Dr.med. Othmar Mäser, Psychiater Psychotherapie

gesundheitliche Störung

Eine gesundheitliche Störung ist eine Störung bei der die Gesundheit beeinträchtigt ist.

Dabei wird die gesundheitliche Störung oftmals als Krankheit bezeichnet.

Die gesundheitliche Störung kann vorwiegend den Körper betreffen, oder es kann die gesundheitliche Störung vorwiegend die Psyche betreffen. In diesem Fall spricht man von einer psychischen Störung.

Falls die gesundheitliche Störung den Körper und die Psyche in ungefähr demselben Ausmaß betrifft spricht man unter Umständen von einer psychosomatischen Störung.

Weil die gesundheitlichen Störungen und Krankheiten des Körpers in der Medizin im Sinne der heutigen Medizin systematisch untersucht werden und in der Psychiatrie die psychischen Störungen, kam es vor ca. 200 Jahren zur Aufspaltung der vormaligen Medizin in die heutige Medizin, die seither teils als Schulmedizin bezeichnet wird und in die Psychiatrie. Diese beiden Bereiche der Heilkunde werden gegenwärtig an der medizinischen Fakultät einer Universität unterrichtet. Man bezeichnet die Schulmedizin daher auch als die universitäre Medizin.

Es werden demgemäß in der Medizinischen Diagnostik die gesundheitlichen Störungen des Körpers nach einem System geordnet untersucht und in der Medizinischen Wissenschaft systematisch studiert und andererseits werden die gesundheitlichen Störungen der Psyche in der Psychiatrischen Diagnostik erfasst und in der Psychiatrischen Wissenschaft systematisch untersucht.

Falls in der Diagnostik die gesundheitliche Störung durch körperliche Merkmale erfasst wird – die Merkmale also den Körper betreffen – dann wird die gesundheitliche Störung in der Medizin durch die entsprechende medizinische Diagnose festgestellt.

Falls die gesundheitliche Störung in der Diagnostik durch psychische Merkmale, nämlich durch krankheitswertige psychische Phänomene erfasst wird, dann wird die gesundheitliche Störung der Psyche, nämlich die psychische Störung in der Psychiatrie durch die entsprechende psychiatrische Diagnose feststellt.

Während eine dauernd bestehende gesundheitliche Störung in der Regel als Krankheit bezeichnet wird, spricht man bei einer nur zeitweise auftretenden Störung der Gesundheit in der Regel nicht von einer Krankheit, sondern eben von einer (passageren = vorübergehenden) gesundheitlichen Störung.

Der Unterschied im Begriff „Krankheit“ zum Begriff „Störung“ gründet sich somit wesentlich auf den Unterschied in der Dauer bzw. auf den Unterschied im Verlauf.

Die Krankheit besteht andauernd (ohne Unterbruch), die Störung besteht vorübergehend, also mehr oder weniger lang und es sollte demgemäß im einen Fall der Begriff: Krankheit verwendet werden und im anderen Fall der Begriff: Störung.

In der Heilkunde unterscheidet man in erster Linie körperliche Krankheiten von psychischen Krankheiten bzw. von psychischen Störungen.

Demgemäß erfasst man in der Medizin die körperlichen krankheitswertigen gesundheitlichen Störungen (Krankheiten) und in der Psychiatrie die krankheitswertigen psychischen Störungen.

Die Ursache der gesundheitlichen Störung kann bekannt sein, weil es sich um eine faktische Ursache handelt, oder sie ist nicht näher bekannt, weil es sich um eine komplexe Ursache handelt.

Krankheit ist das Gegenteil von Gesundheit.

Eine Krankheit wird in der Diagnostik auf der Grundlage von Krankheitszeichen festgestellt und dementsprechend wird eine gesundheitliche Störung durch Merkmale der gesundheitlichen Störung festgestellt.

In der Medizin werden die körperlichen Krankheiten durch körperliche Krankheitszeichen erfasst und in der Psychiatrie werden die unterschiedlichen psychischen Störungen durch psychische Krankheitszeichen, nämlich durch krankheitswertige psychische Phänomene erfasst.

Es betreffen die Merkmale der gesundheitlichen Störung also entweder den Körper oder die Psyche.

Die Auftrennung in körperliche gesundheitliche Störungen (Krankheiten) und in psychische Störungen ergibt sich aus der Tatsache, dass wir den Körper von der Psyche unterscheiden.

Demgemäß gibt es die Gruppe der gesundheitlichen Störungen, die primär den Körper betreffen und in der Medizinischen Diagnostik erfasst werden und und andererseits die Gruppe der gesundheitlichen Störungen, die primär die Psyche, also das Erleben, teils auch das Reagieren und Verhalten betreffen und in der Psychiatrischen Diagnostik erfasst werden.

Natürlich betreffen körperliche Störungen (Krankheiten) immer auch das Erleben und damit auch die Psyche und es betreffen umgekehrt auch die psychischen Störungen immer auch den Körper.

Die psychischen Störungen werden jedoch auf der Grundlage von psychischen Merkmalen, nämlich auf der Grundlage von  psychischen Phänomenen bzw. psychopathologischen Phänomenen diagnostiziert, wohingegen die körperlichen Krankheiten auf der Grundlage von körperlichen Merkmalen, also auf der Grundlage von körperlichen Symptomen, Phänomenen und sonstigen Merkmalen diagnostiziert werden.

Da eine Krankheit (gesundheitliche Störung) durch eine Diagnose erfasst wird, unterscheidet man demgemäß eine medizinische Diagnose von einer psychiatrischen Diagnose.

Die sogenannten psychosomatischen Störungen im engeren Sinn und damit die psychosomatischen Diagnosen im engeren Sinn nehmen eine Zwischenstellung ein, insofern eine solche Diagnose sowohl psychische Aspekte wie auch körperliche Aspekte berücksichtigt.

Man findet also, dass eine körperliche Krankheit auf der Grundlage von körperlichen Zeichen diagnostisch erfasst wird, wohingegen eine psychische Störung (psychische Krankheit) auf der Grundlage von psychischen Zeichen, sprich auf der Grundlage von krankheitswertigen psychischen Phänomenen diagnostisch erfasst wird, die man als psychopathologische Phänomene bezeichnet.

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Man sagt: jemand fühlt sich krank oder jemand fühlt sich gesund. Oder man sagt jemand ist krank oder ist gesund.

Ein Arzt stellt in gewissen Fällen auf der Grundlage von krankheitswertigen Befunden eine Krankheit fest, ohne dass Beschwerden vorhanden sind und ohne dass ein subjektives Krankheitsgefühl vorhanden ist.

Die Feststellung einer Diagnose bzw. die Feststellung einer Krankheit hat mit einem Urteil zu tun und es kann dabei die Befindlichkeit eine Rolle spielen oder unter Umständen ist die Diagnose auf festzustellen ohne dass eine Befindlichkeitsstörung besteht.

Das Urteil ob jemand krank ist kann von der betroffenen Person selbst, also vom Subjekt, oder von einer anderen einer außen stehenden Person gefällt und damit festgestellt werden.

Wenn jemand einen Schnupfen bekommt, so fühlt er sich zuerst noch gesund, irgendwann tritt jedoch bei den meisten Personen das Bewusstsein auf, dass man sich krank fühlt. Sich krank fühlen hat also mit einer subjektiven Bewertung also mit einem subjektiven Urteil zu tun.

Andererseits ist objektiv betrachtet eine Person krank wenn sie z.B. von einem Virus infiziert worden ist und die Virusvermehrung bereits in Gang gekommen ist und die Krankheit bereits ein gewisses Ausmaß erlangt hat. Dabei kann  es allerdings sein dass sich die betroffene Person noch nicht krank fühlt und das Krankheitsbewusstsein erst auftritt wenn sich gewisse Symptome und Phänomene bemerkbar machen, also tritt das Krankheitsbewusstsein erst auf wenn ein gewisser Symptomenkomplex vorliegt und ein gewisses klinisches Erscheinungsbild manifest ist. Subjektiv gesehen fühlt sich die betroffene Person also erst krank wenn sie gewisse Beschwerden hat, wenn also gewisse Symptome und gewisse Phänomene, also gewisse Krankheitszeichen aufgetreten sind, so z.B. bei einem grippalen Infekt etwa Niesen, Husten und die typischen Gliederschmerzen, ein Schwächegefühl usw.

Es wird also unter Umständen etwas aus objektiver Sicht als krank bezeichnet, was aus subjektiver Sicht noch nicht als krank empfunden bzw. bewertet wird und umgekehrt.

Manch eine Person fühlt sich krank und sie ist davon überzeugt nicht mehr arbeiten zu können, wohingegen der Gutachter von der Rentenversicherung im Prüfungsverfahren feststellt, dass ihr gewisse Arbeiten noch möglich und daher zumutbar sind. Man sieht also, dass die Sichtweisen bezüglich des Krankseins divergieren können und dass hinter der Feststellung „gesund“, oder „krank“ eine subjektive Bewertung bzw. ein subjektives Urteil steckt.

Andererseits wenn im Blut bei einer Person gewisse Viren z.B. die Viren, die eine Hepatitis B verursachen, festgestellt werden, dann ist die Person objektiv gesehen also aus der Sicht eines in der Medizin tätigen Arztes krank auch wenn sie sich selbst noch gesund fühlt. In diesem Fall gründet sich die Feststellung der Krankheit bzw. die Feststellung des Infekts auf ein objektives Urteil, nämlich den objektiven Nachweis der Hepatitis B Viren im Blut.

Die Feststellung „gesund oder „krank“ ist also von einem empirischen Urteil abhängig, das ein objektives oder ein subjektives empirisches Urteil sein kann.

Bei den empirischen Urteilen unterscheidet Immanuel Kant Wahrnehmungsurteile von Erfahrungsurteilen. (vgl. mit Kant Zitat 6)

Abschließend kann man also sagen, dass das Erkennen einer Krankheit bzw. einer gesundheitlichen Störung auf der Grundlage von Merkmalen erfolgt, die entweder physisch auf der Ebene der real existenten Objekte erkannt werden – die Immanuel Kant als Gegenstand schlechthin bezeichnet, oder es beruht ein solches Urteil auf Kriterien, die auf der Ebene der Ideen festgestellt werden, die Immanuel Kant als Gegenstand in der Idee bezeichnet. (vgl. mit Kant Zitat 7)

In der Erkenntnisbasis findet man also den Grund warum man einen Teil der Krankheiten bzw. der gesundheitlichen Störungen objektiv gültig bestimmen kann, wohingegen man den anderen Teil der Krankheiten bzw. der gesundheitlichen Störungen nicht objektiv gültig, sondern nur subjektiv gültig erkennen und diagnostisch bestimmen kann.

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(letzte Änderung 17.02.2018, abgelegt unter: Definition, Diagnostik, Heilkunde, Krankheit / gesundheitliche Störung, Medizin, Medizinische Diagnostik, Psychiatrie, psychische Störung, Psychosomatik, Wissenschaft)

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