze im Gedächtnis der Person gespeichert.

Es ist die Erkenntnis also das Produkt der Erfahrung und des Geistes der Person, insofern dieser die verfügbaren Informationen verarbeitet und dadurch das persönliche Wissen und somit die Kenntnis erlangt.

Die Erkenntnis manifestiert sich als Inhalt im Bewusstseins der Person infolge des Erwerbs des Wissens und Könnens, wie dieses durch das Lernen infolge der persönlichen Erfahrung erlangt worden ist.

Die Erkenntnis ist also das, was man in Bezug auf mögliche Wissen erwirbt, wenn man den Sachverhalt durch treffende Überlegung respektive  durch die vernünftige Überlegung in der Praxis, in der Theorie und in der Wissenschaft studiert.

Eine Erkenntnis wird auf der Ebene der Vorstellungen erlangt.

Man erlangt die Erkenntnis in dem man verschiedene Vorstellungen / Ideen miteinander vergleicht und zum Teil auch in dem man verschiedene Fakten miteinander vergleicht.

Durch den Vergleich von Vorstellungen und in gewissen Fällen auch durch den Vergleich von Fakten erkennen wir das Erkenntnisobjekt.

Dabei wird man ein Erkenntisobjekt auf der Grundlage von objektiver Evidenz und manch ein anderes auf der Grundlage von subjektiver Evidenz erkennen.

Die Erkenntnis entsteht also durch den Verstand und bei vernünftiger Überlegung vermittelt durch die Vernunft.

Eine Erkenntnis wird in manchen Fällen durch eine gewisse persönliche Sicht erlangt, oder eine Erkenntnis wird spontan erlangt, wenn man mit einem Sachverhalt befasst ist.

In manchen Fällen hängt die Erkenntnis also von einem Vorurteil ab, das uns bekannt ist, in anderen Fällen ist dies nicht der Fall.

Man kann auch sagen: eine Erkenntnis wird durch die Reflexion erlangt.

Oder man kann auch sagen: eine Erkenntnis wird durch das Denken und durch die Überlegung erlangt.

Schließlich kann man auch sagen:

Eine Erkenntnis entsteht auf der Grundlage einer Analyse und / oder auf der Grundlage einer Synthese.

Man findet, dass die Erkenntnis sich entweder auf ein Erkenntnisobjekt bezieht, das uns tatsächlich als Gegenstand schlechthin gegeben ist, oder dass die Erkenntnis sich auf ein Erkenntnisobjekt bezieht, das uns nur als Idee bzw. nur als der Begriff einer Idee als mentales Erkenntnisobjekt somit als Gegenstand in der Idee gegeben ist (vgl. mit Kant Zitat 7). Im zuletzt genannten Fall handelt es sich beim Erkenntnisobjekt um den Begriff einer Idee, somit um das Schema einer Idee das als systematische Einheit im Bewusstsein der erkennenden Person erscheint. (vgl. mit Kant Zitat 7)

Wegen des großen Unterschieds der Erkenntnisobjekte gibt es die Kategorie der Objekte und die Kategorie der Ideen. (vgl. mit Kant Zitat 7)

Diesen elementaren Unterschied in den Erkenntnisobjekten hat Immanuel Kant erkannt und aufgezeigt. (vgl. mit Kant Zitat 7)

Dieser Unterschied in der Erkenntnisbasis ist von eminenter Bedeutung.

Ein demonstrierbares Erkenntnisobjekt können wir nämlich entweder auf der Ebene der Objekte in der Regel als Tatsache objektiv gültig erkennen, das heißt wir können ein solches Erkenntnisobjekt demonstrieren und damit allgemein gültg bestimmen und dessen Existenz allgemein gültig beweisen. Im Gegensatz dazu können wir ein Erkenntnisobjekt, das uns nur auf der Ebene der Vorstellungen als Idee bzw. als der Begriff der Idee gegeben ist nicht demonstrieren. Ein solches Erkenntnisobjekt kann nicht demonstriert werden und es kann es daher auch nicht allgemein gültig bewiesen werden, sondern es kann nur subjektiv gültig auf der Ebene der Ideen erkannt werden. (vgl. mit Kant Zitat 7)

Ein Erkenntnisobjekt wird zwar vorerst immer nur auf der Ebene der Vorstellungen, also nur auf der Ebene der Ideen erkannt. Im einen Fall kann diese Idee jedoch an der Realität, also auf der Ebene der Objekte, bzw. auf der Ebene der Tatsachen geprüft bzw. überprüft werden, während dies bei den Erkenntnisobjekten, die uns nur auf der Ebene der Vorstellung gegeben sind nicht möglich ist. (vgl. mit Kant Zitat 10 und Kant Zitat 9, Kant Zitat 7)

Daher unterscheidet Immanuel Kant einen Gegenstand schlechthin von einem Gegenstand in der Idee. (vgl. mit Kant Zitat 7)

Man kann also sagen: eine Erkenntnis, die an der Realität objektiv überprüft werden kann, gründet sich auf ein vorzeigbares Objekt, etwa eine Zahl, ein Symbol, oder ein real existentes Objekt, also z.B. ein physisches Objekt, das man in der Regel objektiv gültig und damit allgemein gültig bestimmen kann. (vgl. mit Kant Zitat 7)

Im Gegensatz dazu gründet sich eine Erkenntnis, die uns nur als Idee bzw. nur als der Begriff der Idee gegeben ist, auf etwas was nicht an der Realität allgemein gültig überprüft werden kann. Eine solche Erkenntnis kann – wie Immanuel Kant sagt – nicht am Probierstein der Erfahrung geprüft werden kann. (vgl. mit Kant Zitat 10)

John Locke schreibt sinngemäß, dass es sich dabei um ein Erkenntnisobjekt handelt, das auf der Grundlage der internen Operationen der Geistes (internal Operations of our Minds) entsteht. (vgl. mit John Locke Zitat), und David Hume schreibt sinngemäß, dass es sich bei einem solchen Erkenntnisobjekt um eine komplexe Idee (complex idea) handelt. (vgl. mit David Hume Zitat)

Die Erkenntnis wird also einerseits durch die sinnliche Wahrnehmung erlangt und andererseits durch die mentalen Prozesse, die auf der Grundlage der sinnlichen Wahrnehmung entstehen, sprich die durch unser Denken, und im weiteren Sinn auch durch die Erfahrung und die Überlegung entsteht.

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Man kann also sagen; dass sich die Erkenntnis entweder auf ein real existentes bzw. auf ein physisches Objekt, oder auch auf eine uns gegebene Zahl, oder ein Symbol, also auf ein uns real zur Anschauung gegebenes Objekt gründet, oder auf ein Erkenntnisobjekt, das uns nur als mentales Objekt beziehungsweise als der Begriff einer Idee gegeben ist. (vgl. mit Kant Zitat 7)

Aus diesem Sachverhalt ergibt sich, dass nur dann eine Erkenntnis objektiv gültig ist, wenn sie auf der Grundlage der Realität überprüft bzw. bestimmt werden kann, weil nur in einem solchen Fall alle Urteile in Bezug auf das Erkenntnisobjekt untereinander übereinstimmen. (vgl. mit Kant Zitat 9)

In einem solchen Fall sind die entscheidenden Kriterien nämlich durch das Objekt bestimmt, und gelangen daher verschiedene Personen auf der Grundlage derselben Kriterien zur selben Erkenntnis. (vgl. mit Kant Zitat 9). Daher ist eine solche Erkenntnis objektiv gültig.

Eine solche Erkenntnis wird auf der Grundlage von objektiver Evidenz erkannt, wohingegen eine Erkenntnis, die nur auf der Ebene der Vorstellungen evident ist, nur mit subjektiver Evidenz erkannt wird.

Philosophisch betrachtet ist eine Erkenntnis eine Idee, die im Bewusstsein einer Person erscheint. Eine solche Idee kann objektiv gültig sein, oder nur subjektiv gültig sein. Falls die Idee objektiv gültig ist, gründet sie sich auf ein real existentes Objekt, oder eine Zahl, oder ein Symbol, und wird daher die Erkenntnis auf der Grundlage von objektiver Evidenz erlangt. Falls die Idee nur subjektiv gültig ist, gründet sich die Erkenntnis nicht direkt auf ein real existierendes Objekt, und wird daher die Erkenntnis auf der Grundlage von subjektiver Evidenz erlangt.

Falls es sich bei der Idee um eine Idee handelt, die „physisch“ überprüft, und damit allgemein gültig bestimmt werden kann, dann handelt es sich dabei um eine objektive Erkenntnis. Im anderen Fall, wenn die Idee nicht in an der Realität überprüft werden kann, wenn es sich also um eine bloße Idee handelt, dann ist es nur eine subjektiv gültige Erkenntnis.

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In der Medizin kann eine Erkenntnis objektiv gültig sein, oder sie kann nur subjektiv gültig sein. In der Psychiatrie (Psychologie und Psychotherapie) ist eine Erkenntnis praktisch immer nur subjektiv gültig.

Eine psychiatrische Diagnose kann nur auf der Grundlage von subjektiv gültiger Erkenntnis festgestellt werden. Ein Teil der medizinischen Diagnosen kann auf der Grundlage von objektiv gültger Erkenntnis festgestellt werden, wogegen andere medizinische Diagnosen, nämlich die syndromalen Diagnosen – ebenso wie die psychiatrischen Diagnosen –  nur auf der Grundlage von subjektiv gültiger Erkenntnis festgestellt werden können.

( letzte Änderung 19.05.2019, abgelegt unter: Definition, Erkennen, Erkenntnis, Wissen, Wissenschaft)

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